Ablehnende Vorlage: Schlossherr von Tatenhausen beklagt »Entmündigung des Bürgers«
Nein zum Begräbniswald empfohlen

Halle (WB). Als CDU-Ratsmitglied kann Benedikt Teuffel Freiherr von Birkensee eine Verwaltungsvorlage lesen. Und die für den nächsten Haupt- und Finanzausschuss ist eindeutig: Sein Begräbniswald in Tatenhausen soll begraben werden. Teuffel ist schwer enttäuscht.

Dienstag, 05.03.2019, 07:00 Uhr
Auf ener Fläche von insgesamt 15 Hektar will Benedikt Freiherr Teuffel von Birkensee einen Begräbniswald in Tatenhausen einrichten. Foto: Klaus-Peter Schillig

Direkt im Anschluss an eine Sitzung des gemeinsamen Friedhofsausschusses von Stadt und den beiden großen Kirchengemeinden im Februar hatte sich die Bürgermeisterin mit Verweis auf eine vereinbarte Vertraulichkeit nicht öffentlich äußern wollen (WB vom 20. Februar). Jetzt liegt ein Beschlussvorschlag für die Sitzung des Haupt- und Finanzschusses (13. März, 17.15 Uhr im Schulzentrum Masch) auf dem Tisch: »Den vorliegenden Stellungnahmen sowie den kommunalen Bedenken folgend wird der Antrag auf Einrichtung eines Begräbniswaldes im Tatenhauser Forst abgelehnt.« Im Friedhofsausschuss war die Ablehnung des Projektes mit 9:1 ergangen, nur eine CDU-Vertreterin befürwortete das Projekt.

Auch beide großen Kirchengemeinden äußern sich ablehnend

Ablehnend äußern sich nicht nur die evangelische und die katholische Kirchengemeinde. Auch aus kommunaler Sicht sei ein Begräbniswald in Tatenhausen kritisch zu sehen, heißt es in der Vorlage. Zum einen könne durch den Begräbniswald eine Konkurrenzsituation zu den nahen Kommunalfriedhöfen in Kölkebeck und Hörste entstehen. Auch schon ein nur geringer Rückgang der Bestattungszahlen werden gegebenenfalls zu einem deutlichen Anstieg der Bestattungsgebühren führen, argumentiert die Verwaltung.

Zum anderen seien rückläufige Bestattungszahlen auf den Friedhöfen der ev. Kirchengemeinde Halle zu befürchten. »Sollten die Friedhöfe nicht mehr kostendeckend betrieben werden können, droht eine vertraglich vorgesehene Kostenübernahmeverpflichtung durch die Stadt oder gar eine Aufgabe der Trägerschaft durch die ev. Kirchengemeinde«, heißt es in der Vorlage. In dem Falle würde die Trägerschaft auf die Stadt Halle übergehen, da die Kommune im Rahmen der Daseinsvorsorge verpflichtet sei zu gewährleisten, dass Tote auf einem Friedhof bestattet und ihre Aschenreste beigesetzt werden können.

Schlossherr erlebt ausschließlich positive Rückmeldungen von Bürgern

Benedikt Freiherr Teuffel von Birkensee zeigte sich am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung sehr betrübt über die Weichenstellung in der Vorlage. Insbesondere weil nach seinen Worten ihn in den vergangenen Wochen viele Anrufe zum Projekt Begräbniswald erreicht hätten. »Egal, wer es war, es gab ausschließlich positive Anrufe. Viele wollen unbedingt in Tatenhausen beerdigt werden«, sagt er. Wie berichtet, plant der Baron in einem 15 Hektar großen Begräbniswald Urnenbegräbnisse unter Bäumen zu ermöglichen. Die Einnahmen wolle er zum Erhalt des Schlosses nutzen.

Eben weil der Wunsch nach dieser besonderer Bestattungsform in der Bevölkerung so verbreitet und zudem die Präsenzpflicht (Beerdigung im Wohnort) abgeschafft sei, empfindet Teuffel die strikte Ablehnung in Halle als »Entmündigung des Bürgers«. Nur in Herzebrock gebe es einen Begräbniswald im Kreisgebiet, aber nicht im Altkreis Halle, beklagt er. Erst kürzlich war auch in Werther das vom Bürger Willi Rose angestoßene Projekt eines Friedwaldes von der dortigen Stadtverwaltung faktisch zu den Akten gelegt worden.

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