Hauptversammlung in Halle Modekonzern Gerry Weber vertröstet Aktionäre auf die Zukunft

Halle (WB). Der Haller Modekonzern Gerry Weber AG kämpft weiter gegen die Krise an. Welche Maßnahmen den seit drei Jahren anhaltenden Umsatz- und Gewinnrückgang – der 2016/17 im ersten Verlustjahr gipfelte – umkehren sollen, wurde aber bei der Hauptversammlung nicht klar.

Von Oliver Horst
Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ernst F. Schröder (von links) und die Vorstände Jörg Stüber, Ralf Weber und Johannes Ehling stellten sich den 500 anwesenden Aktionären bei der Hauptversammlung des Haller Modekonzerns.
Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ernst F. Schröder (von links) und die Vorstände Jörg Stüber, Ralf Weber und Johannes Ehling stellten sich den 500 anwesenden Aktionären bei der Hauptversammlung des Haller Modekonzerns. Foto: Oliver Schwabe

Trotz der angespannten Lage blieb die Kritik der rund 500 anwesenden Aktionäre – deutlich weniger als in vorangegangenen Jahren – überschaubar. Ausgerechnet das Streichen der Dividende, nachdem zuvor noch 25 Cent je Aktie gezahlt worden waren, fand mit 99,85 Prozent sogar die größte Zustimmung aller zu fassenden Beschlüsse.

Zwischen Resignation und Hoffnung

Die Stimmungslage der Anteilseigner scheint zwischen Resignation und Hoffnung zu schwanken, mutmaßte Jella Benner-Heinacher von der Aktionärsvereinigung DSW.

Vorstandschef Ralf Weber sagte, »an der Lage und den Ergebnissen gibt es nichts zu beschönigen«. Der Vorstand habe aber alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um den Konzern »wieder auf Kurs zu bringen«. Das nach zwei Jahren abgeschlossene Sparprogramm »Fit4Growth« sei ein Erfolg gewesen und habe die Kosten nicht zuletzt durch die Schließung von 138 der einst fast 1000 eigenen Filialen um 30 Millionen Euro gesenkt.

Niedrigere Umsätze und Margen der Gerry-Weber-Kernmarken sowie Einmalkosten hätten das Ergebnis aber belastet und unter dem Strich zu einem Verlust von knapp 800.000 Euro geführt.

BIs zu 890 Millionen Euro Umsatz

Für das laufende Geschäftsjahr, das am 31. Oktober endet, stellte Weber einen stabilen Umsatz von 870 bis 890 Millionen Euro und einen operativen Gewinn von 10 bis 20 Millionen in Aussicht. Ob es zu einem Überschuss und einer Dividende reicht, wollte er nicht versprechen.

Gemeinsam mit seinen neuen Vorstandskollegen Johannes Ehling (Vertrieb) und Jörg Stüber (Finanzen) werde ein weiteres Sparprogramm erarbeitet, um Gerry Weber »zurück zu alter Stärke« zu führen. Details sollen Mitte Juni vorgestellt werden. Das Image soll derweil auch die Kampagne mit dem 90er-Jahre Topmodel Eva Herzigova aufpolieren, die sich der Konzern eine Million Euro im Jahr kosten lässt.

Eine »Art Scherbenhaufen«

Aktionärsschützer Josef Gemmeke (SdK) stellte fest, dass Gerry Weber sowohl von der Krise des stationären Einzelhandels als auch der Modebranche betroffen sei. Umso wichtiger sei die reine Onlinemarke »Gr8teful«, die Hinwendung zum Großhandel und die wachsende Tochter Hallhuber. »Ich habe den Eindruck, dass der Kapitalmarkt die Marke Gerry Weber abgeschrieben hat und am Turnaround zweifelt«, sagte er aber angesichts des Kursverfalls der Gerry-Weber-Aktie.

Benner-Heinacher sprach derweil von einer »Art Scherbenhaufen«, vor dem Gerry Weber stehe. Die schnelle Wende sei nicht eingetreten. Das Kommen und Gehen im Vorstand gleiche einem Taubenschlag, sagte Benner-Heinacher mit Blick auf die Abgänge von Finanzvorstand Dr. David Frink und Vertriebsvorstand Norbert Steinke im vergangenen Jahr. »Bei Gerry Weber gilt das Prinzip Hoffnung für die Rückkehr zu besseren Zahlen und Zeiten.«

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