Gerry Weber: Investor gibt 10 Millionen für Tochter – Übernahme im Mai? Käufer für Hallhuber gefunden

Halle (WB). Der um seine Zukunft kämpfende Modekonzern Gerry Weber sieht große Fortschritte bei der Sanierung. Das Haller Unternehmen zahlt dafür aber einen hohen Preis. Die einst als Hoffnungsträger und wachstumsstark geltende Tochter Hallhuber wird vermutlich größtenteils verkauft. Ein Investor stellt zehn Millionen Euro für die Münchner Modekette zur Verfügung – und erhält dafür eine Kaufoption.

Von Oliver Horst

Beim Geldgeber soll es sich um die auf Hochrisiko-Anlagen spezialisierte Investmentgesellschaft Robus Capital mit Sitz in Frankfurt und London handeln . Das Unternehmen wollte dies am Freitag nicht kommentieren. Im Frühjahr 2018 hatte Robus das operative Geschäft des insolventen Erotikhändlers Beate Uhse AG durch Gründung einer neuen Gesellschaft »Be you GmbH« gerettet.

Robus soll in den vergangenen Monaten von Gerry-Weber-Gläubigern Schuldscheine mit bis zu 80 Prozent Nachlass angekauft haben. In den gescheiterten Verhandlungen um ein langfristiges Finanzierungskonzept, was zur Insolvenz in Eigenverwaltung des Modekonzerns führte, soll sich Robus konstruktiv gezeigt haben.

Im Gegenzug für die Finanzspritze erhält der Investor eine Kaufoption für Hallhuber

Fakt ist, dass Hallhuber jetzt das akut benötigte Geld erhält . Bei der erst 2015 von Gerry Weber im Branchenhoch für 104,1 Millionen Euro von einem Finanzinvestor übernommenen Tochter hat sich eine Finanzlücke aufgetan. Zwei Banken sollen Kreditlinien gekürzt haben. Es drohte die Insolvenz. »Die Lösung für Hallhuber ermöglicht es, den Geschäftsbetrieb dort fortsetzen zu können«, erklärte Restrukturierungsvorstand Florian Frank. Die Brückenfinanzierung stelle dies bis »auf Weiteres« sicher. »Die vereinbarte Transaktion ist ein wesentlicher Schritt zur operativen und finanziellen Sanierung der Gerry-Weber-Gruppe«, hieß es am Freitag.

Im Gegenzug für die Finanzspritze erhält der Investor eine Kaufoption für Hallhuber. Er kann diese Option ziehen, sobald verschiedene Bedingungen – voraussichtlich im Mai – erfüllt sind. Gerry Weber hätte dann die Wahl, mit 14 Prozent an Hallhuber beteiligt zu bleiben oder mit 12 Prozent und zusätzlich 500.000 Euro zu erhalten. Als Minderheitsgesellschafter bliebe die enge Zusammenarbeit mit Hallhuber etwa bei Einkauf und Logistik möglich.

Schließung von bis zu 230 der konzernweit 1200 Filialen

Der Investor erwirbt zudem für rund eine Million Euro Forderungen des Konzerns gegen Hallhuber, die im Fall einer Insolvenz der Tochter praktisch wertlos wären. Angeblich soll es um Forderungen in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gehen. Auch ein Teil der hohen Schulden des Konzerns liegen bei der Tochter, die seit Jahren Millionenverluste einfährt.

Bei Gerry Weber gilt der Fokus nun der Umsetzung des Sanierungsplans mit der Schließung von bis zu 230 der konzernweit 1200 Filialen und dem Abbau von bis zu 900 der 6500 Stellen. Die Schritte könnten durch die Insolvenz in Eigenverwaltung nun konsequent und zügig vollzogen werden. Der als Vertreter der Gläubiger eingesetzte vorläufige Sachwalter Stefan Meyer (Lübbecke) erklärte: »Die Geschäftsführung hat in der Umsetzung des Sanierungskonzepts in kurzer Zeit bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht.«

Weiteres Mitglied des Aufsichtsrates verkauf Aktien

Er sei »optimistisch, dass wir schnell zu einer guten und belastbaren Lösung für das Unternehmen kommen werden«. Dazu passt, dass die Geschäfte gut laufen sollen. Vorstandschef Johannes Ehling spricht zudem von »sehr viel Rückhalt und Unterstützung aus dem Markt«.

Derweil hat nach Ralf Weber auch Alexander Hardieck (36) Aktien verkauft. Hardieck – ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates und der Gründerfamilien – erlöste für rund 21.000 Anteile 11.030 Euro.

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