Autozulieferer aus Künsebeck will Personalkosten senken
Sparprogramm bei Koyo

Halle-Künsebeck WB/(SKü). Aufgrund erheblicher Umsatzeinbußen hat der Künsebecker Nadellagerhersteller Koyo ein Sparprogramm aufgelegt. In den nächsten Wochen und Monaten soll mit Betriebsrat und IG Metall über eine Senkung der Personalkosten verhandelt werden. An einen regelrechten Stellenabbau ist laut Geschäftsleitung derzeit nicht gedacht.

Dienstag, 02.07.2019, 10:35 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 10:38 Uhr
Beim Künsebecker Automobilzulieferer Koyo soll nach Umsatzeinbrüchen der Rotstift angesetzt werden, insbesondere auch bei den Personalkosten. An einen regelrechten Stellenabbau ist derzeit jedoch nicht gedacht. Foto: Küppers

Weil bereits im vergangenen Herbst der Auftrag eines Großkunden auf dem asisatischen Markt weggebrochen sei, habe Koyo in Künsebeck einen Umsatz einbruch von 10 bis 12 Prozent verkraften müssen, sagte Prokurist Dieter Hohenbrink (General Manager Administration) dem WESTFALEN-BLATT. Koyo in Künsebeck, das selbst Nagellager in verschiedenen Bauformen produziert, aber auch als Händler mit Nagellagerprodukten auftritt, macht sein Hauptgeschäft als Zulieferer für die internationale Autoindustrie. Die allgemein unsichere Situation in diesem Bereich, die Frage nach der Zukunft des Verbrennungsmotors beziehungsweise der Elektromobilität sowie der Handelsstreit zwischen den USA und China und die weltweiten Überkapazitäten wirken bis nach Halle-Künsebeck. »Nadellager sind zwar auch noch bei Elektroautos gefragt, aber in weit geringerem Maße. Das brächte einen massiven Produktionsrückgang mit sich«, sagt Hohenbrink.

Wie Koyo-Werkleiter Christoph Holz erläutert, seien bereits auf verschiedenen technischen Ebenen Sparprogramme angelaufen. Nun soll auch bei den Personalkosten ein Beitrag erwirtschaftet werden. »Denn die Quote der Personalkosten ist bezogen auf den Umsatz zu hoch«, sagt Dieter Hohenbrink. Man stehe unter erheblichem Druck bei der Wettbewerbsfähigkeit. Um den fortlaufenden Umsatz- und Gewinnverlusten entgegen zu treten, befinde sich Koyo in Verhandlungen mit verschiedenen Großkunden. Diese könnten nur zum Erfolg gebracht werden, wenn Koyo den Anforderungen der internationalen Kundschaft gerecht werde. Die Beschäftigten waren in Versammlungen am Freitag informiert worden.

Koyo beschäftigt in Künsebeck 712 Mitarbeiter (Stand Ende März). Seit 2017 war einiges Personal neu aufgebaut worden (2017 waren es der Geschäftsleitung zufolge noch 597 Beschäftigte). Hohenbrink und Holz betonen, dass ein Stellenabbau nicht geplant sei und Koyo auch im Tarif bleiben wolle. Allerdings geht es dem Vernehmen nach in den Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft um eine Summe von mehr als einer Million Euro. Die Geschäftsleitung erhofft sich Lösungen bis zum Herbst. Auf jeden Fall sollten die Potenziale noch in diesem Geschäftsjahr (1. April bis 31. März) Wirkung zeigen.

Das sagt der Betriebsrat

»Wir haben offensichtlich ein Problem im Betrieb«, sagt der Vorsitzende der Koyo-Betriebsrates, Thorsten Neermann. Trotz Vollauslastungen würden keine schwarzen Zahlen erwirtschaftet. Dass Kunden mal absprängen, sei immer mal passiert. »Ich glaube, dass wir angemessen bezahlt werden. Wir sollen für Fehler büßen, die andere gemacht haben«, sagt er. Im übrigen sei der Betriebsrat schon bei Befristungen von Arbeitsverhältnissen entgegen gekommen. »Wir werden die Angebote jetzt ansehen, prüfen und im Detail besprechen«, hieß es von der IG Metall.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6743174?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
„Wir haben jeden blamiert“
Heute vor 13 Jahren: Als Arminia an der Weser unterging: „Wir haben jeden blamiert“
Nachrichten-Ticker