Kommentar zur Anmeldeentwicklung an der Gesamtschule Halle
Was für ein Elternvotum!

Erinnern Sie sich noch? Vor wenigen Jahren, als der große Streit um die Gründung der Haller Gesamtschule auf seinen Höhepunkt zutrieb, als die umstrittene Schulgenehmigung der Bezirksregierung von Werther, Borgholzhausen, Steinhagen und dem Kreis beklagt wurde, war es eine politische Parole, die mantraähnlich vorgetragen wurde. Es gilt: 1. der Elternwille, 2. der Elternwille, 3. der Elternwille.

Sonntag, 03.03.2019, 11:53 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 12:14 Uhr
Blick auf die Gesamtschule Halle, die in diesem Jahr zum wiederholten Male schlechte Anmeldezahlen aufweist. Foto: Ulrich Fälker

Nun, was Eltern wirklich wollen, das kann man gut an Schulanmeldungen ablesen. Und deren Ergebnisse waren, was die Gesamtschule Halle betrifft, schon in den vergangenen Jahren eher ernüchternd bis besorgniserregend. In diesem Jahr aber muss man die bislang nur 81 Anmeldungen für Klasse 5 als schrilles Alarmsignal verstehen. Es ist höchste Zeit, dass sich nach einer langen Phase fortwährender Beschwichtigung diejenigen in SPD, Grünen und UWG, die die Schule gegen alle Widerstände durchgesetzt haben, unangenehme Wahrheiten eingestehen.

Schulplaner liegt mit seinen Anmeldeprognosen weit daneben

Erstens: Die von dem famosen Schulplaner Dr. Rösner 2013 aufgestellten Anmeldeprognosen, die ja Grundlage der Schulgenehmigung waren, sind nicht annähernd eingetroffen. Für dieses Jahr hatte Rösner beispielsweise 124 Anmeldungen prognostiziert. Tatsächlich sind es besagte 81 geworden. Das reicht nicht einmal mehr für eine Vierzügigkeit.

Zweitens: Die Realschule in Steinhagen, jener Schultyp also, der in Halle angeblich keine Zukunft mehr hatte, freut sich über beste Anmeldezahlen in Serie. Und fast ein Drittel der 100 neuen Fünftklässler dort kommt aus Halle. Waren es 2018 noch 25 Kinder, sind es im kleineren Jahrgang 2019 sogar 31 Haller Kinder, deren Eltern eine Realschule der wohnortnahen Gesamtschule vorziehen. Erinnert sei zudem an den massiven Elternwunsch vor Jahresfrist nach dem Bau einer evangelikalen Georg-Müller-Realschule, der von der Ratsmehrheit trickreich abgewehrt wurde.

In der Summe gehen der Gesamtschule Halle in einem Jahr 40 Kinder verloren

Drittens: Mit den neun Kindern, die an der PAB-Gesamtschule angemeldet wurden (die Stadt hat sich beim Kreis über deren regelwidrige Aufnahme beklagt), gehen der teuer ausgestatteten Haller Gesamtschule in der Summe 40 Kinder verloren. Was für ein Elternvotum!

Die Gesamtschule kämpft mit für sie problematischen Rahmenbedingungen (Konkurrenz durch G9 an Gymnasien, reduzierte Lehrerausstattung, kaum adäquat abgefederte Lasten durch Inklusion). In Halle kommt das Problem hinzu, dass die Gesamtschule aus einem relativ kleinem Schülerreservoir eine dritte Oberstufe am Standort entwickeln soll. Wie das in Kooperation mit dem KGH und gegen starke Konkurrenz vom Berufskolleg erfolgreich gelingen soll, ist völlig schleierhaft.

Es gibt also unter schwierigen Bedingungen die riesige Aufgabe eine akzeptierte Schule in Halle zu etablieren. Diejenigen (auch die bei der Bezirksregierung), die mit ihren damaligen Entscheidungen die heutigen Probleme mit eingebrockt haben, stehen in besonderer Verantwortung und Bringschuld. Und sie sollten allesamt mal genauer hinhören, was Eltern eigentlich wirklich wollen.

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