Comedian in Halle: Wenn sich bei Kaya Yanar »das Söckli aufrollt« Grundkurs im Ausrasten

Halle (WB). Früher ist Kaya Yanar gerne mal die Hutschnur gerissen oder der Kragen geplatzt. Seitdem er aber der Liebe wegen in der Schweiz lebt, ist das Ausrasten für den Comedian zumindest sprachlich beinahe unmöglich geworden.

Von Kerstin Panhorst
Gepflegt ausflippen? Kaya Yanar erklärt 1300 Besuchern im Event-Center, wie und wo das geht.
Gepflegt ausflippen? Kaya Yanar erklärt 1300 Besuchern im Event-Center, wie und wo das geht. Foto: Kerstin Panhorst

»Es lupft mir den Deckel« oder »Es rollt mir das Söckli auf« formulieren die Eidgenossen ihre aufsteigende Wut und entsprechen damit nicht ganz dem Temperament eines Kaya Yanar.

Wie man als gebürtiger Frankfurter und Sohn türkisch-arabischer Eltern dennoch gepflegt mental explodieren kann zeigte Yanar nun 1300 Besuchern im Gerry-Weber-Event-Center in seinem Programm »Ausrasten für Anfänger«.

Auf dem Weg zum »Mecker-Opa«

Mit zunehmendem Alter, erzählt der 46-Jährige, entwickele er sich immer mehr zu einem »Mecker-Opa«. So habe er, der früher immer das neuste Handy und die neuste Technik haben wollte, mittlerweile keine Toleranz mehr für Technik. »Als ich vor 20 Jahren anfing zu touren, konnte ich noch den Fernseher bedienen im Hotel«, sagt der Komiker und Fernsehmoderator. Inzwischen seien nicht nur die TV-Geräte gegen ihn, auch die Navigationssysteme von Mietwagen wechseln bei seinem Anblick gerne mal ins Russische und seine High-Tech-Dusche bringt ihn um den Verstand: »Die kann alles – dampfen, duschen, backen, garen und Fondue, wenn du genug Käse hast«.

Dabei kennt sich der mit Ethno-Comedy bekannt gewordene Yanar bestens aus mit gestörter Kommunikation – allerdings mehr mit Menschen als mit Maschinen. Seine Mutter sagt zu ihren Pantoffeln gerne »Schlampen« statt Schlappen und bezeichnet Räucherstäbchen gerne als »Geräuschstäbchen«. Und warum das deutsche Wort Armut im türkischen so viel wie Birne heißt und der Name Eric Pflaume, hat sein Vater bis heute nicht verstanden. »Migration ist schwierig, das ist als ob du beim Spiel des Lebens wieder zurück musst auf Start«, weiß der mit der mehrfach ausgezeichneten Comedysendung »Was guckst du?!« berühmt gewordene Yanar.

Massage und Intervallfasten helfen

Seine eigenen Ausraster hat er mit einer Mischung aus entspannender Thai-Massage – inklusive eines klischeebeladenen Witzes über asiatische Akzente – und Intervallfasten in den Griff bekommen. Deswegen therapiert er jetzt auf der Bühne seine Zuschauer, die ihm über die sozialen Netzwerke gerne ihre liebsten Aufreger schicken dürfen. Die beliebtesten Gründe zum Ausrasten sind nach Kaya Yanars Erfahrung andere Autofahrer, Supermarktkassen und langsame Rentner.

Das Haller Publikum überraschte den Comedian allerdings mit einigen neuen Antworten, angefangen von den hohen Parkgebühren bei seiner Veranstaltung über die unangenehmen Sitznachbarn bis zur müffelnden Katze im Bett und einem herrlichen »wenn sich andere nicht an meine Planung halten«.

Bei Kaya Yanar jedenfalls lief alles nach Plan – Ausrasten musste das Publikum hier nur vor Lachen wegen zu vieler Pointen.

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