Projekt des Heimatvereins in entscheidender Phase – Fragebögen an alle Haushalte
Hörste träumt vom Dorfauto

Halle-Hörste (WB). Die Idee stammt mal nicht von ihnen, die Idee finden sie aber gut in Hörste: die Anschaffung eines Elektro-Dorfautos. Das Projekt soll in der kommenden Woche offiziell anlaufen – erst einmal mit einer groß angelegten Fragebogenaktion.

Samstag, 08.06.2019, 05:00 Uhr
Bitte einsteigen und losfahren: Die Initiatoren des Hörster Dorfautos (von links) Christiane Gerling, Heike Borgstedt, Carmela Michalek, Elke Feldhaus, Lutz Grossmann und Sabine Lehker, hier an einem Renault Zoe, starten in der kommenden Woche ihre Fragenbogenaktion. Die Antworten werden bis 30. Juni erbeten, damit die Planungen zügig weitergehen können. Foto: Klaus-Peter Schillig

Bei einer Veranstaltung in Marienfeld, die auch eine Delegation des Heimatvereins Hörste besucht hatte, wurde das Vorbild-Projekt aus dem Rheda-Wiedenbrücker Ortsteil St. Vit vorgestellt. Dort ist nach knapp dreijährigem Vorlauf ein solches Dorfauto seit 2018 erfolgreich in Betrieb. »St. Vit ist von Größe und Struktur her mit Hörste durchaus vergleichbar«, erzählt Vorsitzende Elke Feldhaus. Und ihre Mitstreiterin Beate Grossmann sei sofort begeistert gewesen und habe vorgeschlagen, das auch in Hörste zu versuchen.

Jahresbeitrag von 90 Euro für die ganze Familie

Seitdem laufen im Haller Ortsteil die Gedankenspiele und Vorbereitungen. Viele Erfahrungen über E-Autos hat Carmela Michalek, die schon länger mit einem Renault Zoe unterwegs ist. Der geeignete Standort für eine Ladesäule samt Dauerparkplatz könnte an der Neuen Dorfstraße liegen.

Auch die Finanzierung ist schon vorüberlegt. Das Fahrzeug würde geleast und wäre für 100 Euro monatlich zu bekommen, dazu käme die monatliche Miete des Akkus. Beim Renault Zoe von Carmela Michalek sind das 86 Euro pro Monat. Andererseits müsste für den Betrieb ein eigener Verein gegründet werden. Nur Mitglieder könnten den Wagen nutzen und müssten dafür einen Jahresbeitrag von 90 Euro für Familien oder 70 Euro für Einzelpersonen zahlen. Als Leihgebühr kämen noch 3,50 Euro pro Stunde dazu. »Das ist kein Auto für Pendler«, sagt Elke Feldhaus mit Blick auf den Stundensatz, sondern eins für die Dorfbewohner, die für Erledigungen mal in die Stadt müssen oder Kinder abholen und wegbringen oder jemanden zum Arzt fahren.

Buchung über eigene Internet-Plattform

Der Autoschlüssel würde in einer Art Safe an der Ladesäule deponiert und wäre nur über einen individuell erzeugten Code zugänglich. »Die Leute aus St. Vit haben vorgerechnet, dass sich das schon mit 30 Mitgliedern lohnt«, erzählt Elke Feldhaus von den Erfahrungen in dem Dorf aus dem Südkreis.

Die Buchungen würden über eine eigens einzurichtende Internet-Plattform abgewickelt, auf der man natürlich verfolgen könnte, wer den Wagen zuletzt gefahren hat. Denn selbstverständlich soll er nicht nur sauber wieder zurückgegeben werden, sondern nach Rückkehr auch immer wieder geladen werden.

Grund genug, es auch in Hörste anzupacken. Deshalb soll jetzt per Fragebogen das grundsätzliche Interesse ausgelotet werden. Ende kommender Woche werden Mitglieder des Heimatvereins durch alle 50 Hörster Straßen ziehen und bei allen fast 900 Haushalten die Fragebögen mit dem Logo des Heimatvereins einwerfen. Darauf wird zunächst einmal über das Projekt informiert. Dann werden allgemeine Fragen rund ums E-Auto und zum eigenen Bedarf sowie konkret zum Dorfauto gestellt – beispielsweise: »Könnten Sie dann auf ein eigenes (Zweit) Auto verzichten?«

Fragebögen bis 30. Juni zurückgeben

Die Antworten hätte der Heimatverein gern bis zum 30. Juni. Dafür gibt es gleich mehrere Möglichkeiten: Entweder per Post an den Heimatverein schicken (Elke Feldhaus, Siedinghauser Straße 7) oder in den eigens aufgestellten »Briefkasten« an der Sitzgruppe zwischen Kirche und Gemeindehaus werfen – oder beim Hörster Bummel am Stand des Heimatvereins abgeben.

Bei genügend positiver Resonanz gehen die Vorbereitungen weiter. »Zwei Jahre kann es aber dauern«, schätzt Lutz Grossmann.

Mobilität auf dem Land – das ist ein unendliches Thema. Wer öfter mal in großen Städten Busse und Bahnen benutzt, lernt erst die Unterschiede kennen. Im Zehn-Minuten-Takt rollen die Fahrzeuge kreuz und quer durch die Stadt. Da erübrigt sich ein eigenes Auto.

Kommentar

Anders in Hörste, Bokel oder Kölkebeck. Da kommt mal alle Stunde ein Bus vorbei. Ein weitgehend unattraktives Angebot. Weshalb viele Haushalte zwei oder gar drei Autos besitzen. Die oft nur rumstehen.

Druck von unten ist genau das, was die Politik in Berlin und die Autoindustrie jetzt brauchen, um selbst beim Klima- und damit auch beim Mobilitätswandel in die Pötte zu kommen. Sonst konzentrieren sich wieder alle Bemühungen – Car-Sharing beispielsweise – und Förderungen auf die großen Städte. Aufwachen bitte: Auf dem Land wird das auch gebraucht. Klaus-Peter Schillig

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