Sachverständiger kontrolliert Baum am Beckmanns Hof – Schweizer Pilze als Bio-Waffe
Eiche trotzt Zugversuch

Halle (WB). Mit fast 300 Jahren ist die Eiche am Beckmanns Hof einer der ältesten Bäume in Halle. Weil der mächtige Stamm am Fuß vom Pilz befallen ist und möglicherweise nicht mehr standsicher, war sie schon in Gefahr, gefällt zu werden. Doch der Baum trotzt den Stürmen: Jetzt hat er erneut tonnenschweren Zugversuchen standgehalten. Darum will man den Pilz im Wurzelbereich biologisch bekämpfen.

Freitag, 05.04.2019, 03:00 Uhr
Hartmut Achterberg aus Werther ist als öffentlich bestellter Sachverständiger für die Frage zuständig, ob die stattliche Eiche am Beckmanns Hof noch verkehrssicher ist. Am Fuß des mächtigen Stammes haben Pilze ihr Werk verrichtet. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Totgesagte leben länger. Das scheint auch für Bäume mit faulen und morschen Stellen zu gelten. Schon vor Jahren ist die Eiche von der Liste der Haller Naturdenkmale geflogen – obwohl sie in etwa einem Meter Höhe einen Umfang von fast fünf Metern aufweist.

Und man hat sicherheitshalber ihre ausladende Krone heftig zurückgeschnitten, damit der Wind weniger Angriffsfläche hat. Als öffentlich vereidigter Sachverständiger hat Baum-Experte Hartmut Achterberg vom Forstbüro in Werther, der altem Holz mit Schalltomographen und Spezial-Messsystemen zu Leibe rückt, vor vier Jahren einen ersten Zugversuch unternommen.

Nützlinge vertilgen schädliche Pilze

Jetzt überprüfte er mit seinem Kollegen Jörg Schröder erneut die Verkehrssicherheit des Methusalems unter den Haller Bäumen, eine Aktion, die sich die Stadt etwa 1000 Euro kosten lässt. Da staunten die Zuschauer: Umweltbeauftragter Stephan Borghoff, Michael Opalinski, Baum-Experte vom Haller Bauhof, und sein Kollege Stefan Linnert sowie die Umweltwissenschaftlerin Dr. Nadine Brinkmann waren Zaungäste.

Mit Hilfe von Lkw und Seilwinde wurde der Baum, an dem die Experten zuvor Neigungsmesser befestigt hatten, mit anderthalb Tonnen Zugkraft in zwei Richtungen gezogen. Er bewegte sich nur im Mikrometer-Bereich. Stephan Borghoff: »Er ist vermutlich vitaler, als man befürchten muss.« Michael Opalinski: »Das bestätigt auch das Knospenbild«.

Der Fachmann vom Bauhof war bei einem Verkehrssicherungs-Fachseminar auf einen spannenden wissenschaftlichen Ansatz aufmerksam geworden und hat daraufhin die Kontakte zu Dr. Brinkmann von der Schweizer Firma Myco Solutions geknüpft. Denn der Fuß der Haller Eiche ist vom Leberpilz (Fistulina hepatica) sowie vom Honiggelben Hallimasch (Armellaria mellea) befallen. Das Unternehmen aus St. Gallen stellt einen nützlichen Pilz her. Trichoderma harazianum geht mit den Bäumen eine Symbiose ein und soll die Schädlinge zumindest in Schach halten, indem er den Standort verbessert. Das pilzhaltige Gel wird passgenau für die Haller Eiche angerührt und viermal jährlich im Wurzelbereich vergossen: eine Bio-Waffe.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6519156?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Vergewaltigung im Krankenhaus: Anzeige gegen Chefarzt
Eine der vergewaltigten Frauen fand eine Flasche eines Narkosemittels in ihrem Bett und machte ein Foto davon. Foto: Christian Althoff
Nachrichten-Ticker