Ex-Konzernchef weist Vorwurf der Insolvenzverschleppung zurück
Aktionär zeigt Ralf Weber an

Halle (WB). Nach der Insolvenz des Haller Modekonzerns Gerry Weber AG hat ein Aktionär Strafanzeige gegen den früheren Vorstandschef Ralf Weber (55) gestellt. Der Vorwurf des Anlegers aus Halle lautet auf Insolvenzverschleppung . Die Staatsanwaltschaft Bielefeld bestätigte den Eingang der Anzeige.

Dienstag, 06.08.2019, 03:39 Uhr aktualisiert: 06.08.2019, 09:27 Uhr
Ralf Weber war von 2015 bis Oktober 2018 Konzernchef.

Die Behörde hat ohnehin – wie in Insolvenzfällen üblich – ein Vorprüfverfahren eingeleitet, um zu klären, ob es Hinweise auf ein strafbewährtes Verhalten gibt. Laut Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam dürfte die Prüfung mehrere Monate dauern. Für Ralf Weber gilt bis auf Weiteres die Unschuldsvermutung.

»Von Insolvenzverschleppung kann überhaupt keine Rede sein«

Gegenüber dem WESTFALEN-BLATT nahm der frühere Konzernchef Stellung. »Von Insolvenzverschleppung kann überhaupt keine Rede sein. Es muss aber natürlich geprüft werden und zur Aufklärung werden alle beitragen«, erklärt Weber. Von dem Zeitpunkt an, als festgestanden habe, dass es Probleme bei der Rückzahlung von Schuldscheinen gebe, hätten sich sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat umfangreich anwaltlich beraten lassen. »Auch bei den Adhoc-Mitteilungen haben wir uns börsenkonform verhalten«, betont Weber.
Am 21. September hatte der Konzern in einer Pflichtmitteilung informiert, dass ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben wurde. Ralf Weber, seit Februar 2015 im Amt, schied Ende Oktober als Konzernchef aus und wechselte in den Aufsichtsrat. Am 25. Januar meldete sein Nachfolger Johannes Ehling Insolvenz in Eigenverwaltung an. Der Konzern soll nun durch zwei Finanzinvestoren gerettet werden.

Aktien für 29 Euro pro Stück gekauft

Der Aktionär, der jetzt Anzeige stellte, hat nach eigenen Angaben 2015 für einen mittleren fünfstelligen Betrag Papiere des Modekonzerns zum Stückpreis von 29 Euro gekauft. Die Aktie notiert inzwischen bei nur noch knapp 7 Cent. Die alten Aktien der Anleger sollen im Zuge der Umsetzung des Insolvenzplans und dem Einstieg der Investoren eingezogen und komplett wertlos werden. Der Aktionär habe Ralf Weber schon 2016 geschrieben, dass er einen »Sanierungsfall« vermute.
Derweil wird unter Hochdruck am Insolvenzplan gearbeitet. Er soll in Kürze beim Amtsgericht Bielefeld eingereicht werden. Ralf Weber kündigt an, dass er und sein Vater und Firmengründer Gerhard Weber als bisherige Hauptaktionäre sich bei einer weiteren Gläubigerversammlung »dazu positionieren« werden.

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