Haller Bachtage enden mit gelungener Aufführung der „Schöpfung“ Publikum lauscht gebannt

Halle (WB). Mit einer eindrucksvollen Aufführung von Joseph Haydns „Schöpfung“ klangen am Samstag die 57. Haller Bachtage in der St. Johanniskirche in Halle aus.

Von Armin Kansteiner
Der Bach-Chor der Johanniskantorei Halle unter Leitung von Friedemann Engelbert und das Ensemble Aperto unter Leitung von Elfriede Stahmer wurden für ihre Darbietung in der St. Johanniskirche in Halle mit gewaltigem Beifall belohnt.
Der Bach-Chor der Johanniskantorei Halle unter Leitung von Friedemann Engelbert und das Ensemble Aperto unter Leitung von Elfriede Stahmer wurden für ihre Darbietung in der St. Johanniskirche in Halle mit gewaltigem Beifall belohnt. Foto: Malte Krammenschneider

In der Malerei ist die Darstellung paradiesischer Szenen ein beliebtes Thema. In der Musik steht die vollendete Vertonung der Schöpfungsgeschichte durch Haydn ziemlich allein da. Die schwierigste Aufgabe stellte sich dem Komponisten mit der Einleitung, der Darstellung des Urzustandes. Wie kann Musik, die von Form schaffenden Elementen wie Harmonie und Rhythmus lebt, die Vorstellung von Leere und Chaos erzeugen? Haydn gelingt diese Quadratur des Kreises, indem er zwar Akkorde verwendet, sie aber zugleich so verfremdet, dass auch der geübte Hörer fast nie sagen kann, welche Tonart gerade zugrunde liegt. Wenn dann doch einmal ein klares Des-Dur erklingt, liegt in Wirklichkeit eine riskante harmonische Wendung vor, die letztlich c-Moll zugeordnet werden muss. So spürt der Zuhörer das Chaos unmittelbar bis zu dem strahlenden C-Dur bei den Worten „und es ward Licht“. Die Einleitung steht damit in deutlichem Kontrast zur Vertonung der folgenden Schöpfungstage.

Hatte das Ensemble Aperto unter der Leitung von Elfriede Stahmer seinen historischen Instrumenten meisterlich die fahlen Klangfarben der Leere und der Dunkelheit entlockt, so gelang ihm jetzt eine ungemein anschauliche Charakterisierung der „brausend heftigen Stürme“, des „rieselnden Schnees“ oder des „brüllenden Löwen“, die zu verfolgen sehr viel Freude machte.

Hierzu leisteten auch die Solosänger einen entscheidenden Beitrag. Susanne Martin, Sopran (Gabriel und Eva), Florian Sievers, Tenor (Uriel) und Felix Schwandtke, Bass (Raffael und Adam) sangen mit herrlichen Stimmen, dezentem angenehmem Vibrato und absoluter Intonationsreinheit in allen Lagen vollkommen überzeugend. Besonders deutlich wurde das an folgenden Stellen: Susanne Martin bewältigte nicht nur die schwierigsten Koloraturen mit Bravour, sondern sie gab auch der Liebe des Taubenpaares betörenden Klang. Florian Sievers konnte seiner strahlenden Tenorstimme auch wunderbar weiche und klangvolle Töne entlocken, die den „leisen Gang und sanften Schimmer des Mondes“ fühlbar machten. Felix Schwandtkes Bass war immer vorzüglich verstehbar. Seine leuchtende Wärme in tiefen Lagen war genauso beeindruckend wie seine Freude am Illustrieren, wenn er „Leviathan am Meeresgrund“ sich wälzen ließ, oder wenn der „gelenkige Tiger“ emporschoß. Alle drei in einem Terzett zu hören hatte nur den einen Fehler: Haydn hat ihnen zu wenig Platz eingeräumt.

Der Leiter des Bach-Chores der Johannis-Kantorei, Friedemann Engelbert, hatte hervorragende Probenarbeit geleistet. Was er dem etwa 80 Mitglieder starken Chor an Genauigkeit, Textverständnis, Lautstärkendifferenzierung und ausdrucksstarkem Klang in leisen wie kräftigen Passagen im Augenblick der Aufführung abverlangen konnte, ließ die gewiss abwechslungsreiche Komposition in einem stets neuen Licht erscheinen. Die grellen Farben des Beleuchtungslichts dagegen wirkten erschreckend künstlich. Wie erhebend ist dagegen der Anblick der herrlich gestalteten Kirchengewölbe in ihren natürlichen Putz- und Steintönen.

Das Publikum hatte bis zum letzten Akkord wie gebannt gelauscht. Im gewaltigen Beifall löste sich die Spannung. Was für ein großartiges Erlebnis! Aber vielleicht nicht nur das. Möglicherweise sieht man nach dieser eindringlichen Vision auch mit Beklemmung, was wir aus der Schöpfung gemacht haben.

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