Wie eine neue Zufahrt an der L782 eine Familie aus einer misslichen Wohnlage befreit
Storck-Plan ist Glück für A33-Pechvögel

Halle (WB). Für die geplanten Erweiterungen der Firma Storck in Halle gibt es nach WB-Informationen nunmehr eine neue Erschließungsvariante. Mit einer neuen Abfahrt von der Haller Westumgehung (L782) könnten eine Reihe von Probleme gelöst werden. Für die Familie Rieke hingegen, die eines der unglücklichsten Opfer der A33-K-Trasse ist, zeichnet nunmehr ein Happy-End ab.

Dienstag, 06.08.2019, 14:17 Uhr aktualisiert: 06.08.2019, 14:20 Uhr
Storck hat das Haus der Familie Rieke und 2,5 Hektar Grund an der Arrode gekauft, um von der Theenhausener Straße eine Straße zum Steinhausener Weg neu bauen zu können.

Wie mehrfach berichtet, will Storck auf betriebseigenen Flächen die Möglichkeiten zur langfristigen räumlichen Erweiterung nutzen. Dazu läuft derzeit ein Verfahren zur Änderung des Regionalplanes bei der Bezirksregierung. Für den Bereich zwischen Paulinenweg und Steinhausener Weg gibt es Überlegungen hier bis zu vier neue Produktionshallen sowie ein Verwaltungsgebäude zu errichten. Der bislang öffentliche Paulinenweg würde in das Betriebsgelände integriert, die Stadt hat dem Ansinnen zugestimmt.

Eine neue Abfahrt an der Westumgehung, der sich eine neue Verbindungsstraße zum Steinhausener Weg anschlösse, würde Storck insbesondere auch für die An- und Abfahrten von Lkw neue Möglichkeiten verschaffen, zum Beispiel um schneller auf die A33 zu gelangen. Nähere Informationen über eine solche Straße gab es am Montag weder vom Leiter der Bauverwaltung, Jürgen Keil, noch von Storck.

Von der Familie Rieke hingegen ist dem WESTFALEN-BLATT bestätigt worden, dass man sich mit Storck über den Ankauf ihres Hauses an der Arrode sowie der umgebenden Ackerflächen (insgesamt 2,5 Hektar) einig geworden ist. Das Unternehmen war dem Vernehmen nach bereits im vergangenen Jahr auf die Familie zugekommen. Doch erst kürzlich wurde Einigkeit über den Umfang des Kaufes und auch den Preis erzielt, die Verträge sind unterschrieben.

Ein tiefer Einschnitt, aber zugleich eine große Erleichterung

Für die Familie Rieke bedeutet diese neue Entwicklung einen tiefen Einschnitt, aber zugleich eine große Erleichterung. Denn die Geschichte, die die Riekes mit der A33 erlebt haben, ist eine ausgesprochen unglückliche. Zur Erinnerung: Jahrzehntelang betrieben die Riekes an der B68 (Höhe Aufmündung Martin-Luther-Straße) eine Fleischerei. Die Familie ertrug auch geduldig den wachsenden Verkehrslärm vor der Haustür. Mitte der 90er Jahre investierte Werner Rieke hohe Summen in einen alten Erbhof an der Arrode, wo 1996 schließlich die Eltern, der Sohn sowie die Tochter mit Mann und drei Kindern einzogen. Doch mit der erhofften Ruhe an der Arrode war es bald vorbei.

Erst rückte die Autobahn mit der sogenannten V16-Plus-Planung näher heran. 2004 schließlich wurde nach Einigung mit den Umweltverbänden die sogenannte K-Trasse Realität. Familie Rieke empfand diese Planung als persönliche Katastrophe. Nicht von ungefähr engagierte sich Sohn Peter Rieke als Ratsmitglied jahrelang in der Südtrassenunion (STU). Knapp 30 Meter entfernt verläuft heute die A33 am Haus vorbei. Auf der Terrasse blickt Rentner Werner Rieke jetzt vor eine meterhohe Wand.

Doch damit war es noch nicht genug mit der Belastung. Denn Amprion plante die neuen 380-KV-Höchstspannungsleitungen genau über das Grundstück der Riekes. Schon im Herbst soll mit dem Bau der neuen Masten begonnen werden, die etwa doppelt so hoch und doppelt so breit wie die alten werden sollen.

Unter diesen Umständen sind die Riekes froh, dass man Haus und Grund nun zusammen zu einem akzeptablen Preis an Storck verkaufen konnte. Angesichts der Vorbelastungen hätte man auf dem freien Markt kaum einen auskömmlichen Preis erzielen können, sind die Riekes überzeugt. »Der Kopf sagt, dass es vernünftig ist, hier wegzugehen. Doch mit dem Herzen fällt es mir schwer«, sagt Werner Rieke. Nach Wohnalternativen wird gesucht.

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