Museum Halle rückt Worpsweder Künstler in den Mittelpunkt
Paula, das Moor und die Malerfreunde

Halle (WB). Die Künstlerkolonie Worpswede mitten im Teufelsmoor zieht heute noch Heerscharen von Kunstfreunden an. Auch wegen einer Malerin, die zu den bedeutendsten Vertretern des frühen Expressionismus zählt. Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) und ihre Malerfreunde haben den stillen Landschaften und ihren Bewohnern im Spiegel der Kunst Denkmäler gesetzt. Eine neue Ausstellung im Haller Museum zeichnet das Werk von Paula, ihrem Mann Otto Modersohn, seinen Söhnen Ulrich und Christian sowie ihrem Künstlerfreund Bernhard Hoetger nach.

Freitag, 07.02.2020, 05:00 Uhr
Fotografien illustrieren das Leben von Paula Modersohn-Becker. Der frühen Expressionistin und ihren Malerfreunden aus Worpswede gilt Ursula Blaschkes neue, große Ausstellung im Museum am Haller Kirchplatz. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Sieht man das Können der Künstlerin nicht schon an den Gänsen, die sie mit sieben Jahren mit Buntstiften gemalt hat? Ursula Blaschke ist überzeugt davon. Ein Junge treibt die Gänse durch einen Wald, auf dem oberen Teil eines Blattes, auf dem Kinderhand Pferd und Storch gezeichnet hat, gesehen aus der Vogelperspektive. Der Wille zur Gestaltung. Ist er nicht schon zu erkennen, als die kleine Paula noch in ihrer Geburtsstadt Dresden die Werbung für einen Apfeltee namens Äppel-Seppel abmalt? In ihrer Version ist der Seppel keineswegs charmant-kindlich dargestellt, auch wenn Pose und Requisiten sichtbar nachempfunden sind. „Paula hat Menschen ihr Innenleben ins Gesicht gemalt, den Kindern wie den alten Leuten“, ist für die Museumsleiterin klar, dass die Handschrift des Künstlers bereits in seinen Kinderbildern zu sehen ist.

Mit 31 Jahren gestorben

Ungefähr 60 zumeist sehr kleinformatige Originale stellt derzeit das Haller Haus für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler aus. Liebevoll kleinteilig gezeichnete Bilder der Malerin, die nur knapp 14 Jahre künstlerisch tätig war. Die aber in dieser kurzen Zeit, bis sie mit nur 31 Jahren an einer Embolie im Kindbett starb, 750 Gemälde, etwa 1000 Zeichnungen und 13 Radierungen geschaffen hat. Sehr kleine Originale zeigt Ursula Blaschke allerdings als große Kunstdrucke – „um sie sichtbarer zu machen“. Und sie freut sich über eine Reihe von Fotografien in schwarz-weiß aus dem Leben der Künstlerin, die im Jahr 1893 erstmals bei einer Ausstellung in Bremen mit dem Künstlerkreis aus Worpswede in Berührung gekommen ist.

Der Landschaftsmaler Otto Modersohn (1865 bis 1943) gehörte dazu, elf Jahre älter als Paula. Ihrem späteren Mann, dessen erste Frau während seines Aufenthaltes in Paris gestorben war, folgte sie damals ins Moor. In Halle zu sehen sind einige kleine Ölbilder von Otto: eine Landschaft, ein Dorf, ein nördlicher Himmel …. Auch zwei seiner Söhne aus dritter Ehe haben gemalt. Das zeigen ein Aquarell von Ulrich, der Krieg gefallen ist, und mehrere Zeichnungen seines Bruders Christian, der um das Jahr 2000 herum selbst in Halle zu Gast war.

Von Ägypten begeistert

Viel stärker ins Auge fallen im Museum die Arbeiten von Bernhard Hoetger (1874 bis 1949). Dem Bildhauer, Maler, Architekten und Kunsthandwerker des Expressionismus ist Paula Modersohn-Becker bei einem ihrer vier Paris-Besuche begegnet. Einige Skulpturen, die im Haus am Kirchplatz stehen, kreuzen sich mit den Worpsweder Arbeiten und werfen einen Lichtstrahl auf die Kunst-Szene zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auf die Begeisterung für Ägypten und seine Mumien, die sich auch bei Paula zeigt. Beispielsweise in einem auf Holz gemalten Zwillingsbild, bei dem ein Selbstportrait mit Kamelienzweig frontal gemalt ist wie eine Mumie.

Von Bernhard Hoetger, der Paula sehr motiviert haben soll, zeigt das Museum auch eine eindrucksvolle Tänzerin aus Bronze. Nicht nur der Kopf dieser Sent Mahesa – so der Künstlername der berühmten Tänzerin Elsa von Carlberg – erinnert an die Haartracht im alten Ägypten. Von Hoetger, der später Paulas Grabstätte gestaltet hat, ist auch der Elberfelder Torso zu sehen, eine fein gestaltete Frauenfigur.

Im Werk des erwachsenen Künstlers lassen sich oft Elemente aufspüren, die schon in seinen Frühwerken charakteristisch waren, glaubt die Haller Museumsleiterin. Diese Entwicklung will sie den Besuchern jetzt erneut zeigen. Denn „daran erkennt man die Genialität eines Künstlers“.

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