Erstes Sandkamp-Hochhaus in Halle wird Etage für Etage abgetragen Jetzt wird am Beton geknabbert

Halle (WB). Monatelang geisterten auf dem Gelände der beiden Sandkamp-Hochhäuser vermummte Gestalten umher. Seit vergangene Woche frisst sich ein Bagger mit riesigem Greifarm in die Betondecken und Wände. Seit Montag ist es auch für die Zaungäste unübersehbar: jetzt geht es mit dem Abriss der lange leer stehenden Hochhäuser in die Vollen.

Von Klaus-Peter Schillig

Die Betonbrocken vom Abriss der Tiefgarage sind extra nah am Haus Nummer 25 abgelegt worden Der Abrissbagger steht somit auf einem kleinen Berg und kann mit seinem langen Arm ganz oben anfangen, an den Mauern zu knabber. Mit gebotener Vorsicht und gesprühtem Wasserstrahl, denn schließlich soll bei dem immer noch recht trockenen Wetter nicht die ganze angrenzende Siedlung zugestaubt werden.

Erster Komplex ist schadstofffrei gemessen

In diesem Komplex sind die aufwendigsten Arbeiten seit vergangener Woche erledigt, wie Johannes Brockbals, Architekt in Diensten der Stadt Halle, zurückblickt. »Haus Nr. 25 ist schadstofffrei gemessen worden«, sagt er auf Nachfrage des WB. Was bedeutet, dass alle asbesthaltigen Baustoffe gesondert ausgebaut worden sind.

Asbest, dieser vermutlich hochgradig krebserregende Stoff, war nicht nur in den Dämmplatten der Außenverkleidung enthalten, sondern auch überall im Gebäude. Das früher so gern als Brandverhüter eingesetzte faserige Material war sogar in den Estrich eingemischt, der entsprechend vorsichtig abgeschliffen werden musste. Das gilt für alle Räume, die keinen festen Bodenbelag hatten.

Die Mitarbeiter der auf Schadstoff-Entsorgung spezialisierten Firma PAE aus Hamburg fanden aber auch zahlreiche Räume vor, in denen ein so genannten Flortex-Belag verklebt war. Der musste mitsamt dem Estrich ausgebaut werden, weil der Kleber ebenfalls asbesthaltig ist. »Immer, wenn ein Kleber schwarz ist, enthält er Asbest«, warnt Brockbals auch private Renovierer vor Sorglosigkeit im Umgang mit dem gefährlichen Baustoff.

Auch künstliche Mineralfasern schädigen die Lunge

Auch die technischen Anlagen, wie Lüftungsschächte beispielsweise, müssen größtenteils in den Sondermüll, denn die Dichtungen enthalten ebenfalls Asbest. Auf andere Art gefährlich sind die KMF-Dämmplatten, die ebenfalls vor dem Anrücken des Abrissbaggers gesondert entfernt werden müssen. KMF steht für »künstliche Mineralfaser« und wird auch als »lungengängig« bezeichnet – die einzelnen Fasern krallen sich durch Widerhaken in der Lunge fest. Ausbau und Entsorgung sind regelmäßig von Gutachter Johannes Schleiner vom Umweltlabor ACB in Münster überwacht worden. Die schadstoffhaltigen Abfälle sind in weißen Säcken verpackt, die nach Rücksprache mit der Bezirksregierung auf Sondermülldeponien entsorgt werden müssen.

Die ganze Prozedur beginnt gerade im Haus Nummer 27 (neun Etagen) von vorn, während nebenan die Hausnummer 25 Etage für Etage von oben abgerissen wird, Bis Ende März sollen beide Hochhäuser dann verschwunden sein.

Für unnötigen Zeitverlust haben übrigens Randalierer gesorgt, die an einem Wochenende den großen Hubsteiger lahmgelegt hatten. Die durchgeschnittenen Steuerkabel sorgten für Verzögerung beim Abnehmen der Außenwand-Verkleidung und zusätzliche Kosten. Die Polizei ermittelt.

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