Geschätzt 800 ehemalige Schüler und Lehrer nehmen bei Fest Abschied – Dickes Lob vom Dezernenten
Emotionales Ende der Haller Realschule

Halle (WB). Was für ein Abschied! Was für ein großer Zustrom an Menschen! An ihrem letzten Tag vor der offiziellen und endgültigen Schließung hat sich an der Realschule Halle noch einmal gezeigt, wie vielen Menschen sie etwas bedeutet. Und dass künftig in der alleinigen Gesamtschule eine kunstvoll gestaltete Tafel an die beliebte »Eulenschule« erinnert, erscheint somit mehr als angebracht zu sein.

Montag, 08.07.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 11:46 Uhr

Es ist schwer zu schätzen, wie viele Menschen zum großen Abschiedsfest am Samstagnachmittag ins Schulzentrum Masch gepilgert sind. Doch wenn man die Besucher auf den 500 Stühlen im Forum, die weit mehr als 150 Zaungäste auf dem oberen Umlauf überm Forum und die vielen Ehemaligen, die sich im Eingangsbereich sowie auf dem Schulhof bei der Begegnung mit ihren alten Klassenkameraden »festgequatscht« hatten, mal zusammenrechnet, dann dürften mindestens 800 ehemalige »Eulenschüler« dabei gewesen sein. Es waren auf jeden Fall viel, viel mehr, als dies die Rektorin Simone Brigas mit ihren letzten sechs Kollegen sowie ein rühriges Organisationsteam aus dem Abschlussjahrgang sowie Eltern erwartet hatten.

Wegen des Andrangs beginnt die Feier mit großer Verspätung

Weil der Andrang an dem Stand, wo Besucher ihre Namensschilder mit dem jeweiligen Abschlussjahrgang beschriftet konnten, so groß war, begann die Feierstunde mit einer halben Stunde Verspätung. Ex-Schüler Hendrik Schubert intonierte das selbstbewusste »We are the Champions« am Flügel und Rektorin Simone Brigas kommentierte die allgemeine Unruhe mit feiner Ironie, dass man nunmehr einen normalen Schulalltag erlebe. Einer erzähle etwas und alle anderen täten irgendwas anderes.

Ende der Realschule in Halle

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Foto: Stefan Küppers
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Die Sängerin, Kabarettistin und Poetry-Slammerin Nadine Dubberke machte spitze und nachdenkenswerte Anmerkungen über ihre Schulzeit und Lehrer, die befanden, dass ein Verstand ohne Bildung immer gleich groß bleibe. Wichtig sei, was an Inhalten in Schülern weiterlebe, hieß es.

Kritiker der Haller Schulpolitik geht Bürgermeisterin verbal bei ihrer Festrede an

Ja, es wehte durchaus eine wehmütige Stimmung durch das Schulzentrum, trotz der Wiedersehensfreude über alte Mitschüler. Die früheren Realschul-Rektoren Schanz, Spannuth und Brinkmann waren ebenso gekommen wie viele längst pensionierte Lehrer. Folker Dewald, der unter seinem Vater Helmut, der seinerzeit Rektor war, die Realschule erst besucht und später zehn Jahre an ihr unterrichtet hatte, fand eine schwarze Krawatte anlassbezogen angemessen. »Das ist ein trauriger Tag für Halle, die Schließung dieser Realschule war und ist ein Fehler«, sagte Dewald dem WB. Ähnlich mögen viele andere Menschen an diesem Tag empfunden haben. Ein Ehemaliger war sogar so verärgert, dass er während der Rede von Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, die er für die aus seiner Sicht verfehlte Haller Schulpolitik mitverantwortlich machte, laut »Aufhören, Aufhören!« rief und anregte, den Saal zu verlassen. Doch allgemein wurde die Form des Anwurfes als ziemlich peinlich empfunden und es ging gesittet weiter.

