86-Jährige in Borgholzhausen mit mehr als zehn Messerstichen getötet Mord erschüttert Seniorensiedlung

Borgholzhausen (WB). Es ist ein schockierender Mord, der eine schmucke und gepflegte Seniorensiedlung in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) zum Pfingstfest erschüttert: Die 86-jährige Evelyn W. wird mit mehr als zehn Messerstichen von einem bislang unbekannten Täter in ihrer Wohnung erstochen. Eine Mordkommission ermittelt.

Von Stefan Küppers
Ein Polizeiwagen steht vor der Terrasse der Wohnung von Evelyn W., die im Erdgeschoss hinter einer Hecke liegt.
Ein Polizeiwagen steht vor der Terrasse der Wohnung von Evelyn W., die im Erdgeschoss hinter einer Hecke liegt. Foto: Stefan Küppers

Es ist am Samstagvormittag gegen 10 Uhr, als sich eine Nachbarin von Evelyn W. in dem Mehrfamilienhaus mit sechs Mietparteien Sorgen macht. Evelyn W. lebt nach dem Tod ihres Mannes vor etwa drei Jahren alleine in der knapp über 50 Quadratmeter großen Parterre-Wohnung. Dem Vernehmen nach sieht die Nachbarin eine Flüssigkeit unter der Wohnungstür austreten. Niemand reagiert auf ihr Klingeln.

Notarzt stellt nur noch den Tod der Seniorin fest

Die Polizei Gütersloh geht zunächst von einer Notlage der 86-Jährigen aus und schickt neben Streifenpolizisten auch einen Gütersloher Notarzt und Rettungskräfte an die Wellingholzhauser Straße in Borgholzhausen. Der Notarzt kann aber nur noch den Tod der Rentnerin feststellen.

Polizei und Staatsanwaltschaft selbst halten sich mit offiziellen Informationen für die Öffentlichkeit am Pfingstwochenende stark zurück. Doch nach Recherchen dieser Zeitung ist Evelyn W. mit mehr als zehn Messerstichen in ihrer Wohnung getötet worden. Auch eine Kopfwunde ist bei der Toten festgestellt worden, die im Wohnungsflur gefunden wird.

Mordkommission »Wellingholzhauser« ermittelt

Um die Mittagszeit am Samstag haben sich die Spurensicherer der Kriminalpolizei an die Arbeit gemacht. Am Nachmittag nimmt ein insgesamt zehnköpfiges Team der Mordkommission »Wellingholzhauser« unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Bernd Kauschke die Ermittlungen auf, startet auch mit Befragungen in der Nachbarschaft.

Im Wohnpark Uekenbrink mit insgesamt acht Häusern und 48 Wohnungen leben fast ausschließlich Senioren, die teilweise auch die Leistungen der Diakoniestation direkt im Wohnpark oder auch des gegenüber liegenden DRK-Pflegeheims Haus Ravensberg nutzen. Die rüstige Evelyn W., die nur bei ihren Einkaufstouren einen Rollator nutzt, geht mehrfach wöchentlich zum Mittagessen die paar Meter ins Pflegeheim. In der Mittagstischrunde mit einem guten Dutzend Uekenbrink-Bewohner kennt man sich gut und unternimmt auch gelegentlich etwas miteinander.

Nachbar wundert sich über nicht heruntergelassene Rollos

Einem Rentner aus dieser Runde, der aus seinem Haus direkt auf die Wohnung von Evelyn W. blicken kann, ist bereits am Freitagabend aufgefallen, dass entgegen ihrer Gewohnheit nicht die Rollos an ihrer Terrasse heruntergelassen sind. »In der Wohnung brannte auch kein Licht«, sagt der Rentner.

Ob Evelyn W. zu diesem Zeitpunkt schon ihren Mörder getroffen hatte? In der Rentnerrunde wird spekuliert. Ist der Mörder durch die Haustür gekommen oder ist er durch eine Hecke über die Terrasse eingedrungen? Am Freitagabend hatte es einen Starkregen gegeben. War die Terrassentür zum Durchlüften geöffnet worden?

Evelyn W. lebte seint mindestens 15 Jahren in dem Wohnkomplex

Joachim Brömmelsiek (54) kümmert sich mit seiner Frau Naomi als Hausmeister um die Senioren im Wohnpark Uekenbrink. Sie haben Evelyn W., die seit mindestens 15 Jahren dort lebte, als »eine äußerst liebenswürdige und nette Frau« kennengelernt, die sich stets gut gekleidet habe und die »gute Seele im Haus« gewesen sei.

Zu ihrem Sohn und ihren beiden Enkelsöhnen habe es gute Kontakte gegeben, wird erzählt. »Als sie mir einmal nach meinem Klingeln gleich die Wohnungstür aufgemacht hat, habe ich sie noch gewarnt, immer vorsichtig zu sein«, erzählt Hausmeister Brömmelsiek. Zu den Wohnungen gibt es Gegensprechanlagen.

Nachbarn sahen unbekanntes junges Pärchen im Komplex

Gerüchten zufolge, für die es aber keine Bestätigung gab, soll jemand aus der Nachbarschaft Schreie wahrgenommen, aber nicht reagiert haben. Die Polizei war dazu an Pfingsten nicht zu befragen. Ein 86-jähriger Rentner aus dem Nachbarhaus hingegen hat eine Beobachtung gemacht, die die Kripo offenbar auch schon von anderer Seite gehört hatte.

Der Rentner berichtet von einem jungen Pärchen, das er wenige Tage zuvor im Wohnpark beobachtet habe. »Die gehörten hier nicht hin, blickten sich mehrfach um und verschwanden auf merkwürdigen Wegen aus dem Wohnpark«, berichtet der 86-Jährige.

Seine Beobachtungen – junge Frau zwischen 16 und 18 Jahren, blondierte, mittellange Haare, auffällig bunte Kleidung, sowie ein junger Mann (18 bis 20 Jahre) mit mittellangen, schwarzen Haaren, bekleidet mit einer Art Uniformrock sowie einer auffälligen Kopfbedeckung wie ein »Schiffchen« bei der Bundeswehr – hat er der Kripo schon mitgeteilt. Ob diese Beobachtungen überhaupt eine Bedeutung haben, ist unklar.

Anwohner haben nach dem Vorfall große Sorgen

Derweil machen sich viele alte Menschen im Wohnpark Uekenbrink große Sorgen. »Ich habe überhaupt nicht schlafen können«, gesteht eine Rentnerin. Im Pfingstgottesdienst hat die örtliche Pfarrerin für Evelyn W. gebetet. Sie will das Gespräch mit besorgten Bewohnern führen, so es denn gewünscht ist.

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