Letzter Ferienausflug zeigt der SPD-Fraktion: Haller Stadtarchiv braucht Aufmerksamkeit
Alte Schätze lagern hier nicht gut

Halle(WB). »Unsere Geschichte ist vorhanden, aber schlecht aufbewahrt«, stellt Ulrike Niemeier-Müller bei der Besichtigung des Stadtarchivs im zweiten Stock des Büchereigebäudes fest. Die stellvertretende Bürgermeisterin Karin Otte räumt ein, dass das Thema in den vergangenen Jahren vernachlässigt und auf die lange Bank geschoben wurde.

Sonntag, 01.09.2019, 08:00 Uhr

Der Besuch von Stadtbibliothek und Stadtarchiv ist die vierte und letzte Station im diesjährigen Ferienbesuchsprogramm der Haller SPD-Ratsfraktion. An davor liegenden Terminen waren die Mitglieder in der Radstation am Bahnhof, an der Kläranlage Brandheide und im Wertheraner Böckstiegel-Museum zu Gast. »Seit einigen Jahren besichtigen wir im Sommer immer einige Projekte mit besonderer Bedeutung für Halle«, erklärt der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bölling.

In der Stadtbücherei begrüßt Leiterin Anke Limprecht die 12-köpfige Besuchergruppe und beginnt mit einer Gebäudeführung im zweiten Obergeschoss, wo das Haller Stadtarchiv untergebracht ist. Hier liegt der charakteristische Duft nach altem Papier in der Luft, den einige von typischen mit Holz ausgekleideten Dachböden kennen. Und genau das scheint heute ein Problem bei der sachgerechten Lagerung von archivwürdigen Dokumenten und Materialien zu sein. »Bei einem Brand werde man Menschen retten, aber keine Papiere hier herausholen«, das habe ihr ein Feuerwehrvertreter unlängst gesagt, berichtet Anke Limprecht. Probleme mit Feuchtigkeit oder Ungeziefer bestünden dagegen nicht, allerdings wirken sich die starken Temperaturschwankungen im Jahresverlauf negativ auf die gelagerten Archivarien aus.

»Im Böckstiegelmuseum haben wir gesehen, welcher Aufwand bei Gemälden für permanent gleiche klimatische Bedingungen betrieben wird«, wirft Wolfgang Bölling ein. Auch er macht sich keine Illusionen, dass etwas Vergleichbares für das Haller Stadtarchiv realisierbar wäre. Abgesehen von schwierigen personellen Verhältnissen, weil der Bereich an Archivaren nahezu »abgegrast« ist und demzufolge keine Spezialisten verfügbar sind, können die räumlichen Herausforderungen an ein zeitgemäßes Archiv wohl nur interkommunal gelöst werden.

Die Fachbereichsleiterin für Bürgerdienste, Regina Bresser, bestätigt unterdessen, dass Anfang des kommenden Jahres bereits diesbezügliche Gespräche mit den Nachbarkommunen geführt werden sollen. Mit einer Realisierung entsprechender Projekte könne aber nicht vor 2021 gerechnet werden. Für interessierte Bürger ist das Haller Stadtarchiv jeweils mittwochs zwischen 15 und 18 Uhr zugänglich. »Wir beraten gerne, geben Auskünfte und unterstützen Forschungsprojekte«, betont Anke Limprecht. Sie und ihre Kollegin absolvieren jeweils sechs Stunden pro Woche Archivarbeit, hinzu kommt Inga Hagenbäumer als Nachfolger von Simon Scho.

Das älteste Dokument ist eine Urkunde von Konrad Meinders aus dem Jahr 1537, es kann laut Anke Limprecht wegen Unleserlichkeit aber nicht übersetzt werden. Weiteres amtliches Schriftgut besteht aus Akten, Fotos, Karten und Zeitschriften, die teilweise bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurück reichen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit bestehe allerdings nicht.

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