Odilia lädt zu Sommerfest auf dem Hof – Integrative Wohnanlage Stodieks Hof erweitert 400 Jahre Heimat am Laibach

Halle-Bokel (WB). Der 30-jährige Krieg bricht aus, als ein Bauer in Bokel voller Gottvertrauen sein Haus am Laibach baut. Auf dem schön restaurierten Torbogen ist es nachzulesen: Anno Domini 1618 lässt Gerdt Stockdick seinen Namen ins Eichenholz schnitzen. Diese 400 Jahre Geschichte feiert der Laibach-Hof in diesem Sommer. Der Verein Odilia gibt 27 Kindern und Jugendlichen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung dort heute ein Zuhause – und dem einstigen Stodieks Hof damit eine Zukunft.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Insgesamt neun, größtenteils schon restaurierte Gebäude gehören zum Laibach-Hof in Bokel, hinten zu sehen sind Haupthaus und Haus am Bach. Angelika Kuhlmann lädt schon ein zum großen Sommerfest. Denn der schöne Hof feiert dann seinen 400. Geburtstag.                                                          
Insgesamt neun, größtenteils schon restaurierte Gebäude gehören zum Laibach-Hof in Bokel, hinten zu sehen sind Haupthaus und Haus am Bach. Angelika Kuhlmann lädt schon ein zum großen Sommerfest. Denn der schöne Hof feiert dann seinen 400. Geburtstag.                                                          

Dazu trägt auch die »Außenstelle« des Laibach-Hofes bei, der Stodieks Hof in Gartnisch. Die integrative Wohnanlage in dem denkmalgeschützten Hofhaus und dem Neubau nebenan soll demnächst um zwei Siedlungshäuschen mit neun Appartements und Wohnungen erweitert werden.

Der Zufall hat seine Hand im Spiel

Zweimal Stodieks Hof, aber wohl keine Verwandtschaft: Hier hatte vielmehr der Zufall (oder das Schicksal) seine Hand im Spiel. »Derselbe Name – ist das Zufall oder was?« staunt Angelika Kuhlmann (57), die Pädagogische Leiterin der anthroposophisch ausgerichteten Gemeinschaft für seelenpflege-bedürftige Menschen. »Wir wollen die Jahreszahl beim Sommerfest feiern und suchen noch nach Geschichten rund um den Laibachhof«, sagt sie. Denn einige Bokeler haben Dr. Elisabeth Stodiek noch gekannt, die Stifterin. 1980 vermacht Dr. Stodiek den Hof der Sonnenhellweg-Schule, die dort unter Leitung von Angelika Gräf ein Schulheim gründet. Die »Villa« wird wieder hergerichtet – erst einmal quasi als Internat. 1990 gründet sich der Verein Laibach-Hof, inzwischen auf dem ganzen Hof und mit Uwe Beintmann als Geschäftsführer. Im einstigen Schweinestall richtet man ein Therapiehaus ein, heute die Verwaltung. Der alte Hühnerstall wird zum Haus am Bach umgebaut. Auch die heilpädagogische Arbeit entwickelt sich weiter. Auf Wunsch der Eltern wird der Hof zum Heim mit weiteren therapeutischen Angeboten.

Im alten Schafstall könnte ein Elterncafé entstehen

Im folgenden Jahrzehnt wird die Einrichtung, auf der man längst den Schafstall von 1575 restauriert hat (der zweitälteste in Westfalen) immer selbständiger. Sie wächst um den denkmalgeschützten Stodieks Hof in Gartnisch, der über Jahre restauriert wird. Mit einem Neubau am zweiten Standort entsteht dort eine integrative Wohnanlage, in der zehn Erwachsene das Leben in einer eigenen Wohnung trainieren. Odilia, eine 660 blind geborene Fürstentochter Odilia, die durch die christliche Taufe sehend wurde und ihr Leben lang als Heilerin tätig war, gibt dem erweiterten Trägerverein ihren Namen. 2009 entsteht das Konzept des Betreuten Wohnens, das jetzt zu einer Bauvoranfrage für die integrative Anlage in Gartnisch führte. »Weil es so schwierig ist, Wohnraum zu finden, unsere jungen Leute aber gern in Halle bleiben möchten, wollen wir auf dem Nachbargrundstück zwei Häuschen bauen. Neben fünf Einzelappartements, Büro und Gästezimmer sollen vier Wohnungen entstehen, in die auch Familien einziehen können«, berichtet Angelika Kuhlmann.

Die heute insgesamt 67 Mitarbeiter zählende Einrichtung geht mit der Zeit und schmiedet Zukunftspläne: Einzel- statt Doppelzimmer und ein Elterncafé vielleicht im Schafstall. Reithalle und Pferdestall sind neu gebaut. Eine alte Scheune musste abgebrochen werden. Die neue soll beim großen Sommerfest eingeweiht werden.

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