A 33 im Bau: Schlussspurt auch für den Artenschutz
Der Kauz soll die Piste übern Eschweg nehmen

Halle/Borgholzhausen (WB). Das Material für acht Kilometer Stahlschutzplanken und -profile liegt auf dem Asphalt – allerdings noch ordentlich gestapelt. Ein Fertiger hat Position bezogen, um sechseinhalb Kilometer Gleitwände aus einem Spezialbeton an Ort und Stelle zu produzieren. Ein Vermesser zu Fuß nimmt an den Brücken Höhen in die Bestandspläne auf.

Freitag, 09.08.2019, 05:00 Uhr
Auf der Grünbrücke Eschweg sind junge Obstbäume gepflanzt. Gestaltet ist sie nämlich insbesondere für den gefährdeten Steinkauz. Wie Pressesprecher Sven Johanning (links) und Dietmar Stölting als Projektleiter Bau für die A 33 sagen, sollen die Bäume als Überflughilfe dienen. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Nichts als Ruhe. Und dabei soll in nicht einmal sechs Monaten der Verkehr über die A 33 zwischen Halle und Borgholzhausen fließen.

»Die Leute denken, hier tut sich nichts. Aber unsere Arbeit wird hochwissenschaftlich begleitet«. Dietmar Stölting, beim Landesbetrieb Straßen NRW Projektleiter in der Abteilung Bau, ist froh, dass die ersten Ergebnisse des Fledermaus-Monitorings »eine positive Tendenz« zeigen. Ob Braunes Langohr oder Kleiner Abendsegler, Wasser- oder Mückenfledermaus – fünf Grünbrücken (Eschweg, Neue Hessel, Stockkämper Weg und Waldweg, der breite Postweg zählt schon zum letzten Teilabschnitt) und neun breite, vier Meter hohe Unterführungen für die Bachläufe kommen bei Fledermaus, Fuchs und Hase schon gut an. »Die Tiere wollen ein Ziel sehen. Die laufen nicht in dunkle Rohre«, sagt der Straßenbauer, dem der Stolz auf dieses einmalige Stück Naturschutz deutlich anzumerken ist. Spätestens Anfang November soll es erste, verlässliche Zahlen geben, um die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nachzuweisen.

15 Millionen Euro werden 2019 verbaut

Kein Wunder, dass für den A 33-Bau allein 2019 schon 15 Millionen Euro ausgegeben werden. Denn der Aufwand für den Artenschutz ist hier so hoch wie nirgendwo sonst: Allein für den gefährdeten Steinkauz, der ganz anders fliegt als eine Fledermaus, hat man eine 40 Meter lange Obstwiese quer über der Autobahn gebaut: die Querungshilfe Eschweg. An den Rändern wächst dorniges Gesträuch. Mitten drauf sind Pflaumen und Äpfel gepflanzt. Dort kann die kleine Eule von Baum zu Baum hüpfen, wenn sie die Einflugschneise von den Streuobstwiesen nimmt, wo sie gerne jagt. In der Umgebung hat man zusätzliche Obstweiden angelegt, Kopfbäume angepflanzt und sogar mardersichere Nisthilfen.

Und man hat die vier Meter hohen Wildschutzwände noch um zwei Meter Überflughilfe erhöht: Kauz und Fledermaus sollen jetzt schon unbedingt auf Höhe gehalten werden, bevor die Autobahn unter Verkehr ist. Schließlich will man vermeiden, dass sie später womöglich bei einer Luftverwirbelung vor einem Lkw landen. Aufwand betreiben die Straßenbauer auch für Kröte und Co.: Die Amphibientunnel – allein am Eschweg gleich fünf – haben Einlauftrichter bekommen. Pressesprecher Sven Johanning: »Von der Landschaft ist jetzt nichts mehr zu sehen. Das ist der Preis.«

Fundamente für Schilderbrücke gelegt

Die Firma Strabag beseitigt zurzeit noch verschiedene Mängel beim Streckenbau. Die Fundamente für die Schilderbrücke 1000 Meter vor der Anschlussstelle Borgholzhausen härten derzeit aus. Jetzt werden auch noch fünf Verkehrszeichenausleger angebracht, acht Schildertafeln und 40 Klein- und Seitenschilder. Beim Streckenbau schon gelegt sind die Leerrohre für 8,5 Kilometer Fernmeldekabel und 36 Kilometer Glasfaserkabel für betriebsinterne Zwecke, zum Beispiel für die Daten von Glättemeldeanlagen. Sieben Notrufsäulen sollen installiert werden. Schon vergeben sind die Aufträge für die Markierungsarbeiten. Ende November soll die Beschilderung im Umfeld der A 33 fertig sein.

Zu den Kosten: Der Bau des ganzen Abschnitts 7.1 kostet knapp 148 Millionen Euro. Für Grunderwerb gibt der Bund zudem 19,4 Millionen Euro aus.

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