Politiker und Bürger besichtigen mit Architekten alte Häuser an der Langen Straße
Das kann teuer werden

Halle(WB). Es mieft. Fensterrahmen sind morsch, Decken und Keller zu niedrig, dafür die Nachbarhäuser zu nah. Treppen sind lebensgefährlich steil oder viel zu schmal. Wer die alten Häuser an der Langen Straße von innen sieht, fragt sich tatsächlich, ob halb Halle sich Illusionen macht über die Chancen, die Prachtstücke längst vergangener Tage zu erhalten.

Freitag, 08.11.2019, 05:00 Uhr

Und weiß nach dem Blick in das alte Fachwerk und die Gründerzeit-Gebäude, dass bei den sechs Häusern, die der Stadt inzwischen gehören, nichts einfach und womöglich billig zu retten ist. Jede Sanierung wird kostspielig.

Zum ersten Mal hat die Stadt am Donnerstag zum Ortstermin eingeladen. Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann und viele Ratsmitglieder, aber auch Mitglieder der Interessengemeinschaft Lange Straße machen sich mit den Architekten Johannes Brockbals und Oliver Erdmann selbst ein Bild von der Situation.

Viele Verschlimmbesserungen

Zu sehen: enge und verbaute Zimmerfluchten, gefährliche Holzverkleidungen und Balkendecken, fehlende Rettungswege und viele Verschlimmbesserungen vergangener Jahrzehnte. Zu sehen sind aber auch: hie und da eine schöne alte Tür, bezaubernde Nischen, schön gearbeitete Treppengeländer und beispielsweise beim Haus Deckenbrock ein toller Ausblick auf die wunderschöne Buche im Garten. »Die Anforderungen hängen von der Nutzung ab«, stellt Oliver Erdmann klar. Die Fachleute sprechen über die Gefahr von Brandüberschlägen aufs Nachbarhaus, über Deckenhöhen weit unter 2,30 Meter und Aufenthaltsräume gänzlich ohne Fenster. Sie machen aber auch klar, dass es nicht unbedingt einzelne K.O.-Kriterien gibt: Man kann Holzdecken und Böden herausreißen und statt dessen betonieren. Man muss vermutlich viele Häuser mindestens auf Rohbau-Niveau zurücksetzen, wenn man sie erhalten will.

Eine Frage von Anspruch und Nutzung

»Das ist alles eine Frage des Anspruches und der Nutzung«, wiederholt Oliver Erdmann mehrfach, dass vieles möglich, aber teuer ist. Aber er verschweigt auch nicht die Vorschriften der Landesbauverordnung, die bei jeder Nutzungsänderung greifen. Und von einer solchen spricht man schon, wenn ein bislang von zwei Parteien genutztes Haus nur noch von einer Familie bewohnt wird. Ausnahmen erlaubt beispielsweise der Denkmalschutz, gegebenenfalls auch ein Ensembleschutz.

Wie es weitergeht, das skizzierte die Fachleute nach der Besichtigung. Für jedes Haus wird eine Expertise angefertigt, bei der auch der Kreis mitredet Diese werden Anfang des Jahres vorgestellt.

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