Wie sich EU-Parlamentskandidatin Birgit Ernst bei der Haller Seniorenunion präsentiert
Lieber Emotionen statt Zahlen

Halle (WB). Mit dem Europawahlkampf will es CDU-Kandidatin Birgit Ernst ein bisschen so halten wie bei ihrer Bewerbungsrede auf dem Landeswahlparteitag ihrer Partei zum Jahresanfang. Die Diskussion über EU-Themen darf kein langweiliges Zahlengrab werden, es braucht mehr emotionale Befassung mit Europa.

Sonntag, 28.04.2019, 12:00 Uhr
Klaus Kuhlmann begrüßt EU-Parlamentskandidatin Birgit Ernst (CDU) bei der Haller Seniorenunion. Foto: Küppers

Unter diesem Leitgedanken hatte die Steuerberaterin aus Werther, die sich als Kandidaten-Nachfolgerin nach dem Rückzug von Europa-Instanz Elmar Brok von vielen Seiten eher skeptisch betrachtet sah, sich auf CDU-Delegiertenversammlung aufgrund der Umstände ziemlich spontan eine überzeugende Rede einfallen lassen müssen. Und siehe da: Die binnen weniger Minuten skizzierte Rede kam richtig gut an, sogar der Ministerpräsident klopfte ihr anerkennend auf die Schulter.

Der Brexit-»Wahnsinn« ist großes Thema

Ein wenig so ging es jetzt auch zu beim Besuch der Kandidatin bei der Seniorenunion in Halle. Die politisch sehr rührige Runde älterer Herren rund um ihren Vorsitzenden Klaus Kuhlmann wollte bei Kaffee und Kuchen im Café Beuken-Schmedt von Birgit Ernst »ein wenig mehr Durchblick in diesem europäischen Durcheinander« vermittelt bekommen. Und nach knapp zwei Stunden Diskussion hatten die Herren vor allem einen Eindruck gewonnen: Diese europapolitische Newcomerin ist erstaunlich tief selbst in komplizierten Brexit-Themen drin. Und die beruflich bedingte Fachfrau für Zahlen kann in Sachen EU auch emotional werden.

Ein paar Zahlen beim Thema Brexit hatte Birgit Ernst dennoch parat. Ein ungeregelter Brexit verursache allein in NRW Einkommensverluste von geschätzt zwei Milliarden Euro, auf Bundesebene seien es sogar 17 Milliarden. »Und wenn Großbritannien geht, ist das so, als wenn die 19 schwächsten der 27 EU-Länder alle auf einmal gemeinsam gingen.« Solche Aussagen verstärken die Sorgenfalten der Herren und schon ist man mitten drin in einer Diskussion über den britischen »Wahnsinn«, die vielen Lügen und die Unfähigkeit des britischen Parteiensystems, in einer wichtigen Frage einen Konsens herbeizuführen.

»Wir müssen die ideologischen Scheuklappen weglassen.«

Doch Birgit Ernst achtet erkennbar darauf, dass auch Positives zur Sprache kommt: »Wer hätte gedacht, dass sich 27 EU-Staaten jemals so einig wie beim Thema Brexit sein würden.« Und sie fordert dringend ein besseres politisches Marketing für die EU ein. Eine entschlossene Bildungs- und Sozialpolitik sind ihr wichtig. »Wir haben wenig Bodenschätze in Europa, wir müssen daher vor allem ins Humankapital investieren«, sagt sie. Und von der Diskussion über hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa kommt die Rede bald auf drohende Zuwanderungsströme aus Afrika.

»Wie wollen wir denen in Afrika sagen, wie sie es besser machen sollen, wenn es uns nicht mal mit der eigenen Jugendarbeitslosigkeit gelingt«, mahnt sie. Die Zukunft Afrikas hält Birgit Ernst aus europäischer Sicht für mindestens genauso wichtig wie zum Beispiel eine gemeinsame Verteidigungspolitik in der EU. »Wir müssen uns diesen Verantwortungen stellen«, appelliert sie. Als die Debatte schließlich auf Greta Thumberg und die Schülerdemonstrationen kommt, fällt die CDU-Kandidatin vor allem mit einem Satz auf: »Wir müssen die ideologischen Scheuklappen weglassen.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6568463?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Arabis Volltreffer
Samir Arabi stellte sich im ZDF-Sportstudio den Fragen von Moderatorin Dunja Hayali. Foto: Starke
Nachrichten-Ticker