Im Interview: Piano-Ass Joja Wendt spielt im Haller OWL-Event-Center – Kartenverlosung „Man muss die Finger am Laufen halten“

Halle (WB). Der Hamburger Pianist Joja Wendt gastiert am Donnerstag, 13. Februar, mit seinem Programm „Stars on 88 Part II“ im OWL-Event-Center in Halle. Vorab gewährte der 55-Jährige einen Einblick in die Klaviatur seiner Gedanken.

Von Klaus Gosmann
Er kommt aus dem Boogie-Woogie, aber er kann alles virtuos spielen: von Klassik über Jazz bis zur Popmusik. Der Pianist Joja Wendt stellt am 13. Februar im OWL-Event-Center in Halle sein Programm „Stars on 88 Part II“ vor.
Er kommt aus dem Boogie-Woogie, aber er kann alles virtuos spielen: von Klassik über Jazz bis zur Popmusik. Der Pianist Joja Wendt stellt am 13. Februar im OWL-Event-Center in Halle sein Programm „Stars on 88 Part II“ vor. Foto: Christian Barz

Ihr aktuelles Programm heißt in Anlehnung an die 88 Klaviertasten „Stars on 88 Pt. II“ und deckt eine stilistische Bandbreite von Pop bis Klassik ab. Ist „Part II“ ein komplett neues Programm oder eher eine Weiterentwicklung von „Part I“? Kommen in „Part II“ auch Titel aus dem ersten Programm vor? Im Vorgängerprogramm haben Sie ja erstmals auch ausgiebig Popsongs, die ihr Leben begleitet haben, in Klavierbearbeitungen interpretiert.

Wendt: Vor meiner letzten Tour haben meine Kinder gesagt: „Du spielst immer Jazz, Blues und Klassik. Wie wär’s denn mal mit Popmusik?“ Dann haben wir die Popmusik mit reingenommen. In meinem letzten Programm, „Stars on 88“, waren das ja schon einige Poptitel. Ich habe jetzt diejenigen, die wirklich gut funktioniert haben und auch auf dem Klavier überraschend sind, wie zum Beispiel eine „AC/DC“-Nummer, nach wie vor im Programm behalten.

Reden Sie von „Thunder-struck“?

Wendt: Ja, genau, weil der Titel einfach Energie hat, und auch für viele Leute überraschend ist, dass man den überhaupt auf Klavier spielen kann. Aber ich habe auch viele neue Stücke, also meine ganz persönlichen „Stars on 88“. Das Schöne an diesem Programm ist, dass ich ein bisschen durch meine Vinylplattensammlung streife. Ich habe meinen Plattenschrank dabei, und da ist ein Plattenspieler als Deko auf der Bühne, und ich stöbere da so ein bisschen durch. Insofern kann ich aus dem herrlichen, reichen Repertoire meiner Schallplattensammlung schöpfen, und deswegen gibt es auch immer mal wieder was Neues.

Welche neuen Titel sind zum Beispiel dabei?

Wendt: Ich arbeite gerade an „September“ von „Earth, Wind & Fire“. Es gibt ein tolles Stück von Rachmaninow, das ich neu im Programm habe, außerdem ein Stück von Art Tatum, meinem großen Jazzvirtuosen-Vorbild am Klavier, einen neuen Boogie und ein neues Stride-Piano-Stück. Ich habe auch Stücke im Repertoire, die aus der Jazzwelt kommen und dann Pophits geworden sind, wie „Sonderzug nach Pankow“ von Udo Lindenberg – im Original „Chattanooga Choo Choo“.

Aber nach wie vor kommt in dem Programm auch Klassik vor, oder?

Wendt: Es kommen klassische Stücke, also klassische Bearbeitungen, vor. Ich wollte diesmal ein Stück wirklich im Original spielen, und das ist zufälligerweise auch noch eines der schwierigsten Stücke, die man auf dem Klavier spielen kann: die „Carmen“-Variationen von Vladimir Horowitz.

Ihre Jugendzeit lag in den 1970er Jahren, der großen Zeit der weltweit erfolgreichen Piano-Singer-Songwriter wie Elton John und Billy Joel. Waren die beiden damals Einflüsse oder Vorbilder für Sie?

Wendt: Tatsächlich nicht so sehr, das ist erstaunlich. „Your song“ von Elton John war ein Titel, der mir gefallen hat. Aber in der Zeit war ich so tief in meine nerdy Jazzwelt eingetaucht, dass ich in der Popwelt so gar nicht richtig drin war. Aber ich kenne natürlich noch Musik aus dem Bereich, die mich als Jugendlicher sozialisiert hat, zum Beispiel von Gilbert O’ Sullivan.

