Robus und Whitebox setzen sich gegen zwei andere Bieter durch – Konzern soll an der Börse bleiben
Gerry Weber: Investoren stützen Strategie des Vorstands

Halle/Frankfurt (WB). Aktien der Gerry Weber International AG sollen auch in Zukunft an der Börse gehandelt werden. »Sollte es aus technischen Gründen zum Delisting (Rücknahme vom Börsenzettel, d. Red.) kommen, ist beabsichtigt, wieder eine neue Börsenzulassung zu beantragen«, erklärte Benjamin Noisser, Geschäftsführer der britischen Investmentgesellschaft Robus Capital.

Mittwoch, 17.07.2019, 09:20 Uhr aktualisiert: 17.07.2019, 09:22 Uhr
Symbolbild. Foto: Bernhard Pierel

Die am späten Montagabend vom Gläubigerausschuss genehmigten Eckpunkte für den Insolvenzplan sehen für Gläubiger drei Modelle vor: 1. eine Barabfindung mit überdurchschnittlicher, klar zweistelliger Quote. 2. Verzicht auf 60 Prozent der Forderung und Umwandlung von 40 Prozent in eine verzinste Unternehmensanleihe. 3. Einbringen der Forderung in eine Wandelanleihe, die in Aktien des Konzerns eingetauscht werden kann. So würden bisherige Gläubiger künftig zu Aktionären.

Gegen zwei Wettbewerber durchgesetzt

Robus und die US-Investmentgesellschaft Whitebox Advisors in Minnesota sind – mit Abstand – nicht die größten Kreditgeber der derzeit insolventen Gerry Weber International AG. Ihr Konzept fand Zustimmung, weil es flexibel auf unterschiedliche Interessen der Gläubiger eingeht und denjenigen, die auf die Sofortausstiegsquote verzichten, ermöglicht, an einer Wertsteigerung der AG teilzuhaben. Damit haben sich Robus und Whitebox am Ende gegen zwei Wettbewerber durchgesetzt, die dem Vernehmen nach den Konzern komplett übernehmen wollten. In dem Fall wäre die Quote deutlich geringer ausgefallen.

Noisser zufolge stützen die beiden Investmentgesellschaften, die zusammen bis zu 49,2 Millionen Euro für die Sanierung von Gerry Weber zur Verfügung stellen, den Kurs des derzeitigen Vorstands um den Sprecher Johannes Ehling, Produktmanager Urun Gursu und den Restrukturierungsvorstand Florian Frank. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Robus 88 Prozent der bisherigen Gerry-Weber-Tochter Hallhuber übernimmt. Zwölf Prozent sind nach wie vor im Besitz des Haller Unternehmens.

In 2018 Schuldscheine aufgekauft

Robus hält Anteile an weiteren Firmen unterschiedlicher Branchen, zu denen etwa Adler Modemärkte, das Modelabel Laurel und mit einem kleineren Anteil der Erotikanbieter Beate Uhse gehören sollen. Noisser wollte diese Angaben nicht bestätigen. Whitebox ist ebenfalls in der Bekleidungsbranche engagiert, etwa bei New Look, einem US-Konzern, der wie H & M sowohl produziert als auch selbst vermarktet.

Robus hat bereits 2018 Schuldscheine von Kreditnehmern aufgekauft, um die Sanierung der Gerry Weber AG zu unterstützen und damit die Insolvenz abzuwenden. Auch Whitebox hatte Schuldscheine erworben.

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