Segmentswechsel: Insolventer Modekonzern hat künftig weniger Meldepflichten – Spekulanten treiben Aktienkurs nach oben Gerry Weber macht sich das Börsenleben leichter

Halle/Frankfurt (WB). Der insolvente Haller Modekonzern Gerry Weber (Marken Gerry Weber, Taifun, Samoon und Hallhuber) wechselt zum 25. Juli 2019 das Börsensegment – und wird nun wunschgemäß vom Primestandard in den General Standard zurückgestuft. Damit hat die Frankfurter Wertpapierbörse einen entsprechenden Antrag von Gerry Weber vom 1. April jetzt genehmigt.

Von Paul Edgar Fels
Kursverlauf der Gerry-Weber-Aktie: Gestern gab es ein Plus von 30 Prozent, zwischendurch waren es 50 Prozent.
Kursverlauf der Gerry-Weber-Aktie: Gestern gab es ein Plus von 30 Prozent, zwischendurch waren es 50 Prozent. Foto: Oliver Schwabe

Mit dem Segmentswechsel sind für das Unternehmen weniger aufwändige börsenrechtliche Anforderungen verbunden. So seien etwa künftig nur noch alle sechs statt wie bisher alle drei Monate Finanzberichte unter anderem zu Umsatz und Gewinn erforderlich. Zudem reicht die Abfassung des Berichts in deutscher Sprache. »Das vereinfacht uns das Börsenleben«, sagte ein Sprecher der Gerry Weber AG gestern. Im Klartext: Der Konzern, der sich gerade in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befindet und auf Investorensuche ist, hat auch weniger Kosten.

Höchste Transparenzanforderungen

Nach Angaben der Deutschen Börse erfüllen Unternehmen im Prime Standard europaweit die höchsten Transparenzanforderungen. Damit würden sie sich auch bei internationalen Investoren positionieren, heißt es. Die Aufnahme in die Indizes Dax, MDax, TecDax und SDax sei nur Unternehmen des Prime Standard vorbehalten. Aus OWL gehören etwa der Modekonzern Ahlers (Herford), der Geld- und Kassenautomatenhersteller Diebold Nixdorf (Werk in Paderborn) und der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori (Bielefeld) dem Prime Standard an.

Für Gerry-Weber-Aktionäre hat der Segmentswechsel somit lediglich indirekt Auswirkungen. Derweil wird an der Börse mit den Papieren des Haller Modekonzerns weiter heftig spekuliert. Gestern schossen die Aktien zeitweise um etwa 50 Prozent auf mehr als 0,50 Euro in die Höhe, am Vortag hatte es ein Minus von 20 Prozent gegeben. Noch vor einem Monat gab es mit 0,23 Euro ein 52-Wochen-Tief. Das 52-Wochen-Hoch von knapp acht Euro liegt ein Jahr zurück.

D erweil hat die Erbengemeinschaft Hardieck – neben Firmengründer Gerhard Weber noch einer der Hauptaktionäre des Modeherstellers – bereits am Vortag in zwei Tranchen Aktien für rund 42.000 Euro verkauft. Gerhard Weber hielt (direkt und indirekt) zuletzt 29,6 Prozent am Konzern, die Erbengemeinschaft Hardieck 17,5 Prozent. Mehr als die Hälfte der Aktien sind demnach im Besitz von Kleinaktionären.

Daneben verkaufen die Inhaberfamilien Weber/Hardieck in unterschiedlichen Rechtskonstellationen weiter Immobilien am Stammsitz in Halle. Drei Wohn- und Geschäftshäuser sowie ein Hotel wurden bereits veräußert, für eine fünfte Immobilie wird noch ein neuer Besitzer gesucht – insgesamt beläuft sich der Wert auf rund drei Millionen Euro.

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