Rot-Grüne Mehrheit gegen Finanzierung einer Machbarkeitsstudie
Widerstand gegen Gartenschau in Halle

Halle(WB). Die jüngste Initiative von Bürgern, dass die Stadt Halle sich mittels einer Machbarkeitsstudie über die Chancen für die Ausrichtung einer Landesgartenschau im Jahr 2026 informieren sollte, sind auf wenig Gegenliebe und sogar Widerstand bei den Mehrheitsfraktionen von SPD und Grünen sowie bei der Verwaltung gestoßen. Der Haupt- und Finanzausschuss hat nach längerer Diskussion mehrheitlich die beantragten 50.000 Euro im Haushalt 2020 für besagte Studie abgelehnt.

Freitag, 13.12.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 13.12.2019, 05:03 Uhr
Bei der Landesgartenschau in Rietberg waren 2008 insgesamt eine Million Tagesbesucher über die mehrmonatige Dauer gezählt worden. Zum Erfolg trugen auch 2000 Veranstaltungen bei. Noch heute ist das Gartenschaugelände ein Anziehungspunkt. Foto: Borgmeier

Thomas Dreier, der den Antrag einer Gruppe von Bürgern im Vorfeld der Sitzung ausführlich begründet hatte (nachzulesen unter www.buergeranregung.de), zeigte sich im Anschluss an die Debatte enttäuscht, wie wenig auf seine Argumente eingegangen worden sei. Doch schon in der Verwaltungsvorlage war die Linie vorgegeben. Darin wird auf frühere Überlegungen im Jahr 2008 verwiesen. Seinerzeit aber habe sich schnell abgezeichnet, dass Halle im Gegensatz zu Kommunen, in denen Gartenschauen stattgefunden haben, nicht über genügend Flächen verfüge, um eine solche Schau realisieren zu können.

CDU wirft der Verwaltung „Lustlosigkeit“ beim Thema Gartenschau vor

Hendrik Schaefer (CDU) bezeichnete die Stellungnahme der Verwaltung als „lustlos“. Eine Landesgartenschau könne der große Wurf für Halle werden, er argumentierte mit Schüben für Stadtentwicklung und Biotopvernetzung. Er warf der Verwaltung vor, sich nicht mal bei entsprechenden Stellen erkundigt zu haben. Klaus-Peter Kuntze (FDP) bezeichnete das Projekt als reizvoll. Denn die Stadt könne von der Gartenschau noch Jahre später profitieren.

Wolfgang Bölling (SPD) hingegen bezweifelte die Sinnhaftigkeit. Dass Bürger viele Veränderungen gar nicht wünschten, habe für ihn der breite Widerstand gegen eine Attraktivierung der Deponie in Künsebeck als Naherholungs- und Erlebnisstandort gezeigt. Halle sei umgeben von FFH-Gebieten und dem Teutoburger Wald, er wolle diese schützenswerten Bereiche nicht für eine Gartenschau erschließen.

Bürgermeisterin lehnt Gartenschau auch wegen zu wenig Gastronomie in Halle ab

„Ich kann mir ebenfalls nicht vorstellen, dass wir große Besucherströme durch den Teuto und unseren Stadtwald führen“, sagte Jochen Stoppenbrink (Grüne), der zudem große Erdbewegungen in diesen Bereichen fürchtet.

Widerstand kam auch von der Bürgermeisterin. Das Beispiel Künsebeck zeige, was passiere, wenn man solche Projekte angehe. „Es gibt sofort Widerstand.“ Man sei doch froh, dass man den Verkehr aus der Stadt rauskriege, mit einer Gartenschau hole man ihn sich wieder hinein, sagte Anne Rodenbrock-Wesselmann. Im übrigen sei Halles Innenstadt gastronomisch ausgedünnt. „Daran können wir als Stadt nicht drehen“, sieht sie weitere Probleme. Von ihrem Amtskollegen in Verl, wo man eine Landesgartenschau in 2029 anstrebt, habe sie gehört, dass es 2026 sowieso keinen Zuschlag in OWL gebe. Ulrike Sommer (SPD) ging sogar so weit, dass Halle durch eine Gartenschau „ kaputt gemacht“ werde.

Am Ende sprach sich der Ausschuss mit den Stimmen von SPD, Grünen und UWG gegen die 50.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie aus. Jedoch soll auf Anregung der UWG bald ein Gartenschau-Fachmann in den Hauptausschuss eingeladen werden,

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7128861?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Mann stürzt mit Fluggerät in Milse ab
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker