Borkenkäfer-Fallen in Werther zeigen nur das Ausmaß des Befalls
Gefräßiger Krabbler ruiniert den Wald

Werther/Halle/Steinhagen (WB). Freie Sicht vom Teutoburger Wald auf das Wiehengebirge – das ist auf dem Kammweg längst nicht mehr die Ausnahme. Der Borkenkäfer sorgt dafür, dass sich das Gesicht des Waldes zwischen Werther, Halle und Steinhagen heftig geändert hat. Und weiter ändern wird.

Freitag, 07.06.2019, 03:00 Uhr
Der Borkenkäfer hat die »Vorarbeit« geleistet, die Baumerntemaschine namens Harvester hat den Kahlschlag vollendet. Der ist nötig, um befallene Bäume schnell aus dem Wald holen zu können. Foto: Margit Brand

Berge von Holz liegen am Rand des Forstweges unterhalb des Hengeberges in Werther. Dass 20 Fuhren dieses Jahr schon herausgebracht worden sind, ist den Spazierwegen nicht anzusehen; die wurden hinterher mit dem »Wegehobel« geglättet. Doch der Blick nach links und rechts lässt erahnen, wie sehr der Teuto leidet.

Auftrag für den Harvester

Förster Johannes Lübke schaut immer wieder besorgt nach oben in die Kronen, prüft mit kritischem Blick die Stämme. Wo sind Fichten neu befallen, wo muss bald der Harvester wieder anrücken? Braune, trockene Fichten sind untrügliches Zeichen dafür, dass »Kupferstecher« und »Buchdrucker« unterwegs waren. Nur: Die Schädlinge sind längst weitergezogen, wenn der Schaden sichtbar wird.

Duftstoffe locken die Schädlinge an

Mit den Borkenkäfer-Fallen, die seit einigen Wochen in auffällig großer Zahl links und rechts des Hermannsweges stehen, wird die große Zahl der gefräßigen Krabbler nicht etwa verringert. »Sie sind ein reines Monitoring-Instrument«, stellt Förster Lübke klar. Das heißt: Anhand der Anzahl Käfer, die sich von den Duftstoffen im Innern der Plastik-Kästen mit ihren Schlitzen anlocken lassen, kann der Fachmann hochrechnen, wie groß der Befall ist. Lübke und sein Revierhelfer Michael Schulz, der extra dafür eingestellt ist, die Plage im Blick zu haben, sind an diesem Morgen unterwegs, um die Fallen zu überprüfen.

Borkenkäfer-Plage im Teutoburger-Wald

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  • Das Gesicht des Waldes hat sich durch den Borkenkäfer-Befall und die Fällarbeiten schon enorm verändert. Die Fallen mindern das Problem nicht, sondern schaffen nur einen Überblick über das Ausmaß der Plage. Foto: Margit Brand
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Schulz schüttelt die »Buchdrucker«, die sich in die unterstes Schublade verirrt haben, in einen Messbecher. 74 Milliliter à 50 Käfer – eine beachtliche Menge. 100 Meter weiter wird in einer anderen Falle der deutlich kleinere »Kupferstecher« angelockt. Auch hier gibt es ungefähr das gleiche Volumen. Mit dem Unterschied, dass 500 Tiere in einem Milliliter krabbeln, der Befall also zehnmal so hoch liegt.

Käfer aus Skandinavien und Sibirien

Ganz besonders aber hoffen die beiden Fachleute, dass die dritte Falle leer geblieben ist. Sie steht hier als einzige im Bereich des Regionalforstames OWL, um den Nordischen Fichtenborkenkäfer, der eigentlich in Skandinavien und Sibirien zu Hause ist, nachzuweisen. Oder eben besser auch nicht. Tatsächlich liegen ein paar Tiere in der Falle. Michael Schulz wird sie einschicken. Ob es sich tatsächlich um den ungeliebten Ips duplicatus handelt, muss unter dem Mikroskop geklärt werden. Rückmeldungen gibt es bislang nicht.

Der Fachmann sieht es schon mit bloßem Auge

Erst vor wenigen Wochen ist das so genannte Monitoring gestartet. Vergleichsdaten zum Vorjahr liegen also noch nicht vor. Heinrich-Theodor Venghaus sind die genauen Zahlen auch relativ egal. Der Vorsitzende von 247 Waldbauern in der Forstbetriebsgemeinschaft Halle/Werther/Steinhagen (2300 Hektar Waldfläche) sieht mit bloßem Auge, was im Wald los ist, und kann sich leicht ausrechnen, was das für die Erträge bedeutet. Borkenkäfer-Nester finden, schnell einschlagen und das Holz ebenso so zügig entfernen – das ist eigentlich angeraten. Doch so einfach ist das nicht. Da ist die große Fläche, die befallen ist – schließlich längst nicht nur im Altkreis. Forstbetriebe wie Sägewerke sind überall übervoll mit Arbeit. Und dann stellt sich immer noch die Frage: Wohin mit dem ganzen Holz? Export nach Fernost ist oft der einzige Weg.

Einbußen für Waldbauern: Erntekosten höher als Ertrag

Förster Lübke, der die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft betreut und den Einschlag koordiniert, wagt eine Prognose: »Voriges Jahr war das ein Nullsummenspiel. Dieses Jahr werden die Erntekosten die dürftig gewordenen Einnahmen übersteigen.« Geld für eine Aufforstung nehme jedenfalls im Moment kein Kollege in die Hand, meint Venghaus. »Vielleicht gibt es ja eine Naturverjüngung auf den eingeschlagenen Flächen.« Der Frust in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Zumal die Forderung nach finanzieller staatlicher Hilfe ungehört an der Landesregierung vorbei gerauscht sei. Förster Lübke bleibt trotzdem optimistisch: »Wir resignieren nicht«, sagt er und hofft auf einen Regentag pro Woche im Sommer 2019.

Auch auf dem Kamm des Teutoburger Waldes in Bielefeld werden bereits Fallen für den Borkekäfer eingesetzt. Der Grund ist nur wenige Millimeter groß und allgemein als Borkenkäfer bekannt. Zwei Arten zerstören die Fichten: Der Kupferstecher und der etwas größere Buchdrucker.

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