Biologen stellen Artensterben auch im Kreis Gütersloh fest
Kiebitz-Küken gibt es kaum noch

Halle (WB). Der Kuckuck ruft noch im Kreis Gütersloh. Aber von der Weidenmeise ist nichts mehr zu hören. Auch die Turteltaube mit ihrem schönen Gefieder ist komplett von der Bildfläche verschwunden. Wohl ein Opfer der intensiven Landwirtschaft – oder der Jagd im Mittelmeerraum. »Plötzlich sind Arten weg, ohne dass man es mitbekommt«, sagt Bernhard Walter.

Donnerstag, 09.05.2019, 05:00 Uhr
Immer weniger Kiebitze im Kreis Gütersloh: Die Feldvögel sind die Sorgenkinder der Ornithologen. Foto: Andreas Bader

Beim »Birdrace« der deutschen Ornithologen am Wochenende ist es den »Gütersloher Gimpeln« wieder nicht gelungen, die Wildtaube nachzuweisen. Die Langstreckenzieherin ist auf der Strecke geblieben. »Seit mindestens zehn Jahren haben wir sie nicht mehr gefunden«, bedauert der Leiter der Biostation Gütersloh/Bielefeld, dass die Wildtaube, das Symbol aller verliebten Paare, nicht mehr im Kreis Gütersloh vorkommt.

Es gibt Vielfalt, aber nur noch kleine Bestände

Die »Gimpel« (neben Bernhard Walter Frank Püchel-Wieling, Fritz Trillmich, Klaus Nottmeyer und Nayden Chakarov) haben bei ihrer Tour durch den Kreis immerhin 126 Arten gesehen oder gehört, darunter 58 Singvögel. »Das zeigt, dass es bei uns immer noch eine große Vielfalt gibt, aber von vielen Arten gibt es nur noch ganz kleine Bestände und extrem wenig Vorkommen«, weist der Ornithologe auf die Gefahr hin, dass ganze Tierarten quasi über Nacht in ihrem angestammten Lebensraum aussterben.

Feldvögel besonders bedroht

Gefährdet sind vor allem die Feldvögel. Der Wiesenpieper brütet hierzulande nur noch im Versmolder Bruch (und möglicherweise auf dem Gütersloher Flughafen). Die Heidelerche ist dem Team mittags in der Patthorst in Steinhagen begegnet. Dort haben die Fachleute auch den kleinen Bruder des Weißstorchs entdeckt: Der Schwarzstorch ist ein scheuer Bewohner alter, geschlossener Wälder mit Teichen und Bächen. »Möglicherweise ein verspäteter Jungvogel. In Lippe gibt es einige Brutpaare«, sagt Bernhard Walter.

Bemerkenswert für die »Gimpel« war jetzt auch »ein unerbittlich trommelnder Kleinspecht«, eine interessante Beobachtung gegen Abend. Seine Geschwister – Schwarzspecht, Grünspecht, Buntspecht – konnten im Tatenhausener Wald beobachtet werden. Nur der Mittelspecht hat sich weder hören noch blicken lassen. Die heimischen Eulen hingegen konnten schon morgens auf der Liste abgehakt werden. Eine Überraschung war das Schwarzkehlchen, ein seltener Singvogel aus der Gattung der Wiesenschmätzer. Bernhard Walter: »Offensichtlich gibt es auch eine gewisse Fluktuation, eine Veränderung im Artenspektrum. Die Turteltauben, die es früher in Hörste, Versmold und Rietberg gab, sind weg. Dafür gibt es jetzt hier Schwarzkehlchen.«

Moorente ist ein ungewöhnlicher Gast

Einen nicht alltäglichen Gast haben die »Gimpel« ebenso beobachtet wie die beiden anderen heimischen Teams, die in diesem Jahr am Birdrace teilgenommen haben: die Moorente. Die beiden »Roadrunner«-Teams mit Andreas Bader, Werner Landwehr und Marco Wiechert und Dario Allenstein, Gert Klages und Thomas Stoermann haben immerhin 113 Arten und 57 Singvögel im Kreis Gütersloh nachgewiesen. Rotmilane und Uferschnepfen in den Rietberger Wiesen, das Braunkehlchen in Hörste, zwei Waldkäuze auf der Habighorst und sogar eine singende Nachtigall am Steinhorster Becken gehörten zu den Highlights.

Aber bestürzt stellte der Haller Ornithologe Andreas Bader fest: »Erschreckend, dass wir auf unseren Touren durchs Kreisgebiet kaum Kiebitze und Feldlerchen gesehen haben. Eine Ausnahme bildet hier der Heideweiher in Steinhagen, der sich zu einem wahren Kleinod für die Vogelwelt entwickelt hat.«

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