Wegen Trockenheitsschäden muss ein Prachtexemplar im Laibach-Park gefällt werden
Jetzt verdorren schon alte Buchen

Halle (WB). Bäche versanden, Bäume verdorren: Wer noch glaubt, die Trockenheit trifft nur anderswo die Natur bis ins Mark, der kann die schlimmen Folgen von zwei heißen Sommern ohne Regen und einem Winter, der nicht nass genug war, inzwischen überall in Halle sehen. Paradebeispiel: Eine stattliche Buche im Park an der Laibachquelle ist unrettbar verloren.

Freitag, 02.08.2019, 05:00 Uhr
Alle Stadien der Trockenheit sind an einem Prachtexemplar von Buche abzulesen, das laut Stephan Borghoff demnächst aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss. Denn sprödes Holz kann auch bei einer leichten Böe aus der Krone brechen. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Man kann ihr den Tod jetzt schon ansehen: unten noch ein bisschen grün und darüber nur noch dröge Äste und braune Blätter, etagenweise runtergetrocknet. Einige Partien sind schon komplett ausgefallen. »Die Verdunstung im oberen Bereich der Krone ist so groß, dass sie nicht mehr mithalten kann«, bedauert Stephan Borghoff. Im Herbst muss der bestimmt 150 Jahre alte Baum, der in ein Meter Höhe einen Stammumfang von etwa 3,40 Meter hat, deshalb gefällt werden, wie Halles Umweltbeauftragter sagt.

Schon eine leichte Böe kann gefährlich werden

Das Problem: Buchenholz, das auf dem Stamm trocknet, wird spröde. Auch armdicke Äste brechen dann ohne jede Vorwarnung und ohne Sturm leicht komplett herunter. Stephan Borghoff: »Auch schon bei einer leichten Böe fliegt das Holz. Das macht dann das Betreten unserer Wälder so gefährlich.«

Die Buche ist zwar typisch für unseren Wald, erst recht für die FFH-Gebiete, aber sie wird immer mehr zum Sorgenkind. Denn sie kann auf Dauer weder Trockenheit noch Sonnenstrahlen vertragen. »Wenn sich dieser riesengroße Baum verabschiedet, fällt für die anderen dahinter der Schattenspender weg. Dann verbrennen die Bäume leicht. Denn wenn die Sonne auf die dunkle Rinde fällt, heizt die sich ruckzuck auf. Bei 50 Grad kollabieren ihre Gefäße und die Rinde ist hin«, weiß Borghoff. Einen Sonnenbrand will er möglichst verhindern – am Donnerstag hat der Bauhof sie mit der Grundierung für einen Schutzanstrich versehen. So eine Stammschutzfarbe hat eine junge Linde im Rathausgarten mal bekommen, als sie Opfer eines jugendlichen Zündelns geworden ist.

Auch der Unterwuchs geht kaputt

»Das nimmt jetzt andere Ausmaße an, als wir es 2018 noch gedacht haben«, sieht der Fachmann für die Zukunft ziemlich schwarz. »Im Wald kriege ich schon das kalte Grausen. Aber die jetzt entstehenden Schäden werden erst 2020 richtig sichtbar sein: 150 Jahre alte Buchen sterben. »Aber nicht nur alte Bäume gehen kaputt, sondern auch der Unterwuchs. Und es ist schwierig nachzupflanzen und aufzuforsten, wenn nicht in den ersten zwei oder drei Jahren genügend Regen fällt.« Bei den Fichten auf der Südseite des Teutoburger Waldes sei das Thema bereits durch, verweist Stephan Borghoff auf die Folgen von Trockenheit und Käfer-Befall.

Kann man für die Zukunft noch gegensteuern? Halles Umweltbeauftragter sieht nur eine Chance: Regen, der im Winter fällt, muss in Halle behalten werden: Neben Bächen und Flüssen braucht es Flächen, Mulden, in denen das Wasser versickern kann. »Wenn es im Grundwasser ist, braucht es vielleicht Jahre, um das Stadtgebiet zu verlassen«. Darum sollten Bürger auch möglichst viele Dachflächen vom Kanal abklemmen und ebenfalls das Regenwasser versickern – um die Flächenversiegelung auszugleichen.

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