Joachim Scholz sucht neue Bleibe für schönen Hahn
Ottos Kikeriki ist zu laut

Halle (WB). Leuchtend roter Kamm, goldene Halskrause und silbrige Schwanzfedern: Otto ist so schön, dass er glatt als eitler Gockel durchgehen könnte. Tut er aber nicht. Otto kennt nämlich seine Aufgabe als Hahn im Korb: Er scharwenzelt den ganzen Tag um drei Hennen herum. Und steckt mit seinem Krähen sein Revier ab. Das ist das Problem: Ottos Kikeriki ist zu laut für das Wohngebiet.

Mittwoch, 06.02.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 13:42 Uhr
Der schöne Otto hat sich zum Stolz des kleinen Hühnerhofes entwickelt und passt bestens auf seine Hühner auf. Leider ist sein Krähen für die Nachbarschaft Am Laibach zu laut. Joachim Scholz sucht deshalb eine neue Bleibe für den Hahn. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Besitzer Joachim Scholz (66) hört das nicht selbst. Aber einige Nachbarn haben sich schriftlich an ihn gewendet. Der schöne Otto hält sich nämlich nicht an die Nachtruhe in der Siedlung Am Laibach in Halle. »Manchmal soll er schon um ein Uhr krähen oder um drei Uhr morgens. Dass man sich dadurch gestört fühlen kann, das kann ich nachvollziehen«, sagt der frühere Leiter des Schul- und Sportamtes der Gemeinde Steinhagen verständnisvoll. Seit einigen Wochen sucht er deshalb eine neue Bleibe für den Stolz des kleinen Hühnervolkes – gern in einer ländlichen Umgebung.

Zwei Glucken saßen dumm auf dem Nest

Joachim Scholz und seine Frau Ina Sausel halten erst seit vergangenem Jahr selbst Hühner. »Ihr leises Gurren ist so beruhigend. Und dann gibt es auch immer etwas zu schauen und zu beobachten. Sie sind so emsig«, sagt der Haller, der sich eigentlich nie einen Hahn zulegen wollte.

Drei schöne Hennen hatte er sich deshalb ausgesucht. Und wie bestellt haben sie auch sofort Eier gelegt. »Dann haben zwei von ihnen angefangen zu glucken und saßen wochenlang nur noch ganz dumm auf ihrem Nest«, berichtet Joachim Scholz, dass brütende Hennen den Eindruck vermitteln, sie wollten ganz für sich allein sein. Weil er ohnehin daran dachte, den kleinen Bestand zu vergrößern, legte er den Damen versuchsweise befruchtete Eier unter.

Nebenbuhler ist im Kochtopf gelandet

Aus den sechs fremden Eiern schlüpften tatsächlich zwei Küken: der schöne Otto und ein »blasser Schisser«. Die beiden krähten um die Wette, bis sich Nachbarn meldeten. Der vermeintliche lautere, weiße Gockel landete im Kochtopf. Während der Nebenbuhler und seine Damen ihr Reich scharrend und gackernd vergrößern durften. »Es ist wie mit mit Schafen. Auch Hühner denken, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ein bisschen grüner ist«, sagt Hühnerfreund Scholz. Dem Stall, in den Otto und seine Familie allabendlich zufrieden und zu früher Stunde einkehren, verpasste er einen Lärmschutz aus Teppichresten.

Leider vergeblich. Denn als Joachim Scholz und seine Frau kürzlich von einem verlängerten Wochenendausflug heimkehrten, fanden sie einen Brief vor samt Unterschriftenliste. Viele Nachbarn sind gegen Ottos Verbleib in der Siedlung. Und deshalb sucht Joachim Scholz jetzt einen neuen Hof für den Stolz der Straße Am Laibach. Wer dem Hahn eine neue Unterkunft bieten möchte, kann den Besitzer per Email an joachim.scholz2@gmx.de erreichen.

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