Heimatgeschichte aus dem Archiv: Kapitel über Kultur und Schulen lässt große Lücken
Chronik sorgt für Ärger

Halle (WB). Die Hochhäuser vom Sandkamp sind längst weg. Doch während dieses Kapitel Stadthistorie in der »Heimatgeschichte aus dem Stadtarchiv« von Simon Schoo nachzulesen ist, fehlen andere, wichtige Kapitel. Genau das ruft derzeit Kritiker auf den Plan. Darunter sind Museumsleiterin Ursula Blaschke, aber auch frühere Schüler von Berufskolleg und Kreisgymnasium wie Heinrich-Werner Martens. Er fordert sogar, das Buch »einzustampfen oder zu korrigieren«.

Samstag, 03.08.2019, 05:00 Uhr
Zum Jahrestag des Stadtrechte-Jubiläums ist eine Fortsetzung der Haller Stadtchronik entstanden, die viel Kritik erntet – nicht nur wegen ihrer Optik. H.-W. Martens fordert mindestens eine Korrektur. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Zur Erinnerung: Das Buch »Halle Westfalen auf dem Weg ins Heute« war eines der Haller Projekte rund um das 300-jährige Bestehen der Stadtrechte. Auf 232 Seiten hat der aus Braunschweig stammende Historiker, der zweieinhalb Jahre im Stadtarchiv gearbeitet hat, streng nach Aktenlage dokumentiert, was die Stadt geprägt hat. Seine Chronik sollte an die Arbeit von Dr. Uwe Heckert anknüpfen und die rasante Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren.

»Große Kränkung« für das Museum

Bitter enttäuscht, dass das Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler, ihr Lebenswerk, im Kapitel über die Kultur nicht erwähnt wird, ist Ursula Blaschke. Sie hat deshalb kürzlich eine Einladung von Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann zum Sommerfest des Kreises ausgeschlagen. »Die Überschrift ›Kultur wird großgeschrieben‹ ist eine Beleidigung«, ärgert sich die Museumsleiterin, die das Ignorieren ihrer Arbeit als »große Kränkung« empfindet. »Ich habe die Weltkunst nach Halle geholt«, verweist sie auf große Namen, bedeutende Kunstwerke und viel Prominenz, die sich im Haus am Kirchplatz eingefunden hat, Ausstellungen, die Halle auch überregional bekannt gemacht haben.

Mindestens so verärgert zeigt sich H.-W. Martens. Er führt für eine Reihe von Hallern das Wort, die in der Chronik neben KGH und Berufskolleg auch jeden Hinweis auf Volkshochschule und Musikschule vermissen. Martens: »Die Gründung des Kreisgymnasiums war für Halle ein Kerneignis der vergangenen 50 Jahre. Aus einer Stadt mit einer Landwirtschaftsschule und mittlerem Bildungsabschluss ist damit ›eine Universitäts-Vorstadt in spe‹ geworden, wie einst KGH-Direktor D. Hans Windmann gesagt hat.« Während vorher nur eine Handvoll Kinder nach Bielefeld zum Gymnasium gegangen seien, sei Halle damit für den ganzen Altkreis zum Bildungszentrum geworden.

»Nur ein Ausschnitt«

Im Rathaus steht man der Kritik gelassen gegenüber. Auf den »sehr ernsten Brief« der Museumsleiterin hat die Bürgermeisterin in moderaten Worten geantwortet. »Wir wissen zu schätzen, was Sie in 33 Jahren für die Kunst und die Stadt geleistet haben«, schreibt Anne Wesselmann und verweist auf Fördermittel und die Aufnahme des Museums in städtische Publikationen.

Konkreter wird Susanne Debour vom Kulturbüro: Wenn Frau Blaschke ebenso wie andere zu wenig oder zu spät Informationen für Veranstaltungsankündigungen lieferten, dann könnten sie eben nicht so bedient werden, wie es der Sache vielleicht dienlich sei. Zur Chronik: »Im Vorwort steht, dass es nur ein kleiner Ausschnitt ist. Der Auftrag lautete, eine gut lesbare Chronik zu schreiben, die alle möglichen Aspekte des Alltagslebens aufgreift mit dem Ziel, dass für jeden etwas Interessantes dabei ist – eine breit angelegte Thematik. Sich nur auf Material aus dem Archiv zu stützen heißt auch, ein Thema immer nur beispielhaft zu beleuchten.«

Selbstverständlich sei es wünschenswert, die Arbeit noch einmal zu erweitern und/oder noch andere Themen aufzugreifen. Doch in einer begrenzten Zeit, mit begrenzten Mitteln und begrenztem Umfang so etwas auf die Beine zu stellen – »dazu stehen wir«, sagt Susanne Debour mit einem Hinweis auf die Tatsache, dass für das Buch einschließlich Druck und Satz nur 40.000 Euro zur Verfügung gestanden haben. Zudem habe man die inhaltlichen Pläne für die Fortsetzung der Chronik im Kulturausschuss vorgestellt, und die Politik habe das Vorhaben abgesegnet.

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