Corona-Virus: Halle ist gerüstet – bisher alle Tests am Klinikum negativ
Von Panik keine Spur

Halle (WB). Im Klinikum Halle bekommt aktuell jeder Patient, der mit Grippesymptomen das Haus betritt, einen Mundschutz überreicht. Dazu springen die Automaten zur Handdesinfektion in leuchtenden Farben dem Besucher direkt ins Auge: „Bitte desinfizieren Sie sich die Hände.“ Gerade in Zeiten von Corona ist Handhygiene das A und O. Panik gibt es aber nicht. „Jeder ist geschult, jeder weiß, was er zu tun hat“, sagt Pflegedienstleiterin Maria Heckmann.

Montag, 02.03.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 20:56 Uhr
Maria Heckmann, Pflegedienstleiterin am Klinikum, zeigt, wie Handdesinfektion richtig funktioniert: Mit dem Ellenbogen wird der Hebel betätigt. Die Besucher nutzen die Spender intensiv, dies mache sich am Verbrauch bemerkbar. sagt Heckmann. Foto: Winkelkötter

Wachsamkeit, Vorsicht, aber keine Hysterie – so lässt sich die Situation in der Stadt derzeit wohl treffend beschreiben. Relative Ruhe herrscht noch in den Hausarztpraxen. Ein Mann habe einen Corona-Test verlangt, weil er bei einer Großveranstaltung mit Italienern gefeiert habe. Dort ist das Virus bekanntlich weit verbreitet. Dies berichtet Dr. Larissa Hildebrandt, die gemeinsam mit Dr. Carl-Jörg Schlierkamp praktiziert, auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage. „Ansonsten herrscht bei uns der normale Praxisalltag, von Panik keine Spur“, so die Ärztin.

Schutzmasken sind verschwunden

Auch bei ihrer Kollegin Dr. Ute Müller tauchen einzelne Patienten auf, die fürchten, infiziert zu sein. „Wir arbeiten diese Fälle am Telefon nach der Checkliste des Robert-Koch-Instituts ab und prüfen, ob Kontakt zu einem Infizierten bestanden hat oder ob der Patient im Risikogebiet war.“ Hausbesuche schließt sie in kritischen Fällen aus: „Wir müssen schließlich auch dafür sorgen, dass das medizinische Personal möglichst gesund bleibt.“ Bei schweren Verläufen werden die Patienten ans Krankenhaus verwiesen.

Dort hatten Maria Heckmann und Kollegen am Montag am Eingang zur Notaufnahme einen kleinen Tisch aufgebaut, auf dem für Patienten mit entsprechenden Symptomen unter anderem Mundschutzmasken auslagen. Heckmann: „Die waren innerhalb kürzester Zeit weg, da haben sich irgendwelche Leute einfach bedient.“ Im Klinikum wird jeder Patient, der mit Grippesymptomen und Fieber kommt, auf Corona getestet. Heckmann: „Bisher alles negativ.“

Nüchternheit ins Thema bringen

Am Klinikum, so Sprecher Axel Dittmar, wird versucht, so viel Nüchternheit wie möglich ins Thema zu bringen. „Wir beurteilen die Lage jeden Tag aufs Neue. Wenn es notwendig ist, können wir auch schnell ein Zelt oder einen Container aufbauen, um möglicherweise Infizierte getrennt von anderen Patienten zu behandeln, aber so weit ist es noch nicht.“ Der Vorrat an Desinfektionsmitteln sei aber erhöht worden. Dittmar: „Da hat der Einkauf schnell reagiert.“

Apropos Einkauf: Im Marktkauf Speicher bemerken die Mitarbeiter vermehrte Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln, Reis, Mehl oder Zucker sowie Hygieneartikeln wie Toilettenpapier. Manche Regale waren am Wochenende praktisch leer gefegt. „Das ging am Mittwoch los und wurde jeden Tag schlimmer, am Donnerstag war es ganz extrem“, berichtet Steffen Weinreich, Teamleiter Food. Gestern konnten seine Mitarbeiter die Regale zu großen Teilen wieder auffüllen: „Es ist fast alles wieder da.“

Gelassenheit an den Schulen

Gelassenheit herrscht übrigens auch noch in den Schulen. Am Kreisgymnasium und der Gesamtschule wurden Desinfektionsmittel und Seife aufgerüstet. „Sonst ist aber alles ruhig“, sagt Markus Spindler, Leiter des Kreisgymnasiums. „Wir hoffen, dass der Kelch an uns vorübergeht.“

Kreis richtet Hotline ein

Auch der Kreis Gütersloh bereitet sich auf einen möglichen ersten Corona-Fall vor. Festgelegt wurde, dass keine Corona-Verdachtsfälle mitgeteilt werden. Das sei weder aus medizinischer Sicht noch aus dem Gedanken des Bevölkerungsschutzes und dem Schutz Betroffener angemessen, so Sprecher Jan Focken. „Die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung beginnen dann, wenn jemand positiv getestet worden ist.“ Sollte es im Kreis Gütersloh einen positiven Test auf das Coronavirus geben, informiert der Kreis aktiv darüber.

Seit Montag ist zudem eine Bürger-Hotline mit Informationen rund um das Coronavirus eingerichtet. Unter Tel. 05241/85-4500 können Bürger anrufen, wenn sie Fragen zu der Lungenkrankheit (COVID-19) haben. Die Bürger-Hotline bildet die erste Anlaufstelle und ist in den nächsten Tagen von 8 bis 17 Uhr besetzt. Ab 17 Uhr kann das Bürgertelefon der Kassenärztlichen Vereinigung unter Tel. 116117 angerufen werden. Von der Resonanz wird abhängig gemacht, wie die weitere Besetzung der Hotline aussehen wird.

Auf der Internetseite des Kreises gibt es aktuelle Informationen zum Coronavirus: www.kreis-guetersloh.de

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