Mobile Messstelle erwischt auf der Westumgehung rund 3000 Temposünder pro Monat
»Nico« bremst die Raser aus

Halle (WB). Der Fahrer der Mercedes-Limousine hat Glück. Er hat freie Fahrt auf der Haller Westumgehung, hängt nicht in einer der häufigen Fahrzeugschlangen. Dann hat er Pech: Die freie Fahrt hat ihn zu sehr aufs Gaspedal drücken lassen. Das hat »Nico« sofort bemerkt. Sein rotes Blitzlicht flackert auf, der Mercedes-Fahrer bremst ab – aber das Foto ist schon gemacht, die Geschwindigkeit registriert. Immer noch ist die mobile Messstelle an der Landstraße 782 die am meisten beschäftigte im Kreis Gütersloh. Die Autofahrer aber werden disziplinierter – oder besser gewarnt.

Donnerstag, 06.06.2019, 06:22 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 06:30 Uhr
Die meisten Auto- oder Lkw-Fahrer, die geblitzt werden, sind zwischen 70 und 80 Stundenkilometer schnell. Foto: Klaus-Peter Schillig

Das »Navi« warnt

Mit bis zu 400 Auslösungen pro Tag hat »Nico« im Januar an der Westumgehung (L 782) seine Arbeit aufgenommen. 6000 Verstöße wurden im ganzen Februar gemessen. Das habe sich seit März halbiert, berichtet Bernhard Riepe, Sachgebietsleiter im Straßenverkehrsamt. Zum Vergleich: die stationäre Radarmessstelle Sandforther Straße an der gleichen Landstraße löst an einem ganzen Wochenende zwischen 20 und 30 Mal aus.

70 bis 80 km/h

Die meisten Auto- oder Lkw-Fahrer, die geblitzt werden, sind zwischen 70 und 80 Stundenkilometer schnell. Das kostet bei Pkw mindestens 30 Euro. Wer nachts allerdings mit 150 km/h erwischt wird (auch dann ist »Nico« aktiv) und vorbelastet ist, kann 1600 Euro loswerden – und den Führerschein. »Wir freuen uns, dass die Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer sich regelkonform verhält«, sagt es Bernhard Riepe diplomatisch.

In beide Richtungen

Der Sachgebietsleiter rätselt noch, warum in Fahrtrichtung Gütersloh dreimal mehr Fahrer geblitzt werden als in der Gegenrichtung. »Vielleicht, weil es da bergab geht«, mutmaßt der Experte. Oder weil viele Verkehrsteilnehmer nicht glauben, dass »Nico«, auch quer über die Fahrbahn, also in beide Richtungen, misst. Oder funktionieren die Warntöne bei TomTom oder anderen Navigationsgeräten etwa bislang nur für eine Fahrspur?

Temposünder im Lkw

Lkw-Fahrer haben es offenbar immer eiliger. Sie sind unter den erwischten Tempo-Sündern jedenfalls durchweg mit einem Anteil von einem Drittel vertreten – was auch schon zu kleineren Unfällen geführt hat. Für die Männer oder Frauen am Steuer ein erhöhtes Risiko. Denn die Bußgelder sind bei vergleichbarer Überschreitung mehr als doppelt so hoch wie bei einem Pkw-Fahrer. Und es gibt schneller Punkte in Flensburg.

Lärmschutz

Direkt an der Westumgehung liegen auch Haller Wohngebiete, an der Arrode beispielsweise. Die Bezirksregierung hat deshalb zur Auflage gemacht, dass die provisorische Autobahnabfahrt Halle nur benutzt werden darf, wenn für Lärmschutz der Anlieger gesorgt wird. Deshalb wurde im Abschnitt zwischen A-33-Übergang und B 68 Tempo 50 verordnet. Weiterer Teil der Auflage ist die ständige Überwachung des Tempolimits.

Wenn die A33 fertig ist...

Schon Ende diesen Jahres, möglicherweise schon im November, soll die A-33-Lücke endgültig geschlossen werden. Die restlichen Bau- und Ausstattungsarbeiten sind in vollem Gange und gut in der Zeit. Dann kann man auch auf der Westumgehung wieder zu normalen Verhältnissen zurückkehren. Nämlich zu Tempo 70 (weil weniger Verkehr), zur Öffnung des Teilstücks bis zum Kreisverkehr. Auch »Nico« bekommt dann ein anderes Betätigungsfeld.

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