Martin Rieker steht bei der Krönungsmesse in Halle am Dirigentenpult und auf der Kanzel
»Die Begegnung ist heftig«

Halle (WB). »Manchmal ist manches anders«, sagt Superintendent Walter Hempelmann, denn heute sei Kirchenmusikdirektor Martin Rieker zugleich der Prediger. Mit der Krönungsmesse von Mozart werde ein Lebenswerk gewürdigt und Riekers Abschied eingeleitet, der am 31. März vollzogen wird.

Montag, 04.02.2019, 05:00 Uhr
Ungewohntes Bild: Kirchmusikdirektor Martin Rieker tritt nicht nur als Organist und Orchesterleiter in Erscheinung. Er thematisiert in seiner Predigt zugleich anhand der Geschichte vom brennenden Dornbusch Gottes Allgegenwärtigkeit. Foto: Johannes Gerhards

»Musik ist immer zugleich Verkündigung gewesen«, so Hempelmann weiter, das gelte insbesondere für Mozarts 25-minütiges, 1779 im Salzburger Dom uraufgeführtes Königswerk. Es orientiere sich in seinem Aufbau am Ablauf der katholischen Liturgie. Der Begriff »Krönungsmesse« bezieht sich dagegen auf zahlreiche Krönungsfeierlichkeiten nach Mozarts Tod, bei der die prunkvolle Messe aufgeführt wurde.

Mehrstimmige Gesänge mit den Zuhörern eingeübt

»Wenn Bachtage sind, müssen die Zuhörer auch was tun«, sagt Martin Rieker noch vor Beginn des ökumenischen Gottesdienstes, als er einige mehrstimmige Gesänge gemeinsam mit dem Auditorium kurz einübt, nicht ohne auf die wöchentlichen Probentermine des Bach-Chors hinzuweisen. Als er später vom Dirigentenpult zur Kanzel wechselt, betont er, dass die scheinbare Entfernung nichts mit Abgehobenheit zu tun habe. »Ich bin Ihnen dennoch nah«, lautet sein Versprechen, bevor er die Geschichte vom brennenden Dornbusch aus dem 2. Buch Mose zum Dreh- und Angelpunkt seiner Predigt macht.

»Ich bin da« so habe Gott den Mose angerufen und ihm seine Unterstützung beim Auszug aus Ägypten zugesagt. Dieses mystische Ereignis, wenn Gottesbegegnung zur Gotteserfahrung wird, gehört laut Martin Rieker zum Urgrund des Glaubens. Hildegard von Bingen oder Meister Eckhard haben das erlebt, »und auch Chorsänger kennen diese Momente, die etwas Heiliges haben und das Herz erfüllen«.

»Als ob Himmel und Erde zusammen treffen«

»Gott ruft unwiderstehlich, man kann sich nicht entziehen. Die Begegnung ist heftig, die Erfahrung kräftig und die Offenbarung geheimnisvoll«, so Rieker – als ob Himmel und Erde zusammen treffen. Mit Gott im Rücken könne das Leben gelingen, auch wenn es als Zumutung empfunden werde. Dabei wirke es manchmal unerträglich oder peinlich, sich selbst im Lichte Gottes zu betrachten. Man könne ängstlich reagieren wie Petrus oder selbstbewusst wie Maria.

»Sie alle wurden gerufen, aufrichtig zu leben und zu handeln und sind an Grenzen gestoßen genau wie wir alle«, betont Martin Rieker. Dabei bringe es himmlische Freude, in dieser Welt wirksam zu sein. Das Geheimnis der Nachfolge bestehe darin, sich einzulassen, denn »wir können das Leben nicht sichern, nur leben«.

Publikum dankt es mit lang anhaltendem Beifall

Unterdessen laufen Bach-Chor, die Solosänger Gabriele Czerepan (Sopran), Claudia Burkhart (Alt), Markus Rhein-Schomburg (Tenor) und Martin Halemeyer (Bass) und das gut aufgelegte Instrumentalensemble bei der Präsentation der »MISSA in C« zu musikalischer Höchstform auf. Das Publikum in der voll besetzten St. Johanniskirche würdigt die Darbietung mit lang anhaltendem Beifall, muss aber umgehend das Gotteshaus verlassen, um Platz zu schaffen für einen weiteren Höhepunkt der Bachtage, der sich unmittelbar anschließenden Matinee.

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