Wolfgang und Renate Bölling sowie Karin Otte kandidieren nicht mehr für Stadtrat, Kreistag, Regionalrat
Verdientes SPD-Trio tritt ab

Halle (WB). Ein Generationswechsel bahnt sich an: Aus der SPD-Fraktion im Stadtrat, Kreistag, Regionalrat verabschieden sich im Sommer drei konstante Größen der heimischen Politik. Wolfgang und Renate Bölling sowie Karin Otte wollen bei der Kommunalwahl am 13. September nicht wieder kandidieren.

Sonntag, 09.02.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 07:00 Uhr
Wollen sich im Sommer von der politischen Bühne in Halle, im Kreis und in der Region zurückziehen: (von links) Rats- und Kreistagsmitglied Renate Bölling, Fraktionschef Wolfgang Bölling und Vize-Bürgermeisterin Karin Otte. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Das Trio setzt damit Entscheidungen um, die seit langem feststehen. Und das sicher in der kommenden Woche nochmals Thema ist im Stadtverband.

Vor allem der Abschied von Wolfgang Bölling als Aktivem dürfte eine Lücke reißen. Denn der 66-Jährige ist hierzulande ein politisches Schwergewicht. Seit 1979 sitzt der Haller aus einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus schon im Stadtrat – nahezu 41 Jahre. Mit 17 ist er schon in die Partei eingetreten, „elektrisiert von Willy Brandt“. Mit 25 saß er im Rat, mit 35 war er schon stellvertretender Fraktionschef. Seit 1996 steht er an der Spitze der Fraktion, für die er fast in allen Ausschüssen mitgearbeitet hat.

Politisches Schwergewicht

Der gelernte Industriekaufmann, der 1980 bei Miele angefangen hat, ist 1990 als Geschäftsführer zum damaligen SPD-Unterbezirk gewechselt. Dort war er bis 2012 nicht nur für den Kreis Gütersloh, sondern dann auch für Bielefeld und zuletzt für die Region hauptamtlicher SPD-Mann. In Halle setzte er mit seinen Mitstreitern „rote“ Ziele um wie den Umbau des Kiskergeländes zu einem Kultur- und Bürgerzentrum. Was damals bei der Opposition als „kulturpolitisches Eroscenter“ galt, ist heute kaum noch wegzudenken. Als Aufsichtsratsvorsitzender der TWO und Vorsitzender des Verwaltungsausschusses für das Klinikum hat Wolfgang Bölling weitere Akzente gesetzt. „Allein hätten wir das Krankenhaus nicht mehr lange halten können“, zieht er heute Bilanz. Seit 20 Jahren wirft der „Sozi“ aus Halle im Regionalrat einen anderen Blick auf Ostwestfalen-Lippe. Er arbeitet dort als Vorsitzender der Verkehrskommission mit, hat aber auch „viel über Umweltbelange gelernt“, wie er einräumt. Bei den Änderungen der großräumigen Regionalplanung fürs Baugebiet Gartnischkamp oder das interkommunale Gewerbegebiet Ravenna-Park hat der Fan von Borussia Dortmund – sein Vater stammt aus der Ruhrgebietsstadt – den weiten Blick benötigt, auch für die Storck-Expansion, wo im März ein Beschluss erwartet wird.

Für Frauen und Schule eingesetzt

Die Liebe zu Dortmund verbindet ihn auch mit seiner Frau Renate (68). Aus dem strukturschwachen Saarland ist die gelernte Schneiderin, die erst später „auf Lehramt“ studiert hat, in den Pütt gezogen. 1980 kam sie nach Halle, das sie damals unter anderem wegen der Verkehrssituation „ganz schrecklich“ fand. Die Mathe- und Sportlehrerin an einer Gütersloher Hauptschule, Mutter einer Tochter und eines Sohnes und heute auch Großmutter, arbeitete ihren „Kulturschock“ politisch auf: Sie setzte sich für Kinderbetreuung ein und für eine Politik, die Frauen mitgestalten lässt. 1984 zog sie in den Stadtrat ein, fünf Jahre später in den Kreistag, wo sie damals gegen eine MVA in Gütersloh kämpfte und sich noch gut daran erinnert, dass die Polizei Politiker mit einer Eskorte schützen mussten. „Das dicke Fell, das ich mir damals zugelegt habe“, konnte ich gut gebrauchen, als es um eine Gesamtschule in Halle ging“, erinnert sich Renate Bölling, die 2009 ihren Wahlkreis direkt gewann und deshalb wieder in den Rat eingezogen ist.

Verständnis für besorgte Bürger

Als Arbeiterkind stand Karin Otte (71) ebenfalls immer in SPD-Nähe, obwohl sie erst 1990 Parteimitglied geworden ist. Die gebürtige Wertheranerin ist gelernte Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin und hat mit 17 schon geheiratet. Halbtagsstellen waren Mangelware, als sie Sohn und Tochter betreuen musste. Mit Heißmangel und Waschsalon in der Graebestraße hat sie sich selbständig gemacht und sah sich 1994 „beruflich gefestigt“ in der Lage, für den Rat zu kandidieren. Ehemann Hans-Joachim stärkte ihr den Rücken, so dass sie sich für das einsetzen konnte, was ihr am Herzen lag: Volkshochschule, Krankenhaus, Kulturelles. Von 2014 bis 2019 arbeitete sie als Schöffin, als ehrenamtliche Richterin am Landgericht. Seit 2004 ist Karin Otte, die drei Enkel und ein Urenkelkind hat, stellvertretende Bürgermeisterin. Und hat auch in dieser Funktion offene Ohren für Bürger, die enttäuscht oder verärgert sind über Veränderungen in der Stadt. „Dafür habe ich auch persönlich großes Verständnis“, sagt sie und blickt zurück: Erst musste ihr eigenes Fachwerkhaus für die Westumgehung Platz machen. Später baute man ihr das Stadion fast vor die Nase. „Bebauungspläne sorgen für Rechtssicherheit und Verlässlichkeit“, weiß sie.

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