Realschul-Dezernent lobt die Leistungen an der Haller Schule

Der für Realschulen zuständige Dezernent bei der Bezirksregierung, Fritz-Otto Husemann, äußerte Überlegungen rund um den Gedanken »Ein Ort ist nicht nur ein Ort«. Er zeigte sich beeindruckt von der großen Resonanz und er äußerte seinen Respekt dafür, wie diese Schule ihre Abwicklung gestaltet habe. Fünf Schulleitungen in diesem Zeitraum seien schon ziemlich einzigartig, räumte Husemann ein. Gleichwohl sei qualitativ hochwertiger Unterricht erteilt worden, wie beispielhaft die überdurchschnittlichen Leistungen der Realschule Halle bei Vergleichsarbeiten in Englisch und Mathematik gezeigt hätten. »Die Ziele wurden erreicht, ohne dass etablierte Standards nach unten angepasst werden mussten«, stellte der Dezernent fest. Das war einer von einigen Momenten, als Rektorin Simone Brigas großer Beifall aus dem Auditorium gezollt wurde.

Kurze Geschichte der »Eulenschule«

Die Realschule der Stadt Halle hat eine 123-jährige Geschichte. Das Museum Haller Zeiträume hat sie dokumentiert. Demnach ist sie aus der Höheren Privatschule hervorgegangen, die am 15. April 1896 ihren Unterricht aufgenommen hat. Am 29. April 1897 wurde das neue Schulgebäude an der Kaiserstraße eingeweiht.

Im Schuljahr 1923/24 erfolgte die Umwandlung in eine öffentliche Mittelschule. Ab dem 4. Mai 1925 wurde der Unterricht in dem neu errichteten Gebäude an der Bismarckstraße erteilt. Architekt August Schlienkamp hatte hier Volks- und Mittelschule unter einem Dach vereint.

Die Entwicklung der Schülerzahlen machte einen Neubau an der Kättkenstraße notwendig, in dem ab 1956 unterrichtet wurde. Heute steht hier das Berufskolleg des Kreises Gütersloh. Über dem Haupteingang wurde nach einem Entwurf des Künstlers Karl Muggly ein Eulenmotiv als Sgraffito angebracht, nach dem die Schule im Volksmund »Eulenschule« genannt wurde.

Weiter steigende Schülerzahlen veranlassten den Rat der Stadt Halle zum Neubau eines Schulzentrums im Bereich der Masch. Der Umzug der Realschule an die Wasserwerkstraße fand am 3. April 1981 statt. Nachdem zunächst die Grundschule West (später Lindenschule) ebenfalls an der Masch war, gab es 2006 einen Schultausch mit der Hauptschule an der Bismarckstraße. Mit Errichtung der Gesamtschule Halle zum Schuljahr 2014/15 wurden im 5. Jahrgang der Realschule keine Schüler mehr aufgenommen. Der letzte Jahrgang ging am 28. Juni.

...

»Wir wollen eigentlich gar nicht Abschied nehmen«, sagte Brigas in ihrer kurzen, emotionalen Ansprache. Auch sie ließ Zweifel an der Schulpolitik erkennen, führte diese aber nicht weiter aus. Ihr war eine harmonische Abschieds- und Wiedersehensfeier erkennbar wichtig. »Ich bin gerne zu dieser Schule gegangen, weil ich hier tolle Menschen hatte«, sagte Brigas, die nach Bielefeld wechseln wird.

Bürgermeisterin verschenkt Rosen und ein Herz

Auch Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann bekundete in ihrer Rede, dass dies ein emotionaler Tag für sie sei. Sie selbst hatte in den 60er Jahren die Realschule besucht. Mit der Schließung habe man es sich nicht leicht gemacht, sagte sie. Die Hauptschule sei von Eltern nicht mehr gewollt gewesen und dies sei Ausgangspunkt der weiteren politischen Überlegungen gewesen. Sie lobte und dankte den Lehrern für ihr Engagement in »besonderer Situation«. Den letzten Lehrerinnen überreichte sie rote Rosen und der Rektorin ein Haller Herz.

Nach Enthüllung der Erinnerungstafel, für die Metallkünstler Christoph Kasper eine Eule gestaltet hat (sie wird später noch mit Informationen ergänzt), war der offizielle Teil beendet. Die Besucher schwärmten teils noch zur Besichtigung ihrer alten Schule aus, ansonsten wurden Erinnerungen in vielen Gesprächen an diesem Tag ausgetauscht.

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