Im Bistro »Haller Willem« ist letzte Fete gefeiert worden – Nach 22 Jahren ist Schluss
»Für Halle ist das ein Riesenverlust«

Halle (WB). Das Bistro »Haller Willem«, so wie es über mehr als 20 Jahre die Haller Gastronomieszene geprägt hat, ist Geschichte. In diesen Tagen hat Gastwirt Öczan Duman eine letzte große Fete mit vielen Stammgästen gefeiert. Bis Ende Februar soll das Lokal komplett ausgeräumt und entkernt sein. Dem Vernehmen nach soll ein Café im Tagesbetrieb folgen.

Freitag, 01.02.2019, 03:00 Uhr

In einem Vergleich haben sich Öczan Duman und Verpächter Frank Mittelberg, der als Architekt sein Büro über dem Bistro an der Gartenstraße hat, darauf geeinigt, dass der Wirt sein Lokal nach diversen Streitigkeiten um spätabendliche Ruhestörungen von Gästen endgültig schließt (das WB berichtete).

Wo sollen die Gäste des »Haller Willem« künftig bleiben?

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Vielen Hallern ist es womöglich egal, ob eine Kneipe schließt, wenn sie dort ohnehin nicht verkehrt haben. Und hier soll auch nicht gewertet werden, ob der Lärm von Gästen, die wegen Rauchverbots vor die Tür müssen, noch zumutbar ist oder nicht. Doch die Frage, wie attraktiv, lebenswert und abwechslungsreich das Leben in einer Kleinstadt auch abends noch ist, die sollte schon gestellt werden. Denn wenn junge Leute oder auch die vielen Singles in dieser Stadt keine Treffpunkte mehr finden, dann verfestigt sich bei mindestens bei dieser Klientel der Eindruck: »Halle ist tot.« Und das kann doch eigentlich nicht gewünscht sein, oder?

Stefan Küppers

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Die letzte große Fete am vergangenen Samstag war noch einmal ein Höhepunkt in der Geschichte des Bistros. Zwischenzeitlich war das Lokal fast schon überfüllt, so viele Menschen wollten von »ihrer« Kneipe Abschied nehmen. DJ Kimbo sorgte für den richtigen Sound, so dass auch auf Tischen getanzt wurde. Am Samstag kurz nach Mitternacht schaute das Ordnungsamt mal vorbei, doch an diesem letzten Abend sei trotzdem bewusst weiter bis in den frühen Morgen weitergefeiert worden, sagt Duman mit einem trotzigen Unterton.

Eigentlich ist der Familienvater aus Gütersloh angestellter Elektroingenieur und ist überwiegend im Außendienst unterwegs. Als er das Bistro 2016 übernahm, setzte er zunächst einen Geschäftsführer ein, was sich nach Dumans Darstellung im nachhinein als ein für ihn persönlich teurer Fehler erwiesen hat. Zuletzt war der 44-jährige immer öfter selbst im Lokal, was neben der Hauptarbeit eine Herausforderung war.

Der Wirt sitzt im leeren Bistro an der Theke und sinniert über das Ergebnis der letzten Jahre. »Für mich war das Bistro ein Projekt, das mich letztlich viel Geld gekostet hat. Doch für Halle ist die Aufgabe des Lokals ein Riesenverlust«, sagt Duman. Er fragt sich, wo »seine« Gäste künftig in Halle noch hingehen sollen. Als Kneipe im klassischen Stil gibt es im Innenstadtbereich nur noch die »Altstadt«, eine große Theke sonst nur noch bei »Dimi« im Le Goq.

Große Theke steht jetzt zum Verkauf

Öczan Duman macht keinen Hehl daraus, dass ihm einige Ereignisse zugesetzt haben. Da waren zum Beispiel nicht weniger als vier Einbrüche in seinem Bistro, »Die Schäden der letzten beiden Einbrüche musste ich quasi selber begleichen, weil die Versicherung die Selbstbeteiligungen nach den ersten beiden Taten hochgesetzt hatte«, berichtet er. Und auch über »Knöllchen« vom Haller Ordnungsamt hat er sich geärgert. Gäste seien mit Bier-Konsum vor der Tür erwischt worden, hätten sie dort eine Cola getrunken, wäre keine Strafe fällig, erzählt er.

Jetzt wird Duman alles ausräumen, was das Bistro seit seiner Eröffnung 1997 noch unter »Hacki« und Doris Schmidt ausgemacht hat. Später folgten Tanja Andriouk und Petra Wagemann als Wirtinnen. Regale, Stühle, Tische, Schränke, Küche, alles kommt raus. Auch die große Theke steht zum Verkauf. Zur Bestückung in Vereinsheimen soll es schon erste Anfragen gegeben haben.

 

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