Es gibt die introvertierten Tastenzauberer, die bereits ein Hüsteln im Saal zum Konzertabbruch verleitet, und die Pianisten, die neben dem virtuosen Vortrag auch eine gute Show bieten wollen, so wie Sie. Haben Sie, was die Show an den Tasten angeht, Vorbilder: zum Beispiel Jamie Cullum, Elton John, Dr. John oder Little Richard?

Wendt: Eher jemanden wie Victor Borge. Das ist ein klassischer Pianist gewesen, ein dänischer Jude, der im Zweiten Weltkrieg nach Amerika emigriert ist und dort so eine Art Status hatte wie hier Loriot, also einen feinen hintergründigen Humor hatte – und er spielte fantastisch Klavier. Das hat mir gezeigt, dass man erst mal unanfechtbar musikalisch sein Handwerk beherrschen muss, bevor man anfangen kann, Unterhaltung zu machen. Denn richtig gute Unterhaltung kommt leicht, unaufgeregt und beiläufig rüber. Wie bei den Harlem Globetrotters, die können alle wahnsinnig gut Basketball spielen, aber sie können nur so gut unterhalten, weil sie ihr Handwerk so gut beherrschen.

Sie verfügen als Pianist über ein hohes Arbeitsethos: Während Ihrer Studienzeit, also zwischen 20 und 30, haben Sie acht bis zehn Stunden am Tag geübt. Wie viel spielen Sie heute noch täglich?

Wendt: Damals habe ich sogar mehr geübt. Da habe ich mich morgens um acht hin gesetzt, und bin nachts um zwei aufgestanden. Das war dramatisch, wie viel ich damals gespielt habe. Das sind so die Lehrjahre, in denen man die Grundlagen legt, wo man auch technisch Dinge durchfummelt und man musikalisch die Übersicht erlangen muss – auch harmonisch. Da muss man als Junger einfach viel üben. Inzwischen hat man so ein bisschen seinen Stil gefunden, wie man die Stücke arrangiert und spielt. Ich habe es jetzt leichter – auch durch die Tatsache, dass ich schon als junger Mensch verschiedene Stile gespielt habe. Man muss allerdings immer noch die Finger am Laufen halten und jeden Tag spielen, aber es sind jetzt nicht mehr so diese Wahnsinnsübesessions. Gestern habe ich zum Beispiel gedacht, ich spiele jetzt mal eine halbe Stunde Klavier, und dann sind doch drei Stunden draus geworden.

Ein wichtiger Förderer Ihrer Karriere war Rocksänger Joe Cocker, der eines Tages in der Hamburger Musikkneipe „Sperl“ reinschaute, wo Sie damals bereits zu Schülerzeiten regelmäßig spielten. Weil sein Vorprogramm ausgefallen war, fragte er an,ob Sie Interesse hätten, einzuspringen. Erinnern Sie sich noch an das Konzert mit Cocker?

Wendt: Das war hier in Hamburg der erste Gig seiner Tournee, wo Joe Cocker sagte: „Ich habe für morgen kein Vorprogramm.“ Weil Tony Joe White (2018 verstorbener US-Musiker, der ursprünglich bei Joe Cocker im Vorprogramm spielen sollte, d. Red.) eine Mittelohrentzündung hatte. Ich wusste ja gar nicht, was da auf mich zukommt, das war ja zu Schulzeiten. Ich wusste ja nicht, wie es ist, vor Tausenden von Leuten zu spielen. Da hat er gesagt: „Vertrau mir einfach, spiel das so, wie du das hier gemacht hast, und die Leute werden drauf abfahren.“ Und genauso war’s. Daraufhin hat er mich auf seine deutschlandweite Tour mit genommen.

Karten erhalten Sie hier:

  • Karten für das Konzert von Joja Wendt am Donnerstag, 13. Februar, von 20 Uhr an (Einlass: 19 Uhr) im OWL-Event-Center in Halle sind im Vorverkauf unter Telefon 0521/5299640 oder online unter www.westfalen-blatt.de im Ticketbereich erhältlich. Außerdem verlosen das WESTFALEN-BLATT und OWL AM SONNTAG zusammen 12 Mal jeweils 2 Karten für das Konzert unter all denjenigen Lesern bis einschließlich Sonntag, 9. Februar, unter Telefon 01379/883002 (0,50 Euro/Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) anrufen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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