Haller Museum zeigt Sonderausstellung mit Werken von Hannah Höch
Im Namen der Dada-Dame

Halle (WB). »Als einziges Museum der Welt zeigen wir Hannah Höchs Bilder aus der Kindheit im Alter von drei Jahren bis zur letzten unvollendet gebliebenen Collage«, sagt Museumsleiterin Ursula Blaschke bei der Eröffnung der Ausstellung »H.H. DaDa – Weltkunst für alle, von Berlin nach Halle«.

Dienstag, 01.10.2019, 10:00 Uhr
Drangvolle Enge herrscht im Haller Museum, als am Sonntag die Eröffnung der Sonderausstellung über die Dadaistin Hannah Höch ansteht. Zu Beginn erleben die Gäste eine Tanzperformance, zu der Museumsleiterin Ursula Blaschke (Mitte) Irene Müller (links) und ihre »hässliche Puppe« eingeladen hatte. Mehr als 500 Exponate der Höch ergänzen die Dauerausstellung am Kirchplatz. Foto: Gerhards

Obwohl alles für draußen vorbereitet ist, müssen sich die Besucher wetterbedingt im Museum versammeln. Einmal mehr herrscht drangvolle Enge im ältesten Haus von Halle. Das gilt für das Publikum ebenso wie für die Kunst. Bis unters Dach wird kaum ein Quadratzentimeter frei gelassen, aktuell ergänzen mehr als 500 Exponate der berühmten Dadaistin, Malerin und Collagekünstlerin Hannah Höch die Dauerausstellung mit Kindheits- und Jugendwerken bedeutender Künstler.

Mit langem Ö

Bücher, Plakate, Entwürfe, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen erinnern an die 1978 im Alter von 88 Jahren gestorbene Dada-Dame. Mit einem Sprechchor »H.H. – DaDa« würdigen die Besucher Hannah Höch. Mit langem Ö übrigens wie in Königin und nicht wie in Köchin laute die korrekte Aussprache ihres Nachnamens, erklärt Ursula Blaschke. Zuvor hat Irene Müller, eine Schülerin der Ausdruckstänzerin Mary Wigman, mit einem an Höchs »hässliche Puppen« erinnernden Nachbau tänzerisch die Ausstellung eröffnet.

»Hannah hat seinerzeit ihren Birnbaum beschimpft, weil die Früchte ausblieben«, berichtet Ursula Blaschke. Ihren Doktortitel wollte die 1965 an die Akademie der Künste berufene Professorin ihren Angabe zufolge mit ihren Blumen teilen. Überhaupt spielte der Garten von Hannah Höch eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Darüber gibt ein im Obergeschoss gezeigter Film ihres Neffen Peter Carlsberg Auskunft. »Ohne diesen Garten in Berlin-Heiligensee kann HH nicht verstanden werden«, behauptet dieser und glaubt: »Hannah hat den Mohn zu seinen Möglichkeiten gebracht.«

Besser malen als sehen

»Ein Maler muss mehr sehen können als malen«, sagt Ursula Blaschke, dazu gehöre auch das Erkennen von unvermeidbar eintretenden Katastrophen. Während der Nazizeit galt Höchs Kunst als entartet, sie war mit einem Ausstellungsverbot belegt. Zuvor hatten sich auch Bauhaus-Künstler Paul Klee und Avantgardisten wie Kurt Schitters abfällig über ihr künstlerisches Talent und ihre private Lebensführung geäußert.

»Fast verwandt« sei sie mit deren Familie gewesen, so Ursula Blaschke. Diese Beziehungen hätten es ermöglicht, auch an Exponate wie Gürtel und Schmuck heran zu kommen. Sie ist sicher, dass Hannah vom Himmel her wohlwollend herab blickt. Zwischen ihr und den Köpfen der Museumsgäste schweben ausgeschnittene Silhouetten, um darauf hinzuweisen. Mindestens bis November kann die Ausstellung donnerstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr besucht werden. Dienstags und mittwochs ist das nur nach telefonischer Absprache unter Tel. 05201/ 10333 möglich.

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