Helmut Rose kritisiert für die Bürgerinitiative die geplante Halbierung der Parkplätze
»Das kann man an der Alleestraße so nicht machen«

Halle (WB). Laut der neuen Ausbauplanung von Verkehrsplaner Kaulen für die Alleestraße und die untere Bahnhofsstraße sollen fast 60 Prozent der öffentlichen Parkplätze entlang der Haller Hauptachse wegfallen. Das hält Helmut Rose, Sprecher der Bürgerinitiative Alleestraße, für nicht hinnehmbar. Er fordert stattdessen über alternative Strecken zum Beispiel für Radfahrer nachzudenken und einen neuen Generalverkehrsplan zu erarbeiten.

Dienstag, 05.11.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 05:02 Uhr
Blick in die Alleestraße in dem Bereich zwischen dem Frisörsalon Kolfhaus (rechts) und dem Hotel-Restaurant Hollmann. Die Stellplätze rechts, wo im Bild insgesamt acht Fahrzeuge parken können, fielen laut der Kaulen-Planung alle weg. Foto: Küppers

In der jüngsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses hat Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen seine neue Entwurfsplanung für die Alleestraße vorgestellt (das WB berichtete ausführlich in der Montagausgabe). Statt bisher 106 öffentlichen Parkplätzen entlang der Hauptverkehrsstraße sollen es künftig nur noch etwa 50 Parkplätze sein. Kaulen begründete den Wegfall mit den notwendigen Platzangeboten für Radfahrer und Fußgänger. Es gebe nunmal auch an der Alleestraße keine »Eier legende Wollmilchsau«, begründete Kaulen den aus seiner Sicht notwendigen Verzicht, der sich aus dem beschränkten Platz ergebe.

»Geschäfte, Gastronomie und Arztpraxen geraten in große Parkraum-Not«

Die Bürgerinitiative Alleestraße hingegen hält es laut ihrem Sprecher Helmut Rose für falsch, sich dieser vermeintlichen Logik zu unterwerfen. Den Wegfall so vieler Stellplätze hält er für einen erheblichen Mangel der Entwurfsplanung. »Verschiedene Geschäfte, gastronomische Betriebe und auch Arztpraxen haben in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Sie würden alle größte Not haben, die wegfallenden Parkplätze auf ihren Grundstücken zu ersetzen. Das kann man alleine schon wegen des notwendigen Vertrauensschutzes für die Anlieger so nicht machen«, sagt Rose. Die Interessen der verschiedenen Nutzergruppen seien nicht ausgewogen gewichtet worden.

Rose erinnert zudem an das geplante neue Jugendzentrum mit großer Außenspielanlage an der Alleestraße/Aufmündung Wasserwerkstraße. Hierfür fiele eine erhebliche Zahl von Parkplätzen weg, eine zusätzliche Verschärfung. »Halle hat als Mittelzentrum aber die Pflicht auch für Autofahrer erreichbar zu sein und entsprechend öffentliche Parkplätze vorzuhalten«, sagt Rose. Die Alternative ÖPNV sei dafür in Halle bislang zu schlecht und werde es auf absehbare Sicht auch bleiben.

Rose stellt die vom Planer vorgebenen Breiten für Geh- und Radwege infrage

Dass die Fuß- und Radwege entlang der Alleestraße in den von Kaulen genannten Breiten von bis zu 5,55 Meter je Seite geplant werden müssen, stellt Rose infrage. Er verweist auf die jüngsten Überlegungen der Stadt Halle für eine Tempo-30-Zone an der B68 zwischen den Aufmündungen Grüner Weg und Martin-Luther-Straße. Hier sieht der Vorentwurf vom Büro Röver gemeinsame Geh-Radwege von nur drei Meter Breite vor. Dieser Radweg an der B68 wäre nicht benutzungspflichtig. Was im übrigen laut Kaulen auch für die neuen zwei Meter breiten Radwege an der Alleestraße gelten würde. Sie wären nicht benutzungspflichtig, Radfahrer könnten auch auf der Straße fahren.

Rose weist noch auf einen anderen Punkt hin, der nach seiner Ansicht die Argumentation von Kaulen infrage stellt. Denn laut Protokoll einer gemeinsamen Begehung mit Stadt, Kreis und Bezirksregierung im Jahr 2018 entsprechen die Nebenanlagen (Rad- und Fußwege, Stellplätze) entlang der Alleestraße zwar nicht dem Stand der Technik, genießen aber Bestandsschutz. Entsprechend sei die erste, preisgünstige Planung von 2012 auch auf notwendige Korrekturen in den Aufmündungsbereichen beschränkt gewesen.

»Man versucht Konfliktsituationen herauf zu beschwören«

Helmut Rose fordert eine ganzheitliche Verkehrsplanung für Halle ein. »Wenn die Alleestraße für Radfahrer, Fußgänger, Autofahrer und Stellplätze zu eng ist, dann sollte man dafür sorgen, dass zum Beispiel für die Radfahrer sichere Alternativstrecken entwickelt werden, um die Alleestraße zu entlasten und dort andere Funktionalitäten zu erhalten«, argumentiert der Sprecher der Bürgerinitiative. Eine Führung eines Großteils des Schülerradverkehrs von der Gesamtschule über das KGH über Bypässe wie die Pestalozzistraße durch Wohngebiete hinein in die Innenstadt hält Rose für sehr überlegenswert. Es müsse schlichtweg das Haller Gesamtnetz in seiner Belastbarkeit und Sicherheit betrachtet werden.

Die Alleestraßen-Planung kranke daran, dass sie bislang nicht in ein solches Gesamtkonzept eingebunden sei. »Stattdessen versucht man Konfliktsituationen herauf zu beschwören und diese ideologisch zu lösen«, sieht Rose keine wesentliche Änderung im seit Jahren andauernden Konflikt.

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