Artur Wörheide aus Bokel hat vor 65 Jahren Meisterbrief als Elektroinstallateur erhalten Im Schloss die Strippen gezogen

Halle (WB). Die Neugier hat den Funken überspringen lassen: Weil Artur Wörheide damals niemand erklären konnte, warum er „einen gewischt“ kriegte. Der kleine Stromschlag katapultierte ihn kurzerhand auf den Allerwertesten, als er mit bloßen Füßen auf nassem Terrazzo-Boden bei den Nachbarn am Stromstecker fürs Radio herumfummelte. Und weckte den Wissensdurst: Er wurde Elektriker.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
An der Prüftafel in der Werkstatt des heutigen Betriebes Kemner: Artur Wörheide hat die Firma nach der Meisterprüfung begründet. Die hat der heute 91-jährige Handwerker schon vor 65 Jahren in Köln abgelegt.
An der Prüftafel in der Werkstatt des heutigen Betriebes Kemner: Artur Wörheide hat die Firma nach der Meisterprüfung begründet. Die hat der heute 91-jährige Handwerker schon vor 65 Jahren in Köln abgelegt. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Das ist jetzt 65 Jahre her. Artur Wörheide wird im Rahmen einer Feierstunde der Kreishandwerkerschaft Gütersloh den Eisernen Meisterbrief im Elektroinstallateurhandwerk erhalten – ein ganz seltenes Jubiläum. „Meine Gesundheit ist ein Geschenk“, weiß der Bokeler, der vor wenigen Tagen erst den 91. Geburtstag gefeiert hat. Und der eigentlich – aus Neugier natürlich, um die Olympischen Titel aus erster Hand zu zählen – mal Zeitungsdrucker werden wollte.

Schwindelfrei auf Elektromasten

Der jüngste von vier Söhnen eines Landwirtes hat nach der Schule 1943 eine Lehre bei Heinrich Knetter in Versmold begonnen. Der Bauernsohn mit dem Talent im Kopfrechnen und überdies schwindelfrei hatte sein Metier gefunden. Schon am dritten Tag im Berufsleben durfte er Leitungsseile an Isolatoren anbinden und auf Elektromasten herumklettern, die üblicherweise elf Meter hoch waren. Sein damals dienstverpflichteter, kluger Lehrherr brachte ihm bei, wie man Strippen zieht, und ließ ihn dann notgedrungen vieles machen. 1944 wurde er schon Kreissieger in einem Berufswettkampf.

Aber Artur Wörheide war noch keine 16, als er freiwillig in den Krieg zog, wie seine Brüder. Der junge Mann - damals natürlich in der Hitlerjugend – lernte hinzu und änderte seine Ansichten über die Welt. Nach der kurzen Gefangenschaft setzte er seine Lehre fort und konnte bei seiner Gesellenprüfung 1947 zum Erstaunen der Prüfer schon einen Kurzschluss in einem Schleifringmotor nachweisen.

Drei Lehrlinge ausgezeichnet

Er reparierte auf dem Dürkopp-Gelände in Künsebeck – heute Koyo - Panzer der britischen Kräfte und fing dann als Installateur im Betrieb Fisch in Gartnisch an. 1951 ging er nach Köln, „um meine beträchtlichen Wissenslücken in Abendschule aufzufüllen“, wie er erzählt. 1954 bestand er die Meisterprüfung samt der damals dazu gehörigen Schmiedearbeiten und machte sich auf dem väterlichen Hof an der Voßheide selbstständig. Nach einigen Problemen mit Stadt und Kreis Halle durfte der junge Handwerker am Ernteweg in Bokel – damals noch Außenbereich – bauen. Der Betrieb florierte und beschäftigte zeitweilig bis zu sechs Mitarbeiter. Der Vater von drei Töchtern, dessen Ehefrau Karin 2002 verstorben ist: „Ich bin stolz darauf, dass wir dreimal den besten Lehrling im Kreis Gütersloh gestellt haben“.

Natürlich für die Familie, aber auch für Bücher und Motoren schlägt das Herz des Bokelers, der gern platt kuiert, Mitglied im Heimatverein und in der TSG Kölkebeck-Bokel ist. Seine lange Vertrauensstellung auf Schloss Tatenhausen hat dazu geführt, dass er eine 350er Ardie mit dem Baujahr 1934 von „Graf Max“ bekam. Erst vor zwei Jahren hat der fünffache Großvater den Motorrad-Oldtimer an seine Enkel verschenkt, ebenso wie eine 750er Triumph Bonneville, die Artur Wörheide sich noch mit 66 Jahren gekauft hat. 1999 hat er den Betrieb an Dirk Kemner übergeben - mit 70 Jahren.

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