Lidl stellt Planung für Neubau vor – Viele kritische Rückmeldungen aus der Politik
Grüne wollen Wohnungen auf Markt

Halle (WB). Das Verfahren für den Neubau eines größeren Lidl-Marktes auf dem bisherigen Standort ist gestartet. Der Planungsausschuss hat einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplanes für ein »Sondergebiet Großflächiger Einzelhandel« beschlossen. Doch dafür, dass im Beschluss ausdrücklich die »positive Begleitung« des Baus erwähnt ist, gab es viele kritische Anmerkungen und neue Ideen, die den Investor noch beschäftigen dürften.

Donnerstag, 05.09.2019, 03:00 Uhr
So könnte ein neuer Lidl-Markt in Halle eines Tages aussehen, inklusive Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach. Wobei die hohe Fensterfront zur Bielefelder Straße hin gewendet wäre. Der gezeigte Lidl-Markt ist im März 2019 in Minden eröffnet worden. Foto: Lidl

Von der Lidl Vertriebs GmbH & Co. KG in Paderborn, eine von bundesweit 39 Lidl-Untergruppen, war der Portfoliomanager Christian Körkemeier in den Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss gekommen, um das Projekt vorzustellen. Er erläuterte, woher die Steigerung von derzeit 1048 Quadratmeter auf geplant 1417 Quadratmeter Gesamtverkaufsfläche herrührt. Insbesondere werden die Gänge breiter (von 1,86 auf 2,38 Meter) und die Laufflächen steigen von 622 auf 928 Quadratmeter. Die Fläche für die Warenpräsentation steigt von 426 auf 495 Quadratmeter.

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Auch wenn der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan einstimmig erging: Ein Selbstläufer wird diese Lidl-Planung mutmaßlich nicht. Der Lidl-Manager bekam einige der negativen Schwingungen, die aus vielen Konflikten mit der Nachbarschaft in der Vergangenheit herrühren, ziemlich kühl zu spüren.

Was das Neubauprojekt aber am stärksten verändern könnte, ist der Vorstoß der Grünen, dass auf dem Markt Wohnbebauung geprüft werden soll. Genau diese Lösung ist schon für den neuen Aldi am Künsebecker im Gespräch. Und auch im benachbarten Werther soll ein Aldi-Neubau nicht ohne überzeugendes Wohnungsbauprojekt durchkommen. Also gleiche Pflicht für alle? Der Lidl wird sich noch auf einige Diskussionen einstellen müssen. Stefan Küppers

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Der Lidl-Mann stellte das Umweltkonzept heraus, das Photovoltaikanlagen zur Eigenstromversorgung, eine Integralanlage zur Klimatisierung, Kühlung und Wärmerückgewinnung sowie den Verzicht auf fossile Brennstoffe (Einsparung von 30 Prozent CO2-Ausstoß) vorsieht. Der Parkplatz (86 Stellplätze, neun mehr als bisher) soll mit Maßen von 5,20 mal 2,70 Meter je Stellplatz großzügiger gestaltet werden. Der Schneckenverdichter zur Verkleinerung von Kartons, der bei Nachbarn früher viel Ärger auslöste, gehört der Vergangenheit an. Außerdem soll zur Warenanlieferung der Lkw, der zwei bis drei Mal pro Tag erwartet wird, zur Lärmminderung nur noch inhäusig entladen werden. Eine Nachtanlieferung schloss Körkemeier ausdrücklich aus. Um auf dem Parkplatz entstehende Emissionen noch weiter zur Nachbarschaft abzuschirmen, ist zur Albert-Schweiter-Straße hin noch eine Lärmschutzwand vorgesehen.

Zur Bielefelder Straße hin möchte Lidl mit einer 6,50 Meter hohen Glasfront Eindruck machen. Innen gibt es viel mehr Platz als bisher für Personal-, Umkleide- und Besprechungsräume.

Kritische Rückmeldungen gab es einige. Wolfgang Schulz (CDU) wies darauf hin, dass der Marktkauf in Halle mit nur einer Anlieferung täglich am Morgen/Vormittag in der Regel auskomme. Schulz verlangte sogar, dass mit Blick auf die vielen Streitigkeiten in der Vergangenheit Details von Zusagen protokolliert werden. »Damit wir das Unternehmen im Zweifel später zu packen kriegen«, wie er sich ausdrückte. Sorgen wurden auch wegen möglicher Lärmquellen durch Kühlaggregate geäußert. Manfred Stockhecke (UWG) regte an, die eingehauste Warenanlieferung an die B68 zu verlegen, um die Nachbarschaft weiter zu entlasten.

Am weitestgehenden war die Anregung von Jochen Stoppenbrink (Grüne). Er will im Bebauungsplanverfahren geprüft sehen, ob auf dem Markt nicht weitere Wohnungen geplant werden können. Bei der geplanten Marktgröße könnten darüber gewiss 12 bis 15 kleinere Wohnungen realisiert werden, vermutete Stoppenbrink.

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