Hegering kauft zweite Drohne mit Wärmebildkamera – Politiker unterstützen Tierschutz
Alle wollen Bambi retten

Halle (WB). Bei Bambi streckt auch die Politik die Waffen: Für die Rettung von Rehkitz & Co. will der Haller Umweltausschuss bis zu 12.000 Euro locker machen. Das Geld soll dem Hegering Halle, dem Zusammenschluss der heimischen Jäger, dabei helfen, eine weitere Drohne mit Wärmebildkamera zu finanzieren. Damit kann nämlich so manchem Wildtier der Tod durch den Mähbalken erspart bleiben.

Freitag, 08.03.2019, 05:00 Uhr
Ein Rehkitz im Feld duckt sich und wartet instinktiv ab. Darum werden viele Jungtiere Opfer von Mähdreschern. Das soll sich ändern. Foto: dpa

Wenn Äcker gemäht werden, sterben immer wieder Rehkitze, aber auch junge Feldhasen, Fasane und andere Vögel. Sehr junge Kitze flüchten nicht vor Gefahr, sondern drücken sich instinktiv tief in ihr Lager, unbeweglich abwartend. Darum informieren Landwirte immer schon die Jagdpächter, die das entsprechende Areal im Vorfeld mit Hunden absuchen. Wild flüchtet dann. Nur die Rehkitze, die noch keine Witterung haben, werden nicht aufgespürt – und laufen Gefahr, zerhäckselt zu werden.

Naturschutz-Aufgabe unter Zeitdruck

»Also muss man mit sehr viel Leuten durch ein Feld gehen, um die Jungtiere zu finden«, sagte Thomas Scholz. Als Vorstandsmitglied des Hegerings begründete er im Ausschuss den Antrag der Jäger, denen immer nur eine knappe Zeitspanne für ihre Naturschutz-Aufgabe bleibt. Ein Nebeneffekt: Weil keine Kadaver im Feld verwesen, wird gleichzeitig Nutzvieh vor Botulismus und anderen Krankheiten geschützt.

Vor zwei Jahren hat der Hegering mit einigem Aufwand und Sponsorengeldern den Kauf einer Super-Drohne finanziert – noch im Mai und damit mit knapper Not noch vor der Saison. Ein durchschlagender Erfolg: Allein in Halle haben die Jäger mehr als 40 Kitze aus den Feldern geholt und einem Landwirt geholfen, ein Rind aus einem Maisfeld zu retten. Allerdings ist es eine Aufgabe, die aus mehreren Gründen unter Zeitdruck bewältigt werden muss. Scholz: »Wir haben nur sehr wenig Zeit, wenn die Kitze gesetzt sind. Einer fliegt die Drohne mit der Wärmebildkamera, aber wir brauchen vier oder fünf Leute, sonst macht das keinen Sinn. Und wir können auch nicht überall gleichzeitig sein«.

Kein Hund findet die ganz jungen Tiere

Zehn bis zwölf Leute dürfen die Drohne inzwischen fliegen. Doch jedes Team muss diese Aufgabe wegen schnell steigender Temperaturen sehr, sehr früh angehen: Um sieben oder acht Uhr morgens ist es womöglich schon zu warm. »Ein Maulwurfshaufen hat in der Sonne schnell 30 oder 35 Grad«, macht Scholz klar, dass die Wärmebildkamera auch Grenzen hat.

»Das ist ein wichtiges Tierschutzprojekt, das ans Herz geht«, fasste Ausschussvorsitzender Dieter Jung (die Grünen) die einhellige Meinung zusammen. »Rehkitze in den ersten acht Tagen findet kein Hund«, unterstrich auch Reinhard Schacht (CDU), während Johannes von Morsey-Picard (CDU) klar stellte, dass es trotz allem technischen Fortschritt und Schutzvorrichtungen bisher keine andere Lösung gebe zur Kitzrettung. Darum habe sich der Landwirtschaftliche Ortsverband bereits bei der Finanzierung der ersten Drohne beteiligt.

Jäger müssen berichten

Angesichts der Tatsache, dass die Stadt auch bei Sportvereinen nie eine hundertprozentige Förderung übernimmt, fragte SPD-Fraktionschef Wolfgang Bölling, ob das Thema vielleicht eine Frage von Wirtschaftsförderung sei. Er erklärte aber, die SPD werde bei dieser »emotionalen Sache zustimmen«. »Mit 12.000 Euro kommen wir ohnehin nicht aus«, stellte Thomas Scholz klar, dass die Jäger selbst noch einiges an Ausrüstung finanzieren müssen. Während Dr. Ute Müller (CDU) einen Beschluss bis zum Hauptausschuss zurückstellen wollte, riet Fachbereichsleiter Jürgen Keil zur sofortigen Entscheidung. Allerdings soll der Zuschuss gekoppelt werden mit einer Informationspflicht: Die Politiker wollen weitere Erfolgsmeldungen.

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