André Rieu beschwört im Haller Gerry-Weber-Stadion die »Zauberkraft der Musik« Tourfinale mit neun Zugaben

Halle (WB). »Die gekünstelt-feierliche Atmosphäre bei manchen klassischen Konzerten wird man bei uns vergeblich suchen«, sagt André Rieu über sich und sein Johann-Strauss-Orchester. Farbenfroh, munter und humorvoll geht es bei seinen Auftritten zu, davon konnten sich 4750 begeisterte Besucher im Haller Gerry-Weber-Stadion überzeugen.

Von Johannes Gerhards
André Rieu genießt sichtlich die Stimmung bei seinem zehnten Gastspiel im Haller Gerry-Weber-Stadion.
André Rieu genießt sichtlich die Stimmung bei seinem zehnten Gastspiel im Haller Gerry-Weber-Stadion. Foto: Johannes Gerhards

Zum zehnten Mal gastiert der Walzerkönig in Halle. Diesmal bildet das fast dreistündige Konzert den Abschluss seiner Deutschlandtournee. Seit 30 Jahren reist der 68-Jährige mit seinem internationalen Orchester durch die Welt. Sänger und Musiker aus 13 Nationen gehören zum Ensemble, darunter Gary Bennett (Tasmanien), der Ungar Béla Mavrák und Eric Reddet (Frankreich), die als »Platin Tenors« auftreten und mit »Granada« und »This Land is mine« wieder die Herzen der Zuhörer erobern konnten.

Fernöstliche Stimmung

Zwei chinesische Sängerinnen lassen fernöstliche Stimmung entstehen, die Sopranistinnen Anna Majchrzak (»Denk an mich« aus »Phantom der Oper«) und Donij van Doorn mit einer stimmgewaltigen Kostprobe aus Verdis »La Traviata« sorgen für wohlige Gänsehautatmosphäre beim Publikum. »Musik braucht keine Worte, sie geht sofort ins Herz«, sagt der Maestro unter dem zustimmenden Applaus der Zuhörer. Musik habe Zauberkraft. Mit Händels »Halleluja«, laut Rieu dem festlichsten Stück der Musikgeschichte, geht es in die Pause.

Anschließend werden mit Holzschuhtanz und Trompetenecho eher folkloristische Töne angeschlagen, und André Rieu schnippt nostalgisch anmutende Polaroids von der Bühne ins Publikum. Ein sich im Walzertakt drehendes Paar wird vom Sicherheitsdienst dezent zum Platznehmen aufgefordert, um den Weg freizumachen für die »Highland Dragon Pipe Band« und die »Pipes and Drums« aus Bielefeld, die sich der schottischen Dudelsackmusik verschrieben haben.

Gemeinsam intonieren Orchester, Trommler und Pfeifer »High­land Cathedral«. Mit Donauwalzer und Carl Orffs mächtigem »Oh Fortuna« sollte das Konzert eigentlich zu Ende gehen. Ein musikalisches Feuerwerk wird auf Bühne und Leinwand gezündet, Zuhörer und Musiker haben aber längst noch nicht genug.

Zugabenteil wird »dritte Halbzeit«

Der Zugabenteil entwickelt sich zur »dritten Halbzeit«, bunte Luftballons schweben vom Stadiondach herab, ihr knalliges Zerplatzen ergänzt den Radetzkymarsch wie dazu gehörende Salutschüsse.

Bei »Viva Espana« bilden fast sämtliche Besucher einen vieltausendstimmigen Chor, bevor es nicht nur für den kleinen Gardeoffizier »Adieu« heißt. Nach neun Zugaben ist dann endgültig das Finale erreicht.

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