Lehrer aus vier Ländern erstellen Leitfaden – Ergebnisse am Berufskolleg präsentiert Weniger Stress in der Schule

Halle (WB). Einen Leitfaden für weniger Stress im Schulalltag haben Lehrer aus vier europäischen Ländern entwickelt. Die Tipps basieren auf Alltagserfahrungen.

Das Erasmus-Plus-Projekt »Gesundheit ist ansteckend« unter Leitung des Berufskollegs Halle hat die Ansätze zur Stressprävention nun vorgestellt. Jede beteiligte Schulen hat ihre Erfahrungen eingebracht. Die Luxemburger Schule aus Wiltz konnte viele interessante Anregungen zur Gestaltung von Infrastruktur geben. Statt flächendeckendem W-Lan sind nur bestimmte Bereiche damit versorgt, um die Lärmentwicklung zu beeinflussen.

In der polnischen Schule bei Danzig bestehen gute Erfahrungen in der Evaluierung des Führungsverhaltens von Schulleitungen. Das hierarchische Top-down-Modell ist demnach schon lange nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen sollen Transparenz und Feedback einer Schule helfen, besser zu werden.

Schule ein Jahr unterbrochen

Eine italienische Schule aus Trient hatte in Kooperation mit einer Universität ein Konzept zum Umgang mit lernschwachen, verhaltensauffälligen oder schulmüden Schülern umgesetzt. In einer »regionalen und offenen Klasse« wird die Schullaufbahn für ein Jahr unterbrochen, um mit professioneller Unterstützung ausschließlich an der Entwicklung personeller Kompetenzen zu arbeiten. Nach der Rückkehr aus dieser Klasse in den Regelunterricht erreichten die Hälfte dieser Schüler einen Schulabschluss, der vor dem Jahr in der offenen Klasse nicht in Reichweite war.

Als deutsche Schule brachte das Berufskolleg Halle seine sportmedizinischen Erfahrungen zum Beispiel in der Messung des Cardiostresswertes ein. Selbstverständlich wirkt sich Stress auch bei Lehrern auf die Physis aus. Ausgleichssport und Achtsamkeitstraining dienen sowohl der Gesundheit als auch der längeren Leistungsfähigkeit des Personals.

Vertreter aus Luxemburg, Italien und Polen

Zur Vorstellung des Leitfadens waren neben der stellvertretenden Leiterin der Bonner Regionalvertretung der EU-Kommission, Judith Schilling, auch Vertreter der Schulen aus Luxemburg, Italien und Polen zusammen gekommen. In einem Vortrag verdeutlichte Judith Schilling, dass Menschen alltäglich von den Entscheidungen profitieren, die die Gesundheit als Ziel haben. So wurde auch das Projekt »Gesundheit ist ansteckend« als eine strategische Schulpartnerschaft durch eine Erasmus-Förderung ermöglicht.

Entgegen der landläufigen Meinung zum Lehrerberuf sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Bei Lehrkräften zeigte sich eine erhöhte Häufigkeit von Krankheiten des Nervensystems. Hauptgründe für Frühpensionierungen sind psychische und psychosomatische Erkrankungen, die in 32 bis 50 Prozent aller Fälle als Grund angeführt werden.

Die Einblicke in benachbarte Bildungssysteme waren so aufschlussreich, dass sich alle Beteiligten einig sind, dieses Netzwerk fortführend zu erweitern. Aus diesem Grund gründeten die Projektschulen das europaweit erste Netzwerk (HELP-VS/Health Promoting Vocational Schools) zur Gesundheitsförderung an beruflichen Schulen.

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