Fünfköpfige Familie wehrt sich in Halle gegen nächtliche Abholung zur Ausreise
Syrische Mutter greift zum Messer

Halle (WB/SKü). Der Versuch, eine fünfköpfige Familie aus Syrien aus Halle zurück nach Spanien zu bringen, ist gegen 3 Uhr früh in der Nacht zum Montag gescheitert. Laut einer Mitteilung des Kreises Gütersloh leistete der Mann in der großen städtischen Flüchtlingsunterkunft in Gartnisch zunächst derartig Widerstand, dass ihm zur Sicherheit aller Handfesseln angelegt werden mussten.

Sonntag, 08.09.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 08.09.2019, 06:40 Uhr

Danach nutzte die 31-jährige Frau, die unter anderem noch Babynahrung aus der Küche holen wollte, einen unbeobachteten Moment und zog blitzschnell ein Messer aus einer Schublade.

Sie verletzte sich damit oberflächlich selbst an der Hand und am Bauch, bevor es gelang, ihr das Messer zu entwenden. Dabei verletzte die Mutter von drei Kleinkindern auch einen Kreismitarbeiter leicht. Hinweise auf Suizidabsichten der Frau lagen nach Auskunft der Ausländerbehörde nicht vor. Weil aber laut einem Attest Ohnmachtsanfälle nicht auszuschließen waren, war bei dem Abschiebetermin eine Ärztin mit anwesend. Die Verletzungen, die sich die Frau beigefügt hatte, waren laut Behörde leichterer Art. Die Frau wurde nach Behandlung vor Ort in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht.

Die Familie war im Oktober 2018 aus Spanien eingereist, wo sie einen Asylantrag gestellt hatten. Das Ergebnis dort warteten sie nicht ab. Im Rahmen des Dublinabkommens, wonach Asylanträge in dem Land bearbeitet werden, in dem Flüchtlinge zuerst ankommen, sollten sie nach Spanien zurückkehren. In einem Ausreisegespräch hatte die Ausländerbehörde ihnen die freiwillige Ausreise nahe gelegt, insbesondere auch deshalb, um die für die Kinder mit einer Rücküberstellung verbundenen Belastungen zu vermeiden.

Dass die Familie nachts abgeholt werden sollte, ergab sich laut Kreis durch die Zuteilung des Fluges durch die zuständige Landesbehörde nach Spanien. Solche Flüge beantragt der Kreis bei der Zentralstelle für Fluganmeldungen des Landes NRW, die solche Rückstellungen organisiert. Und die hatte einen Flug festgesetzt, der um 7.55 Uhr in Düsseldorf abhob. Die Bundespolizei lege zudem fest, dass die Personen, für die Flüge gebucht werden, 120 Minuten vor Abflug am Flughafen angekommen sein müssen. Das alles habe die nächtliche Abholung nötig gemacht. Die soll laut einem Landeserlass bei Familien mit Kindern nur in Ausnahmefällen vor 6 Uhr morgens geschehen.

Wie es weiter geht in dem Fall, steht noch aus. Es liegt am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, ob diese die so genannte Überstellfrist (bis 14. September) verlängert oder nicht.

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