Mit gewaltigem Aufwand werden Stadion, Event-Center, Flyer und mehr umfirmiert Aufbruchstimmung in der OWL-Arena

Halle (WB). Die Adresse ist dieselbe, doch der Name ist neu: Das Gerry-Weber-Stadion firmiert jetzt unter OWL-Arena. Quasi über Nacht ist die frühere Gerry-Weber-World damit ins Rotieren geraten. Vom Briefkopf bis zum Großplakat, vom Logo auf dem Kissen bis zu den Leucht-Lettern am Stadion muss alles ausgetauscht werden. Alles, was irgendwo ein „Brandzeichen“ trägt.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Der neue Name ist am Tennispoint-Court (früher Court 1) zu lesen. Doch Alexander Hardieck und Torben Griese (rechts) haben noch viel Arbeit vor sich.
Der neue Name ist am Tennispoint-Court (früher Court 1) zu lesen. Doch Alexander Hardieck und Torben Griese (rechts) haben noch viel Arbeit vor sich. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Stadion, Event-Center, Sportpark und das Hotel sind in den vergangenen Jahrzehnten die Pfeiler einer Premium-Marke geworden. Und jetzt hat diese Marke, englisch „brand“, einen neuen Namen bekommen, einen aktuellen Stempel, der allem aufgedrückt werden muss. Mit Ausnahme der großen Wegweiser auf der A 33. Dort zeigt man den Autofahrern seit der Eröffnung ausschließlich ein Stadion-Symbol. Wohlweislich. Andere großräumige Beschilderungen muss die Straßenverkehrsbehörde erst förmlich anordnen.

Name auf jedem Becher

Das „Umbranding“ geht nicht auf Knopfdruck. Aber der Feldzug auf einem einigermaßen unübersichtlichen Terrain ist minutiös geplant. Denn Name, Logo oder Piktogramm sind allgegenwärtig: Wer übers Internet Eintrittskarten fürs Konzert von Andrea Berg kauft, der kommt ebenso damit in Berührung wie jemand, der das Event-Center für sein Firmenjubiläum reservieren möchte. „Auf jedem Pflasterstein steht noch Gerry Weber“, zieht Stephan Pumpe, der Leiter Marketing und Sponsoring, erste Bilanz einer Ortsbegehung, bei der jedes Treppenhaus, jeder Parkplatz, jeder Fluchtplan an der Wand inspiziert worden ist. In den Büros trinken die Kollegen ihren Kaffee aus einer Gerry-Weber-Tasse. Noch. Auf den Jacken des Sicherheitsdienstes, auf den Sitzkissen, dem eigenen Parkleitsystem, auf den Fußwegen zur Arena und am Haltepunkt der Nordwestbahn – überall steht noch der alte Name.

Und es dauert sicher, bis sich auch am Telefon niemandem mehr verspricht. Mehr als 100 verschiedene Positionen hat Stadionleiter Torben Griese (43) aufgelistet. Der Mann für die Technik auf dem Gelände und bei den Produktionen, der auch für die Sicherheit der Besucher zuständig ist, hat allein zehn Mitarbeiter für den Austausch von (Groß-)Plakaten und Schildern in Bewegung gesetzt: Im Ravenna-Park, im Safari-Land in Stukenbrock, in der Schüco-Arena will man möglichst aktuell werben. Torben Griese: „Wir müssen auch die Anfahrtspläne updaten, damit die zehn Lkw-Transporter von Andrea Berg demnächst wissen, wo sie parken und Strom finden können.“

Elegantes Blau

Dabei ist sofort mit der Bekanntgabe des neuen Namens der Startschuss gefallen. Schon drei Tage später zum Konzert der Kelly-Family hat das Security-Team ein einheitlich gekleidetes Bild abgegeben. Das frühere Tennis-Green ist übrigens einem eleganten, dunklen Preußisch Blau gewichen. Nur das Stadiongebäude selbst trägt noch den grünen Look des Rasen-Tennis.

Alexander Hardieck (37), der mit Ralf Weber als Geschäftsleiter fungiert, arbeitet eine 20 Seiten lange Liste ab, die von baulichen Maßnahmen wie der Leuchtschrift an Block A und dem Schriftzug am Tennispoint-Court (früher Court 1) bis hin zum neuen, leicht modernisierten Piktogramm zig Positionen umfasst. Er hat die Firma beim Handelsregister eintragen lassen, die OWL-Arena beim Deutschen Patent- und Markenamt in München angemeldet und im Haller Rathaus die Gewerbeanmeldung geändert. Lieferanten müssen informiert werden, damit Rechnungen und andere Post ankommen. Apropos Geld: Die Umfirmierung kostet bestimmt „eine mittlere fünfstellige Summe“, sagt Alex Hardieck.

Erster Auftritt

Der erste öffentliche Auftritt bei der Messe Event-OWL 2020 in Bielefeld kam wie gerufen: Auf einem Stand mit Acht-Meter-Rückwand und Veranstaltungsplakaten mit auf die Schnelle überklebten Namen hat sich das Unternehmen Partnern und Sponsoren bestens präsentiert. Alexander Hardieck: „Die Region ist super wirtschaftsstark, und es gibt nichts Vergleichbares zu dieser Arena. Das kulturelle und sportliche Angebot macht die OWL-Arena für die beteiligten Firmen so attraktiv – eine Win-Win-Situation für alle.“

Frank Heinkel vom Projektmanagement ist für den Deutschen Handballverband ebenso Ansprechpartner wie für Künstleragenten, Tourneeveranstalter und Firmen, die Tagungen oder Messen planen. Die Umbenennung nutzt der 53-Jährige zur Akquise. Statt Serienbriefe abzuschicken schreibt er Jan Delay und Rea Garvey individuell an und bringt Halle neu ins Gespräch. „Wir bekommen viel positives Feedback“, freut er sich.

Maskottchen

Die wohlwollende Rückmeldung aus der Region schlägt zurück auf die Mitarbeiter. Sascha Detlefsen (45), der Chef in der Pressestelle, ist seit 14 Jahren im Haus. Er spricht von einer richtigen Aufbruchstimmung. „Wir haben alle das Ziel, die Veranstaltungsorte am Leben zu halten“.

Im Kartenvorverkauf bei Holger Schaede und Ursula Ulbrich ist von Unruhe nichts zu spüren. Die Verkaufssysteme auf den neuen Namen umzustellen, das ist hier nur eine technische Herausforderung. Nele Kanke (24) und Larissa Kleine (25) in der Pressestelle haben für den Social Media-Auftritt aber den Facebook-Support und andere ins Boot geholt. „Unser IT-Dienstleister hat verschiedene Domains schon im Sommer reservieren lassen“, verraten die beiden.

Das alles ficht echte Haller Tennisfans ohnehin nicht an. „Die wichtigste Frage vieler Turnierbesucher gilt Gerry-Berry. Alle wollen wissen, ob er unser Maskottchen bleibt.“ Tut es.

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