Hauptschule schließt nach 51 Jahren: Das denken Lehrer über den Abschied
Tschüss, Vorreiter!

Halle (WB). »Früher hatte die Hauptschule einen ganz anderen Status. 1976 haben 750 Schüler unsere Schule besucht und es wurden fünf Jahrgänge mit fast 130 Kindern eingeschult. Das war enorm«, erinnert sich Ex-Schulleiter Liborius Rzeha. Nun ist die Hauptschule Halle Geschichte.

Dienstag, 09.07.2019, 05:00 Uhr
Viele ehemalige und aktuelle Lehrer der Hauptschule haben sich am Freitag getroffen, um sich gemeinsam von ihrer Schule zu verabschieden. Foto: Malte Krammenschneider

Die damals noch recht junge Schulform, die 1968 aus der Volksschule hervorgegangen war, verschwindet nun, wie in vielen anderen Städten, auch aus Halle: Nach 51 Jahren geht sie in der Haller Gesamtschule auf. Höchste Zeit für einige Wegbegleiter, um auf die vergangene Zeit zurückzublicken. Dazu trafen sich in diesen Tagen viele ehemalige, aber auch die letzten aktiven Lehrer.

Vorbild für Schulen

Unter den Anwesenden in der Mensa des Schulzentrums Masch war auch Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, die trotz ihrer Entscheidung zugunsten einer Gesamtschule in Halle, der Hauptschule großen Respekt zollte. »Sie haben eine Art Vorreiter-Rolle eingenommen und schon früh integrativ und inklusiv gearbeitet. Es gab ein lebendiges Schulleben und viele Menschen, die sich engagiert haben«, sagte Rodenbrock-Wesselmann.

Ende »politisch gewollt«

Die kommissarische Leitung der zuletzt den Namen Peter-Korschak tragenden Hauptschule, Andrea Kersebaum, machte indes deutlich, dass man bis zuletzt darum bemüht war, den Unterricht für den letzten Jahrgang unbeeindruckt von den Entwicklungen mit Elan zum Abschluss zu bringen. Das Vorhaben ist gelungen. Denn alle 59 Schüler, darunter viele Flüchtlinge, konnten ihren Abschluss feiern. »Die kleinen Klassen und die intensive Betreuung haben uns dabei geholfen«, erklärte Kersebaum, die künftig an der Gesamtschule arbeiten wird. Das Aus für die Hauptschule habe sich abgezeichnet. »Es war politisch so gewollt. Alles hat seine Zeit«, sagte Kersebaum.

Liborius Rzeha bedauert die Entwicklung hingegen etwas mehr, denn die Hauptschule habe immer für viele Auszubildende in den lokalen Betrieben gesorgt. »Heute wollen alle Abitur machen. Wir hatten ein Klientel, das heute auf dem Arbeitsmarkt und insbesondere im Handwerk fehlt«, sagte Rzeha, der seinen Beruf mit großer Leidenschaft ausübte und davon berichtete, dass man als Lehrkraft an einer Hauptschule eine gewisse Vielseitigkeit mitbringen musste. »Hier war man ein pädagogischer Zehnkämpfer«, erklärte »Bori« Rzeha, der 38 Jahre lang an der Schule war und Schulleiter wie Hans-Dieter Knoop und Dr. Peter Neumärkter erlebte.

Umstrittene Schülerzeitung

Udo Waschelitz, der von 1969 bis 1971 als nebenamtlicher Religionslehrer für die Hauptschule unterrichtete, erinnerte sich bei der Abschiedsfeier am Freitag auch an die Schülerzeitung »Schülerbesen«, die nach ihrer ersten Auflage sofort wieder eingestellt wurde. »Es hieß, der Inhalt sei zu aufmüpfig gewesen«, erinnerte sich Waschelitz mit einem Augenzwinkern, der mit den anderen Gästen noch in den Genuss eines Bildervortrages kam, bei denen die vergangenen Zeiten plötzlich wieder auflebten. Zeiten, die sie bestimmt noch lange in Erinnerung behalten werden.

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