Gerry Weber bleibt aber mit zwölf Prozent an der Modemarke beteiligt Investor übernimmt Hallhuber

Halle (WB). Der angeschlagene Modehersteller Gerry Weber (Gerry Weber, Taifun, Samoon) mit Sitz in Halle hat sich wie berichtet weitgehend von seiner Tochter Hallhuber getrennt. Der britische Investor Robus Capital Management übernahm erwartungsgemäß die Mehrheitsanteile an der Münchner Modekette mit ihren zuletzt etwa 410 Standorten in mehreren Ländern. Das teilte Gerry Weber am Montag mit. Die in einem Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung an ihrer Sanierung arbeitende Modefirma bleibt demnach mit nur noch zwölf Prozent an Hallhuber beteiligt. Robus Capital hält nun 88 Prozent.

Von Paul Edgar Fels
Hallhuber ist in OWL an mehreren Standorten vertreten, das Foto entstand in der Bielefelder Innenstadt.
Hallhuber ist in OWL an mehreren Standorten vertreten, das Foto entstand in der Bielefelder Innenstadt. Foto: Bernhard Pierel

Gerry Weber hatte Hallhuber vor vier Jahren für 104 Millionen Euro gekauft. Ziel sei es gewesen, sich jüngere Kundinnengruppen zu erschließen. Die Tochter galt lange als größter Wachstumsträger des Konzerns. Allerdings hat Hallhuber unter dem Strich bei Gerry Weber nie schwarze Zahlen geschrieben.

Barzahlung von 500.000 Euro

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens hatte Gerry Weber im Februar dieses Jahres dem Investor Robus eine Kaufoption für Hallhuber gewährt. Im Gegenzug hatte Robus eine Brückenfinanzierung von zehn Millionen Euro für Hallhuber bereitgestellt, die nunmehr durch eine langfristige Finanzierung abgelöst worden ist. Darüber hinaus erhält Gerry Weber von Robus Capital eine Barzahlung von 500.000 Euro.

Hallhuber kündigte derweil Investitionen in den Bereichen Online-Handel und IT-Technologien an. »Hier können wir auf die finanzielle Unterstützung durch unseren neuen Mehrheitsgesellschafter bauen«, sagte Geschäftsführer Rouven Ackermann. Auch im stationären Handel sei eine Expansion geplant. In der Region ist Hallhuber in Bielefeld, Gütersloh, Paderborn und Minden vertreten, zudem mit einem Outlet am Gerry-Weber-Sitz in Halle.

Umsatz bei 197,2 Millionen Euro

Hallhuber entwirft bis zu 26 Kollektionen pro Jahr. Derzeit lässt die Modemarke bereits über 50 Prozent der Ware in Europa produzieren, heißt es – Tendenz steigend. Im Geschäftsjahr 2017/18 (bis 31. Oktober 2018) lag der Umsatz bei 197,2 Millionen Euro.

Die Muttergesellschaft Gerry Weber AG hatte im Januar Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt – mit dem Ziel, das Unternehmen zu sanieren. Am 1. April wurde das Verfahren eröffnet. Das Sanierungskonzept sieht nach früheren Angaben unter anderem die Schließung von 146 Stores und Verkaufsflächen und den Abbau von 330 Vollzeitarbeitsplätzen in Deutschland vor. Der Konzern zählt rund 6500 Mitarbeiter.

Dem Vorstand der Gerry Weber International AG mit Johannes Ehling, Florian Frank und Urun Gursu steht der Anwalt Dr. Christian Gerloff als Generalbevollmächtigter zur Seite. Die Finanzierung des Geschäftsbetriebs sei ungeachtet des laufenden Insolvenzverfahrens bis in das Jahr 2020 hinein gesichert, heißt es. Gerry Weber selbst steht zum Verkauf. Derzeit soll es noch drei Bieter geben.

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