»Friday for Future«-Kundgebung am Haller Rathaus erstmals am Nachmittag
Bürgermeisterin spontan ans Mikro geholt

Halle (WB). »Die Ampel steht auf Rot, aber Ihr gebt Vollgas!« 60 Schüler haben sich am Freitag bei der »Friday for Future«-Kundgebung am Haller Rathaus in Sachen Klimaschutz lautstark zu Wort gemeldet. Mit viel Lärm und pfeifend sind sie erneut durch die Stadt gezogen – erstmals am Nachmittag. »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut«.

Samstag, 06.04.2019, 11:00 Uhr
Zur »Friday for Future«-Kundgebung haben sich Schüler vom KGH und anderen Haller Schulen an diesem Freitag am Rathaus getroffen. Tobias Rüter (mit Megaphon) hat gesprochen, Rhea Walwei (Bildmitte) die Teilnehmer begrüßt.                Foto: Klaudia Genuit Thiessen

Der Protest – organisiert über Instagram und eine offizielle WhatsApp-Gruppe – war schulübergreifend. »Und wir sind auch in gutem Gespräch mit der Schule«, wie KGH-Schülerin Maria Wöstmann (18) im Hinblick auf die Kritik in Sachen Protest zur Schulzeit sagte. Gemeinsam mit Mitorganisatorin Rhea Walwei (17) begrüßte sie die Teilnehmer. Hatten die Schüler bei ihrer ersten Spontan-Demo Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann im Rathaus überrascht, so hatte sich diese jetzt sogar nach Feierabend im Rathaus eingefunden – obwohl sie nur zufällig von dem Termin erfahren hatte. »Ich finde es toll, dass sich junge Leute wieder zu Wort melden, nachdem es lange eine Zeit gab, in der man das Gefühl hatte, sie sind gar nicht da«, sagte Anne Wesselmann, die sich unerwartet in der Rednerrolle wiederfand. In der Stadt schwinge das Thema Klimaschutz bei vielen Entscheidungen mit: beim Umbau der Straßenbeleuchtung, dem Kauf von E-Autos und der Frage, ob man die Grundschule Gartnisch neu baue. Anne Wesselmann: »Das alte Gebäude ist energetisch eine Katastrophe«. Zum Thema Alleestraße meldeten sich Schüler zu Wort und fragten nach bei Tempolimit und Fahrradfreundlichkeit.

»Technik muss nur verwendet werden«

»CO2 hält sich nicht an Ländergrenzen. Wir müssen der Politik klar machen, warum es uns geht!«, hielt Manuel Michael-Valdez (17) aus Bielefeld persönliche Einflussmöglichkeiten für äußerst begrenzt. Nach dem Schüler vom Max-Planck-Gymnasium sprach Tobias Rüter (18) aus Halle allerdings ganz praktisch technische Lösungsmöglichkeiten für einige Probleme auf. Um die Klimaschutzziele zu erreichen könne man virtuelle Kraftwerke installieren, Strom dezentral erzeugen, Speicher bauen, um Spitzenlastzeiten abzufedern und Wasserstoff als Energieträger nutzen. Tobias Rüter: »Die Technik haben wir schon. Sie muss nur verwendet und subventioniert werden.«

Unter die Zaungäste hatten sich auch Ratsmitglieder gemischt sowie Eltern der Teilnehmer. Wachleiter Jan Bobe, der die Demo mit Kollegen begleitete, freute sich, dass die Organisatorinnen im Vorfeld ein Kooperationsgespräch mit ihm geführt hatten. Bobe: »Es ist toll, dass hier eine Generation heranwächst, die Grundrechte wie das Versammlungsrecht und das Verfassungsrecht ernsthaft und gekonnt wahrnimmt.«

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