Engler: »Brücken bauen und keine einreißen«
Pur mit Party, Tränen und polischem Plädoyer

Halle (WB/vos). Mal laut, mal leise. Mal ziemlich alt, mal ganz neu. Pur und Frontmann Hartmut Engler pendeln beim Konzert im Haller Gerry-Weber-Stadion, wie es der Tournee-Titel verspricht, gekonnt »zwischen den Welten«.

Montag, 02.09.2019, 06:44 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 14:00 Uhr
Pur-Frontmann Hartmut Engler beim Konzert im Haller Gerry-Weber-Stadion. Foto: Sören Voss

Pur im Gerry-Weber-Stadion

1/14
  • Pur im Gerry-Weber-Stadion
Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss
  • Foto: Sören Voss

Es gibt Leute, die behaupten, alle Lieder der 16 Alben aus mittlerweile fast 40 Jahren Bandgeschichte könnten als unendlicher Partyhitmix laufen. Tatsächlich reißt es die Ostwestfalen schon früh am Sonntagabend bei »Freunde« aus ihren grünen Sitzschalen. »Vertrau mir und benutz’ mich - wozu sind denn schließlich Freunde da?« Mit voller Inbrunst und selbstredend mit Funkelperlenaugen singen auch diejenigen Fans mit, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Klassikern wie »Abenteuerland« oder »Lena« noch längst nicht geboren waren. Und das sind überraschend viele unter den 7100 in der nahezu ausverkauften Tennis-Arena.

Zum achten Mal gastiert der Harti aus Bietigheim-Bissingen bereits im Gerry-Weber-Stadion, mehr als 70.000 Zuschauer haben die selbsternannte »älteste Schülerband Deutschlands« schon hier gehört. Dass Engler, Joe Crawford und Co. zu den erfolgreichsten Gästen in Halle zählen, liegt auch daran, dass sie die gesamte Klaviatur des Musikbusiness beherrschen. Im ersten von zwei Zugabeblöcken zum Abschluss der fast zweieinhalb Stündigen Show unterstützt Ina Paule Klink, bekannt aus den »Wilsberg-Krimis«, bei »Drachen sollen fliegen« den Leadsänger als charmante Duett-Partnerin.

Deutliche Botschaft von Engler

Pur kann aber auch nachdenkliche Töne anschlagen. Hartmut Engler wird bei »Wenn sie diesen Tango hört«, dem Lieblingslied seiner 2016 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Mutter, ziemlich emotional. »Ihr könnt Party machen, aber an den richtigen Stellen auch gut zuhören«, lobt Engler seine Anhänger. Dass die Kamera dabei extrem nah auf seine Augen zoomt, um die Tränen auf der Leinwand noch zu vergrößern, wirkt allerdings etwas zu dick aufgetragen.

Neben den Party oder Romantik-Elementen hat Pur außerdem auch noch ein politisches Plädoyer im Gepäck. »Bis der Wind sich dreht« ist ein aggressives Lied und wird mit Bildern von rechten Protesten untermalt. Engler möchte den Populisten und Rechtsextremen einen Spiegel vorhalten, indem er wie in einer Karikatur stark übertrieben mit Lederjacke und Eisenkreuz-Mütze auftritt. Er erklärt: »Es gibt einen Rechtsruck in Europa. Wir wollen aber Brücken bauen und keine einreißen.« Eine deutliche Botschaft, mit der Engler und Co. einen klaren Standpunkt vertreten und auf das Pendeln zwischen den Welten ausnahmsweise gerne verzichten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6894029?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Statistik über Mord und Totschlag
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker