»The Uschi Obermaier Experience« und die »Miller Anderson Band« beim Fabrikfestival Garagen-Rock und Woodstock-Legende

Halle  (WB). »So eine Band hatten wir noch nie«, sagt Co-Organisator Dietmar Althaus und freut sich über eine rundum gelungene Veranstaltung bei vollem Haus. Vor allem Blues- und Rocklegende Miller Anderson, der schon beim legendären Woodstockfestival mit der Keef Hartley Band auf der Bühne stand, sorgt für den Höhepunkt bei der neunten Auflage des Fabrikfestivals.

Von Johannes Gerhards
Höhepunkt des Fabrikfestivals war der Auftritt der Miller Anderson Band: (von links) Lee Mayall am Saxofon, Bandleader Miller Anderson (74) und Frank Tischer an Piano und Orgel . Der Schotte hat mit den Rockgrößen der 60er und 70er gespielt.    
Höhepunkt des Fabrikfestivals war der Auftritt der Miller Anderson Band: (von links) Lee Mayall am Saxofon, Bandleader Miller Anderson (74) und Frank Tischer an Piano und Orgel . Der Schotte hat mit den Rockgrößen der 60er und 70er gespielt.     Foto: Johannes Gerhards

»Es wäre einfacher, die Musiker aufzuzählen, mit denen Miller Anderson nicht zusammen gespielt hat«, so Dietmar Althaus bei der Begrüßung der 150 Gäste in der Lederfabrik. »I know them all«, bestätigt der 1945 in Schottland geborene Anderson. Immer wieder berichtet er von Begegnungen mit Stars wie Jimmy Hendrix oder John Mayall. Dessen Saxofon spielender Neffe Lee gehört heute gemeinsam mit Frank Tischer an den Keyboards, Tommy Fischer am Schlagzeug und dem Bassisten Yanni Schmidt zur Tourband, mit der Miller Anderson derzeit in Deutschland unterwegs ist.

»Morgen früh um 6.40 Uhr geht mein Zug ab Bielefeld«, gibt er als Entschuldigung dafür an, dass er das intensive Konzert nach mehr als zwei Stunden beenden muss. Zuvor zieht er alle Register des Blues-Rock in seiner unverfälschten Form. Melodiöse Gitarrenklänge wechseln sich ab mit dem original Hammondorgelsound und ausufernden Saxofoneinlagen. Die Soli der Musiker – eingebettet in lange improvisationsfreudige Stücke auf in die Beine gehenden Rhythmen – erhalten regelmäßig Szenenapplaus.

Sound erinnert an die Formationen der Woodstock-Ära

Der Sound erinnert gelegentlich an die Doors oder andere Formationen der Woodstock-Ära. Miller Anderson hat mit Popgrößen wie John Lord, Pete York und Marc Bolan von T.Rex zusammen gespielt, sich aber dennoch den ureigenen und direkten Zugang zum Blues-Rock bewahrt. Ganz in sich ruhend und unaufgeregt lebt er seine Musik und gewährt dazu seinen Bandmitgliedern, die vom Alter her seine Söhne oder Enkel sein könnten, den ihnen gebührenden Raum zur Entfaltung.

Dank an Kulturmanagerin Susanne Debour

Ausdrücklich lobt er auch die Band, die zuvor das diesjährige Fabrikfestival eröffnet hatte. »The Uschi Obermaier Experience«, nach eigenen Angaben Bielefelds älteste Garagenrockband, bevorzugt die härtere Gangart mit kompromisslosem Sound, »der Dreck unter den Fingernägeln hat«. Konsequent verweigern sich Bernd Hövelmeyer (Gitarre), Gunnar Gliech (Bass) und Michael Ulbricht (Drums) dem »Phil Collins Syndrom«, das normalerweise gesetzte Herren ihrer Altersklasse befällt. Schnörkellos und ohne unnötigen instrumentalen Ballast zeigt das klassische Rocktrio in kurzen, knackigen Stücken die ungebändigte Wildheit des Rock mit viel Punk-Appeal.

Dietmar Althaus bedankt sich zudem für die langjährige Zusammenarbeit mit der »Mutter des Fabrikfestivals«, Susanne Debour. »Kultur in Halle wäre ohne sie nicht möglich«, sagt er über die im Frühjahr in den Ruhestand wechselnde Kulturmanagerin.

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