KGH-Schülerinnen improvisieren für Chemie-Wettbewerb – Trio erhält »Fuel-Cell-Box«
Nachwuchsforscher ohne Labor

Halle (WB). Ein Jahr nach dem Brand fehlt es im Chemieraum des Kreisgymnasiums Halle noch immer an allen Ecken. Erst wenn übernächste Woche das Mobiliar geliefert wird, gibt es wieder Platz für Reagenzgläser, Messgeräte, Säuren, Laugen, Salze. Und damit endlich wieder Experimente. Trotz aller Widrigkeiten nimmt ein Schul-Team jetzt am Wettbewerb »Jugend forscht« teil. Ein anderes ist erfolgreich bei einem Wettbewerb auf Landesebene.

Freitag, 08.02.2019, 05:00 Uhr

Die Chemie am KGH stimmt. »Untersuchungen an einer Redox-Flow-Batterie« lautet der etwas sperrige Titel, mit dem zwei Schülerinnen von Chemielehrer Ansgar Jaschke (34) am Samstag, 16. Februar, in Herford an den Start gehen. Lucia Ubeda (16) aus Halle und Svenja Droste (17) aus Versmold haben für ihre Facharbeit in der Q1 ein Thema wieder aufgegriffen, mit dem sie auf frühere Forschungen aufbauen. »Über Elektrochemie haben wir seitdem noch einiges gelernt«, sagt Svenja.

Batterie soll möglichst effizient sein

Gemeinsam mit Mitschülerin Lucia untersucht sie, ob bei einer Flüssigbatterie Gallussäure womöglich eine umweltfreundliche Alternative darstellen kann zum gängigen Kupfersulfat. Gallussäure ist ein pflanzlicher Stoff, der unter anderem in grünem Tee vorkommt. »Kupfersulfat ist ein Schwermetall und damit umweltschädlich«, sagt die Schülerin.

Normalerweise bestehen Redox-Flow-Batterien aus zwei Vanadium-Halbzellen, einem in größeren Mengen schwer zu beschaffenden und recht teurem Stoff. Als Ersatz dafür haben die Schülerinnen das sehr verlässliche Kupfersulfat gewählt. Nach verschiedenen Messungen haben sie die Bedingungen verändert, um das Potential des Stoffes zu verbessern. Wie verhält er sich, wenn er heruntergekühlt oder aber erhitzt wird? Wie konzentriert sollte die Säure sein? Und wie steht es mit dem ph-Wert? »Wir suchen nach den besten Bedingungen, um die Batterie möglichst effizient zu machen«, erklärt Lucia, die in ihrer Freizeit übrigens in der B-Jugend des SC Halle Fußball spielt.

»Batterieforschung an sich sind sehr populär. Aber wir haben uns ein relativ spezielles Thema für den Wettbewerb ausgesucht«, erläutert Ansgar Jaschke, dass seine Schülerinnen Terra incognita betreten. Redox-Flow-Batterien seien zwar nicht geeignet für die Anwendung in Autos, aber sie können in großen Tanks überschüssig erzeugte Solar- oder Windenergie speichern. »Die Batterie entlädt sich in nur ganz geringem Maße«, weiß Svenja, eine passionierte Reiterin.

Das chemiebegeisterte Duo hat ziemlich viel improvisieren müssen. In den fünf Wochenstunden im Chemie-LK ebenso wie nach dem Unterricht. Ein richtiges Labor fehlt eben.

Landesweit unter den besten 20 Teams

Das gilt auch für den Unterricht bei Chemielehrerin Stephanie Eipper. Dennoch hat ein Trio aus der Jahrgangsstufe 9 erfolgreich die erste Hürde in einem »Fuel-Cell-Box«-Wettbewerb genommen. Am 12. März bekommen Jan-Paul Cwielong, David Walkenhorst und Konstantin Köchling, die in dem Brennstoffzellenwettbewerb der Energie-Agentur NRW zu den landesweit besten 20 Teams gehören, in Düsseldorf eine Box, um weiter zu forschen. Stephanie Eipper: »Es geht unter anderem um die Frage, wie eine urbane Seilbahn möglichst emissionsfrei zu betreiben ist – eigentlich ein spannendes Oberstufenthema.«

Glücklicherweise sind die bisher erforderlichen Experimente so ungefährlich, dass die Jungs sie auch zu Hause durchführen konnten. »Und jetzt sehen wir endlich Licht am Ende des Tunnels«, sagt Schulleiter Markus Spindler. Das erforderliche Equipment für die Chemie sei für Anfang März zugesagt. Spindler: »Dann können wir endlich wieder vollwertigen Chemieunterricht erteilen. Das ist für unser MINT-Konzept unbedingt notwendig.«

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