Ärger um angebliches Falschparken in Anliegerstraße Hartmanns Kamp
Stadt nimmt »Knöllchen« wieder zurück

Halle (WB). Die zunehmende Parkraumnot in Haller Wohngebieten wird an kaum einer Stelle so gut sichtbar wie an der Anliegerstraße Hartmanns Kamp. Jetzt hat es großen Ärger um »Knöllchen« gegeben, die die Stadt Halle an vorgebliche »Falschparker« dort verteilt hat. Nach Anfrage dieser Zeitung räumt die Stadt am Dienstagnachmittag ein: »Wir haben einen Fehler gemacht.«

Mittwoch, 05.06.2019, 06:03 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 06:30 Uhr
Hier muss man auf dem Gehweg parken. Alles andere wäre unsinnig und würde am Hartmanns Kamp kaum praktikabel sein. Darin sind sich die Anlieger Siegfried Schmitz, Dirk Holste, Lisa und Pascal Godt (v.l.) einig. Die Knöllchen haben auch sie überrascht. Foto: Stefan Küppers

Neue Politesse der Stadt ist unterwegs

Es war vor knapp zwei Wochen, da stattete die neue Politesse der Stadt Halle dem Hartmanns Kamp einen Besuch ab. Die Vorgängerin, die kürzlich in Ruhestand gegangen war, hatte sich dort dem Vernehmen nach seit Jahren nicht mehr blicken lassen. Anwohner Siegfried Schmitz kann sich noch gut erinnern, dass an dem Vormittag ein halbes Dutzend Strafzettel an Gehweg-Parker verteilt wurde. »Doch wo sollen die Leute sonst parken? Hier ist doch gar kein Platz«, sagt er. »Wenn abends nach Feierabend kontrolliert worden wäre, dann wären da noch mehr Fahrzeuge abgestellt gewesen«, weiß Nachbar Dirk Holste.

Kaum eigene Parkplätze auf Grundstücken vorgesehen

Das junge Ehepaar Lisa und Pascal Godt bewohnt eines der vielen Reihenhäuser in der Siedlung, für die kaum eigene Parkplätze auf den eigenen Grundstücken vorgesehen oder möglich sind. »Als die Siedlung 1958 gebaut wurde, hat doch keiner daran gedacht, dass heute fast jeder Haushalt ein bis zwei Autos hat«, sagt Lisa Godt. Sie kann sich noch gut daran erinnern, als Besucher von Nachbarn nicht auf dem vermeintlich verbotenen Gehweg, sondern auf der gegenüberliegenden Seite parkten und damit die Parkordnung an Hartmanns Kamp durcheinander brachten.

Straßenausbau wird diskutiert

Kommentar

Die Parksünder-Knöllchen am Hartmanns Kamp sind ein objektiver Fehler, den das Rathaus unumwunden einräumt, zugleich wird Besserung gelobt. Die prompte Reaktion von Fachbereichsleiterin Bresser ist ausdrücklich zu loben. Denn so kann auch bei Fehlern neues Vertrauen erwachsen.

Allerdings sollte sich die Stadtverwaltung bei der Gelegenheit ihre maschinellen Antwortschreiben mal vornehmen. Wenn dort zu lesen ist, dass eine Angelegenheit überprüft worden sei, obwohl dies augenscheinlich gar nicht der Fall war, dann sind solche Behördenschreiben das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Gestanzte Vordrucke sind das Gegenteil von gelebter Bürgerfreundlichkeit.

Stefan Küppers

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»Die Straße und die Grundstückszufahrten sind sehr eng. Es gibt daher kaum Parkmöglichkeiten auf den Grundstücken«, sagt Anwohner Paul-Gerhard Haselhorst. Er weist darauf hin, dass den Anwohner und Gästen ein Ausweichen auf den nahen Parkplatz am Berufskolleg verboten ist – »Privatparkplatz« ist dort vermerkt. Haselhorst fragt sich, wie die Stadt unter diesen Umständen den in wenigen Jahren geplanten Straßenausbau am Hartmanns Kamp angehen will.

Anwohner legen Widerspruch ein

Gegen die »Knöllchen« haben einzelne Anwohner Widerspruch eingelegt. Doch die erste maschinelle Antwort, die sie bekamen, war für sie enttäuschend. Die Ausführungen seien überprüft worden, heißt es in zwei Schreiben vom 28. Mai. Dennoch könne das Verwarnungsgeld unter Berücksichtigung der angegebenen Gründe nicht zurückgenommen werden, heißt es weiter. Die Benutzung der Gehwege zum Halten oder Parken sei generell unzulässig. Das Verwarnungsgeld in Höhe von 20 Euro möge bitte innerhalb einer Woche überwiesen werden.

Wir haben hier einen Fehler gemacht. Parken in einem verkehrsberuhigten Bereich ist auf Gehwegen erlaubt. Wir nehmen alle Verwarnungsgelder zurück und schreiben die Betroffenen direkt an.

Regina Bresser

Angesprochen vom WESTFALEN-BLATT haben Fachbereichsleiterin Regina Bresser und der neue Abteilungsleiter Benjamin Potthoff den Vorgang noch einmal überprüft. Am Ende steht eine Entschuldigung. »Wir haben hier einen Fehler gemacht. Parken in einem verkehrsberuhigten Bereich ist auf Gehwegen erlaubt. Wir nehmen alle Verwarnungsgelder zurück und schreiben die Betroffenen direkt an«, sagt Regina Bresser.

Markierungen sollen angebracht werden

Darüber hinaus kündigt die Fachbereichsleiterin an, dass in nächster Zeit Markierungen angebracht werden sollen, die das Parken auf den Gehwegen am Hartmanns Kamp ausdrücklich gestatten. Bresser: »Dieser Fehler von uns ist eine unglückliche Geschichte. Wir werden jetzt doppelt darauf achten, dass sich so etwas nicht wiederholt.« Generell werde die Stadt in Wohngebieten nur Knöllchen verteilen, wenn sich Anwohner beschwerten oder die Müllabfuhr nicht mehr durchkomme.

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